Archiv: Unbezahlbar exklusiv

Raku Kichizaemons Teeschalen sind teurer als ein S-Klasse-Mercedes. 

Die Dame des Hauses serviert schaumigen grünen Tee in schwarzen Schalen, die jedem Japaner Ehrfurcht einflößen. Der Hausherr, Raku Kichizaemon, winkt bescheiden ab. „Sie sind nichts Besonderes“, sagt der Schöpfer der Gefäße, die einen Marktwert von 30 000 Euro aufwärts haben und über 140 000 Euro kosten können – mehr als ein S-Klasse-Mercedes. 

Raku Kichizaemon ist der 15. Spross der berühmtesten japanischen Töpferfamilie. Der 56-Jährige lebt und arbeitet in der alten Residenzstadt Kyoto in seinem traditionellen japanischen Haus neben dem von ihm eingerichteten Raku Museum, in dem unbezahlbare Tee-schalen zu bestaunen sind. Auf Ausländer wirken die irdenen Gefäße eher schwerfällig, fast grob bis klobig und die Preise daher absonderlich. Japaner aber geraten schon in Verzückung, wenn sie den Namen hören. 

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Die handgeformte, nicht auf der Scheibe gedrehte Keramik kühlt nicht langsam im geschlossenen Ofen ab, sondern wird bei Temperaturen um 1000 Grad Celsius rotglühend mit langen Zangen aus dem Ofen geholt und in organischen Brennstoffen wie Sägemehl, Laub oder Stroh luftdicht eingeschlossen. Rauch, mangelnder Sauerstoff und bestimmte Mineralien wirken auf Ton und Glasur, machen jedes Stück zu einem unnachahmlichen Unikat. 

Seit über 400 Jahren wird Raku-Keramik nach demselben Prinzip hergestellt. Für Kenner sind die meist anthrazit bis schwarzen, relativ dickwandigen Kunstwerke ideale Teegefäße, weil sie das heiße Getränk isolieren und gleichzeitig leicht in der Hand liegen. Die spezielle Teekeramik gehört für Japaner zu den höchstgeschätzten Kulturgütern. Dem mit der Teezeremonie gebildeten Schönheitsideal entspricht das eher unscheinbare Keramikgefäß, dem die Hand und die Gedanken des Töpfers anzusehen sind durch gewollte Verformungen, durch Unregelmäßigkeiten, durch verblüffende Farbspiele. 

Wegen der enormen Fertigungshitze werden solche Schalen vorwiegend in den kühlen Monaten zwischen Januar und April hergestellt. 50 bis 60 der hoch exklusiven Schalen formt der Meister höchstpersönlich von Hand, maximal die Hälfte übersteht seine kritische Prüfung. Nicht immer: „Manchmal endet eine ganze Produktion im Chaos, dann gehe ich weinend zu Bett.“ 

Angela Köhler 

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