Verzicht auf Crashkurs

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Deutsche Bahn » Nach einem Wechsel der Bundesregierung muss bei dem Staatsunternehmen Aufsichtsratschef Michael Frenzel voraussichtlich als Erster gehen. 

Die Ankündigung von Bundeskanzler Gerhard Schröder, die Bundestagswahl vorzuziehen, war keine drei Tage alt, da musste sich Bahn-Chef  Hartmut Mehdorn schon als Opfer rot-grüner Endzeitstimmung sehen. „Mehdorn ist ein Schröder-Mann und hängt von ihm ab“, bedeutete Grünen-Verkehrspolitiker Albert Schmidt . Und sein FDP-Kollege Horst Friedrich setzte eins drauf. Eine neue Mehrheit im Bundestag werde auch zu einem „neuen Bahn-Vorstand führen“, sagte er. 

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Davon ist bei Schwarz-Gelb keine Rede mehr. Zur neuen Strategie von Union und Liberalen gehört stattdessen die möglichst rasche Ablösung des Aufsichtsratsvorsitzenden Michael Frenzel . 

Der Chef des hannoverschen Tourismuskonzerns TUI ist SPD-Mitglied, Ziehsohn des verstorbenen WestLB-Chefs und Sozialdemokraten Friedel Neuber und unterhält enge Verbindungen zu Schröder seit dessen Zeit als Ministerpräsident von Niedersachsen. Frenzel gilt bahnintern als Frühstücksdirektor, der Schröder den Rücken frei, Mehdorn an langer Leine und die Bahn möglichst aus den Schlagzeilen halten soll. Schröder hatte den TUI-Chef 2001 auf Druck Mehdorns zum Oberkontrolleur der Bahn ernannt, nachdem der bisherige Aufsichtsrats- und frühere Thyssen-Chef Dieter Vogel die wirtschaftliche Trennung des Schienennetzes vom Fahrbetrieb gefordert hatte. 

Einen Nachfolger für Frenzel haben Union und FDP noch nicht in petto. Ausgemacht ist nur, dass der neue Bahn-Aufsichtsratschef die Politiker künftig mit den Zahlen versorgen solle, die Mehdorn ihnen bei parlamentarischen Treffen derzeit verweigere. 

Die neue Linie gegenüber der Deutschen Bahn, die CDU/CSU-Kanzlerkandidatin  Angela Merkel und ihr Verkehrsexperte, Dirk Fischer , intern abgesprochen haben, läuft demnach auf eine – zumindest vorläufige – Schonung Mehdorns hinaus. „Wir fahren bei der Bahn keinen Crashkurs“, sagt Fischer, „und auch von Drohgebärden halte ich nichts.“ 

Wie lange sich Mehdorn allerdings von einem neuen Aufsichtsratschef verschärft auf die Finger schauen lasse, so offenbar das Kalkül der liberalen und christdemokratischen Verkehrspolitiker, werde die Zeit zeigen. Auf jeden Fall muss er, der Merkel nach Angaben aus CDU-Kreisen in den vergangenen Wochen mindestens zweimal getroffen hat, nach einem Machtwechsel in Berlin ungemütlichere Zeiten fürchten. 

reinhold.boehmer@wiwo.de 

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