Archiv: UnterAufsicht

Claudio Albrecht » Zweimal regte der Chef von Ratiopharm in den vergangenen Monaten eine Trennung an. Jetzt wurde er gefeuert. 

Eigentlich wollte Claudio Albrecht noch an seinem Vortrag über das „Zukunftspotenzial des Generikamarktes“ arbeiten, den er Anfang dieser Woche auf dem Kongress des europäischen Generika-Verbandes in Berlin halten sollte. Doch es kam anders: Donnerstagmittag vergangener Woche erfuhr der Vorsitzende der Geschäftsführung des Ulmer Medikamentenherstellers Ratiopharm, dass er gefeuert ist – ebenso wie Finanz-Geschäftsführer Peter Prock. Philipp Merckle, Sohn des Eigentümers und Ratiopharm-Gründers Adolf Merckle, teilte ihm die Entscheidung mit. 

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Albrechts Pech war, dass sich die Kräfteverhältnisse im Unternehmen zu seinem Nachteil geändert hatten. Denn vor einigen Monaten hatte Adolf Merckle, ein ebenso erfolgreicher wie wegen seiner rüden Methoden umstrittener Unternehmer, seine Interessen neu geordnet: Der älteste Sohn Ludwig, bisher für Ratiopharm zuständig, kümmert sich nun um den Pharmagroßhändler Phoenix und die Beteiligung an Heidelberg-Cement. Der Spross Philipp kontrolliert jetzt Ratiopharm. 

Es passte von Anfang an nicht zwischen dem selbstbewussten, aggressiven Ratiopharm-Chef Albrecht und dem bescheidenen, bodenständigen Eigentümer-Sohn Philipp Merckle. Und dass kürzlich Berichte erschienen über angeblich aggressive Vertriebspraktiken von Ratiopharm dürfte dem stark von christlichen Wertvorstellungen geprägten Philipp Merckle kaum gefallen haben. 

Albrecht hatte das Unheil wohl kommen sehen: Zweimal soll er, heißt es bei Ratiopharm, in den vergangenen vier Monaten eine gütliche Trennung angeregt haben – vergebens. 

Noch im Frühjahr – unter der Aufsicht von Ludwig Merckle, mit dem sich Albrecht dem Vernehmen nach gut verstand – war sein Vertrag verlängert und sein Gehalt aufgestockt worden. Albrecht soll dafür ein attraktives Konkurrenzangebot ausgeschlagen haben. Um so überraschter war er dann wohl, als er am Donnerstag vergangener Woche plötzlich erfuhr, dass er unter Aufsicht eines Rechtsanwalts seinen Schreibtisch binnen weniger 

Stunden räumen sollte. 

juergen.salz@wiwo.de 

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