Archiv: Traum geplatzt

Dell » Im Kampf um Millionen-Investitionen für ein neues Europa-Werk des amerikanischen Computerherstellers dürften die ostdeutschen Bewerber leer ausgehen. 

Die Gespräche zogen sich über Monate hin. Mehrmals hat der von Bund und Ländern getragene Industrial Investment Council (IIC), der ausländische Investoren nach Ostdeutschland locken soll, seine Topmanager in die USA geschickt, um mit Dell zu verhandeln. Der Computerhersteller will eine Fabrik in Europa bauen und dem Vernehmen nach mindestens 1000 Arbeitsplätze schaffen. Um das Projekt hatten sich mithilfe des IIC mehrere ostdeutsche Städte und Regionen beworben. Doch sie kommen voraussichtlich nicht zum Zuge. 

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„Deutschland kommt als Standort nicht in die engere Wahl“, sagt ein IIC-Manager, der an den Gesprächen mit Dell beteiligt war. Die Dell-Fabrik werde mit ziemlicher Sicherheit in Osteuropa entstehen, ergänzt ein IIC-Senior-Manager. Grund seien die Lohnkosten. In Ostdeutschland seien sie zwar niedriger als im Westen des Landes, doch mit den Lohnkosten der östlichen EU-Nachbarn könnten sie nicht mithalten. Sogar wenn die voraussichtlichen Lohnsteigerungen der kommenden Jahre in Osteuropa berücksichtigt würden, ergebe sich für die Regionen dort immer noch ein Vorteil, sagt ein ebenfalls an den Verhandlungen Beteiligter. In welchem osteuropäischen Land die neue Fabrik entstehen soll, ist noch geheim. Dell will sich dazu erst in den nächsten Wochen äußern. Die Zeit drängt: Bereits im vierten Quartal 2006 soll die Fabrik in Betrieb gehen. Die Zahl der Beschäftigten will Dell von anfangs 1000 auf 2500 steigern, heißt es in Verhandlungskreisen. Die Investitionen belaufen sich demnach auf rund 100 Millionen Euro. Als Favoriten für den Standort der Fabrik gelten Polen, Ungarn, Tschechien und die Slowakei. 

In Deutschland war vor allem die Region Leipzig/Halle als Standort im Gespräch, da Dell in Halle seit 1. September ein Vertriebs- und Service-Zentrum betreibt. Außerdem wäre der Standort wegen des Flughafens attraktiv gewesen, den die Post-Tochter DHL derzeit zum Drehkreuz ausbaut. Sowohl die Wirtschaftsförderung Sachsen, als auch die Wirtschaftsförderung Sachsen-Anhalt bestätigen Verhandlungen. Neben Leipzig/Halle sind IIC-Managern zufolge auch noch Erfurt, Berlin-Schönefeld und Rostock als Standort in Betracht gekommen. 

Im Vertriebs- und Service-Zentrum von Dell in Halle arbeiten derzeit rund 200 Beschäftigten, weitere 120 sollen in den kommenden sechs Monaten eingestellt werden, kündigte Dell-Deutschland-Chef Alain Bandle bei der offiziellen Eröffnung des Zentrums an. In der Hoffnung auf weitere Arbeitsplätze haben sich seit Mai rund 7000 Arbeit-Suchende bei Dell in Halle beworben. 

Der amerikanische Computerkonzern will mit dem geplanten neuen Werk unter anderem seinen Marktanteil in Europa verdoppeln bis verdreifachen. Bisher verfügt Dell in Europa nur über eine Fabrik: in Irland. Von dort kann das Unternehmen zwar seine Kunden in Westeuropa relativ schnell beliefern. Nach Italien und Skandinavien seien die Wege jedoch zu lang, hatte Dell-Europachef Paul Bell kürzlich verkündet. Da das Geschäftskonzept von Dell voll auf Direktvertrieb setzt, wird der Computer erst zusammengebaut, wenn die Bestellung vom Kunden eingegangen ist. Kurze Wege sind deshalb wichtig. Auf dem deutschen Markt tut sich der Computerhersteller noch schwer. Zwar hat er im zweiten Quartal 2005 hier 46 Prozent mehr Rechner verkauft als im selben Zeitraum des vergangenen Jahres. Der Marktanteil stieg von 7,5 auf 9,7 Prozent. Dennoch liegt Dell in Deutschland bei den Computerherstellern auf Platz vier hinter Fujitsu Siemens, Medion und Hewlett-Packard. 

thomas stölzel 

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