Archiv: Trümmeraufsammeln

Southwest Airlines »  Gary C. Kelly, Chef des erfolgreichsten Billigfliegers der USA, prophezeit der Branche eine brutale Konsolidierungsphase. 

Herr Kelly, wann kommt die Luftfahrtbranche aus der Krise? 

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Ich sehe weltweit Überkapazitäten von etwa 30 Prozent. Die Airline-Industrie wird in diesem Jahr rund fünf Milliarden Dollar Verlust anhäufen. Seit dem 11. September 2001 haben die Fluggesellschaften mehr als 30 Milliarden Dollar Miese geschrieben. Da muss etwas passieren. 

Ihr Vorschlag? 

Die großen Airlines müssen akzeptieren, dass sie nicht mehr für jeden Kunden und für jeden Anlass die richtige Wahl sind. 

Die Unterschiede zwischen den Billigfliegern und den Traditionalisten verwischen sich längst. 

Der Unterschied in der Wahrnehmung der Discounter im Vergleich zu den großen Airlines war nie besonders groß. Warum also sollte ein Kunde für ein Ticket das Vielfache bei einer anderen Airline zahlen? 

Vielleicht wünscht der Gast auf einem Zehnstundenflug über den Atlantik mehr als nur Kartoffelchips – und ist auch bereit, mehr zu zahlen. 

Wie viel mehr? 10 Prozent, vielleicht 20 Prozent? Möglich. Aber auf Flügen von anderthalb Stunden – vergessen Sie es! Alles, was die Leute erwarten, sind ein bequemer Sitz, ein sauberes Flugzeug, freundliches Bordpersonal, Pünktlichkeit und den besten Tarif. 

Wie sehen Sie das Wachstumspotenzial von Southwest? 

Der amerikanische Markt ist der größte der Welt. Und er ist noch längst nicht ausgereizt. Wir werden Ende des Jahres 446 Flugzeuge in unserer Flotte haben, und wenn Sie die 350 Kaufoptionen auf neue Maschinen hinzurechnen, sehen Sie, wie wir unser Potenzial bis 2012 einschätzen. Die Airline-Industrie in den USA wird in den kommenden Jahren durch eine brutale Konsolidierungsphase gehen. Wir bei Southwest wollen in der Lage sein, einige der Trümmer aufzusammeln. 

Könnte ein Carrier mit einheitlicher Flotte von Langstreckenflugzeugen und ohne Hubs billige Direktverbindungen zwischen internationalen Metropolen anbieten? 

Absolut! Wir haben auch mit nur drei Strecken angefangen. 

Southwest-Gründer Herb Kelleher ist Vollblutunternehmer, Sie der nüchterne Finanzmann? 

Herb hat Philosophie studiert, ich Buchhaltung. 

Vielleicht ist in schwierigen Zeiten ein Buchhalter wertvoller. 

Das mag sein. Wenn Sie die beiden wichtigsten Kostenfaktoren nicht im Griff haben – Treibstoff und Löhne machen bei Airlines heute 60 Prozent der Ausgaben aus –, ist alles andere Makulatur. 

dirk rheker | Bilanz 

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