Archiv: Unter Strom

In Rekordzeit machte Utz Claassen aus der defizitären EnBW ein hoch profitables Unternehmen. 

Utz Claassen, seit Mai 2003 Chef des baden-württembergischen Energieversorgers EnBW, ist immer für Überraschungen gut. Das begann kurz nach seinem Amtsantritt, als er bekannt gab, dass das vermeintlich profitable Unternehmen 1,1 Milliarden Euro Verlust produziert hatte. 2005 dann die Erfolgsmeldung des Cola-Light-Trinkers: 707 Millionen Euro Gewinn vor Steuern wies der Stromkonzern, der zu 45 Prozent dem französischen Stromkonzern EDF gehört, für das Jahr 2004 aus. Claassen war mit seinem knochenharten Sanierungs-Job erfolgreich. 

Jurymitglied Dietmar Fink, Geschäftsführender Direktor der Deutschen Gesellschaft für Managementforschung (DGMF): „Claassen ist ein Sanierer, und die werden in Deutschland immer beschimpft. Die Jury wollte ein Zeichen setzen.“ Für die Sanierung wurde Claassen in der Kategorie Prozessinnovation nominiert. Wobei Claassen nicht müde wird zu betonen, es sei der Erfolg eines ganzen Teams. 

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Nach Überzeugung der Juroren hat Claassen die internen Prozesse komplett neu gestaltet. Dabei beriet ihn der Sanierungsexperte Kajo Neukirchen. Er speckte den intransparenten Konzern ab und verkaufte, fusionierte oder schloss 155 Beteiligungen. Die Mitarbeiterzahl sank von 43 000 auf 18 000 – ohne dass eine einzige betriebsbedingte Kündigung notwendig wurde. Selbst der Betriebsrat hielt still. Claassen kürzte die Wochenarbeitszeit auf 4,5 Tage und setzte einen Lohnverzicht von 5,6 Prozent durch. 

Zur EnBW gehört Yello, die bekannteste Strommarke Deutschlands. Als Claassen antrat, hatten sich die Anlaufverluste auf 870 Millionen Euro aufgetürmt. Yello schreibt seit einem Jahr schwarze Zahlen. Der EnBW-Chef verschmolz Yello mit der Mutter, kürzte die Werbeausgaben und hob die Strompreise an, wobei er aber darauf achtete, dass Yello der billigste Stromverkäufer in jeder Region blieb. 

Der 42-jährige Claassen freut sich über sein öffentliches Image als „Rambo“, das er sich durch seine Sanierung erworben hat: „Rambo ist ja nicht gänzlich unerfolgreich gewesen“, sagt er etwas provokant. Für DGMF-Chef und Juror Fink ist Claassens Leistung „eine Managementinnovation par excellence“. 

andreas.wildhagen@wiwo.de 

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