Archiv: Üben, üben, üben

Definitionen und Formen der Meditation 

Die Definitionen dessen, was unter Meditation zu ver-stehen ist, sind so zahlreich wie die Wege, zu meditieren. Wie definieren Naturwissenschaftler, bekannt für Präzision ihrer Begriffe, die Meditation? In einem gemeinsamen Fachartikel schreiben die Gehirnforscher, Neurowissenschaftler, Psychologen und Psychiater Antoine Lutz, Lawrence Greischar, Nancy Rawlings, Matthieu Ricard und Richard Davidson: „Meditation bezeichnet einen Prozess des Kennenlernens seines eigenen mentalen Lebens, der zuandauernden kognitiven und emotionalen Veränderungen führt.“ 

Umso mehr ist bekannt durch die mehrere Tausend Jahre zurückreichenden spirituellen und mystischen Traditionen in Ost und West, die eine Fülle von „Wegen“ und Meditationsformen hervorgebracht haben. In allen Fällen hat Meditation mit Techniken der erhöhten Konzentration zu tun – dem Erlernen einer neuen Achtsamkeit und Aufmerksamkeit, die Körper und Geist gleichermaßen umfasst und den ganzen Menschen einbezieht. 

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Auch wenn die Wege unterschiedlich sind, so stimmen doch viele Meditationsformen darin überein, dass das korrekte Erlernen der körperlichen und geistigen Haltung durch einen erfahrenen Lehrer oder Roshi von entscheidender Bedeutung ist. Die meisten Formen der Meditation finden im Sitzen statt. Dabei ist der Rücken gerade aufgerichtet, der Blick leicht nach unten gesenkt, die Augen je nach Meditationsform geschlossen, offen oder halb offen, die Hände ineinander verschränkt. Die Atmung ist ruhig und kontrolliert; Umweltreize sollten weitgehend eingeschränkt werden. 

Der berühmte Zen-Meister Dogen formulierte es um 1250 mit poetischen Worten: „Den Weg der Meditation ergründen heißt sich selbst ergründen. Sich selbst ergründen heißt sich selbst vergessen. Sich selbst vergessen heißt eins mit den Zehntausend Dingen sein. Eins mit den Zehntausend Dingen sein heißt Körper und Geist von uns selbst und Körper und Geist der Welt um uns fallen zu lassen.“ 

Wer Meditation üben will, muss sich auf eine tägliche Übung und einen lebenslangen Weg des Erwachens einstellen: Gleich ob man Yoga-, Dhyana- oder Kundalini-Meditation, christliche Kontemplation, taoistische, tibetische oder Zen-Meditation, transzendentale Meditation, Qigong-Bewegungsmeditation oder eine sonstige Meditationsform übt. „Meditation heißt nicht unter einem Mangobaum sitzen und eine nette Zeit haben“, sagt der Psychologe Ricard, „es geht vielmehr um tiefe Veränderungen des Seins; auf lange Sicht wird man dabei eine andere Person.“ 

Gert Scobel 

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