Archiv: Türken abgesagt

Deutsche Telekom » Der Bonner Konzern soll der Türkei bei der Privatisierung ihres Telekommunikationsriesen helfen. 

Aus seinen Worten klingt noch die Enttäuschung. Und so ganz hat Binali Yildirim die Hoffnung nicht aufgegeben, dass sich die Deutsche Telekom an der Privatisierung von Türk Telekom beteiligt und damit entscheidend den Umbruch im türkischen Telefonmarkt vorantreibt. „Die Deutsche Telekom ist sehr willkommen“, sagt Yildirim, in der türkischen Regierung zuständig für Transport und Kommunikation. 

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Doch Kai-Uwe Ricke , Vorstandschef der Deutschen Telekom, lässt sich nicht mehr umstimmen. Zwar hatte er zunächst Interesse an der Türk Telekom gezeigt. Immerhin stehen 55 Prozent und damit die Mehrheit der Anteile zum Verkauf. Aber nun will er an seinem in Deutschland verkündeten Kurs festhalten. Danach hat sich die Deutsche Telekom selbst auferlegt, sich derzeit bei Akquisitionen im Ausland zurückzuhalten. 

Alle Türen stünden nach wie vor offen, lockt Yildirim, die Deutsche Telekom brauche sich auch nicht an der derzeit laufenden Qualifikationsrunde zu beteiligen, bei der insgesamt elf Konsortien mitmachen. Die Deutschen, sagt das türkische Regierungsmitglied, könnten ein „finales Gebot abgeben“. Ende Mai laufe die Frist aus. 

Dass die Türken die Deutsche Telekom als Wunschpartner ausgeguckt haben, verwundert nicht. Immerhin helfen deutsche Experten beim Aufbau der türkischen Regulierungsbehörde und unterstützen die Regierung in Ankara beim Aufstellen neuer Wettbewerbsregeln. 

Zudem besitzt Türk Telekom als Ex-Monopolist eine starke Stellung im Festnetzgeschäft der Türkei. Allerdings ist die Position im heimischen Mobilfunkmarkt vergleichsweise schwach. Dort ist Türk Telekom nur durch den kleinsten Mobilfunkbetreiber Avea vertreten, der ihr zu 40 Prozent gehört. Zweiter Avea-Großaktionär ist Telecom Italia, die ebenfalls 40 Prozent hält und auf jeden Fall ein Gebot für Türk Telekom abgeben will, um so die Kont-rolle zu erlangen. 

Wettbewerbshüter befürchten allerdings, dass Telecom Italia eine zu starke Stellung auf dem türkischen Telekommunikationsmarkt bekommt und hoffen auf Alternativangebote. „In kaum einem Land ist die Deutsche Telekom so gern gesehen, wie in der Türkei“, beobachtet Ertugrul Taner , Türkeiexperte bei der Unternehmensberatung Dr. Schwarz-Schilling & Partners. „Der Zeitpunk zum Einstieg ist ext-rem günstig.“ Nach dem Rückzug der spanschen Telefónica ist Telecom Italia derzeit der einzige Telekomkonzern in Europa, der ein Gebot für Türk Telecom abgeben will. Die meisten Investoren kommen aus der Türkei. Auch die Militärs, die die Festnetzinfrastruktur intensiv nutzen, bereiten ein Angebot vor. Allerdings gibt es für die Deutsche Telekom eine zweite Chance, auf dem türkischen Mobil-funkmarkt Fuß zu fassen. Noch in diesem Jahr wollen die Banken mit dem Verkauf des überschuldeten zweit-größten Anbieters Telsim beginnen. Ernst & Young und die Bankengruppe Rothschild bereiten gerade den Prospekt gerade vor. 

juergen.berke@wiwo.de 

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