Archiv: Vertrauen verloren

Heinz Bauer » Der Hamburger Verleger stellt sich an die Spitze der Genussscheingläubiger, die sich beim Verkauf der Hypothekenbank AHBR an den US-Investor Lone Star hintergangen fühlen. 

Der Gang in die Öffentlichkeit ist für den Hamburger Verleger Heinz Bauer ein Graus. Am liebsten schweigt der 66-Jährige – selbst auf Bilanzpressekonferenzen seines eigenen Unternehmens, des Heinrich Bauer Verlages, sagt er kaum ein Wort. Doch der Verkauf der Allgemeinen Hypothekenbank Rheinboden (AHBR) an den US-Investor Lone Star hat den Verleger derart aufgebracht, dass er als Frontmann von AHBR-Genussscheininhabern auftritt. „Lone Star versucht, auf Kosten der Genussscheininhaber den Verlust zu maximieren und damit den eigenen Gewinn zu hebeln“, klagt Bauer, der zu einer Gruppe gehört, die knapp 30 Prozent des AHBR-Genussscheinkapitals von 567 Millionen Euro hält. Dazu zählen nach Informationen aus Finanzkreisen neben Privatleuten wie Bauer selbst auch viele institutionelle Anleger wie etwa die Hypothekenbank Dexia sowie die Versicherungen Gerling und DEVK. Die Gruppe hat beim Amtsgericht Frankfurt die Einberufung von Gläubigerversammlungen beantragt. „Wir wollen nachvollziehen, wie der Deal zu Stande kam und was er bedeutet“, sagt Bauer. Bisher hätten die Genussscheininhaber keine offiziellen Informationen erhalten. Aus den Medien hätten sie nur entnommen, dass sie einen Großteil des Verlustes von 1,1 Milliarden Euro tragen sollen, den die AHBR nach Berechnungen des neuen Eigentümers Lone Star im vergangenen Jahr gemacht hat. Noch im dritten Quartal 2005 hatte die AHBR, die damals mehrheitlich zur Gewerkschaftsholding BGAG gehörte, mit einem kleinen Gewinn gerechnet. Der Verleger erhebt zugleich schwere Vorwürfe gegen die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). „Die BaFin macht gemeinsame Sache mit Lone Star – und kommt ihrer Pflicht, Transparenz zu schaffen, nicht nach“, kritisiert Bauer. Die Finanzaufseher hätten jahrelang tatenlos zugeschaut und stellten sich nun gegen die Interessen der Genussscheingläubiger. In einem Schreiben an die Gläubigergruppe weist die BaFin dagegen darauf hin, dass der „Schutz von einzelnen Gläubigern“ nicht ihre Aufgabe sei. Im Vordergrund stehe der „Schutz des Vertrauens der Öffentlichkeit in die Funktionsfähigkeit der Kreditwirtschaft und des Finanzmarktes“. Verleger Bauer hat dieses Vertrauen verloren und alle Genussscheine verkauft, die er von anderen Unternehmen im Depot hatte. „Das Risiko“, sagt er, „ist unüberschaubar.“ 

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stefanie.burgmaier@wiwo.de | Frankfurtbrigitte v. haacke 

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