Archiv: Viel Feingefühl

Frankfurter Sparkasse » Mit dem Kauf eifert die Frankfurter Landesbank der Stuttgarter nach. 

Die Gelegenheit hat sich der hessische Ministerpräsident Roland Koch nicht entgegen lassen. Seit die Frankfurter Sparkasse (Fraspa) nach neuen starken Eignern suchte, plädierte der CDU-Politiker für eine Eingliederung in seine Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Am Pfingstsamstag freute sich Koch über einen „zukunftsweisenden Schritt“, als nach monatelangen Verhandlungen die Eckpunkte der Eingliederung unterzeichnet wurden. Fast ein Jahr musste Günther Merl , Vorstandsvorsitzender der Helaba, bangen. Im Juni sollen die Gremien der bisherigen und der neuen Eigner den Verkauf der Fraspa andie Landesbank absegnen. Mit dem Erwerb der Sparkasse baut die Helaba vor allem ihr Privatkundengeschäft aus und eifert der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) nach. 

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Die LBBW, die 1999 unter Regie des damaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Erwin Teufel aus der Fusion von Südwestdeutscher Landesbank, Landesgirokasse und Teilen der Landeskreditbank entstand, gilt als derzeit bestgeführte Landesbank. Das Institut, das seit Anfang des Jahres von Siegfried Jaschinski gelenkt wird, hat auch ohne Staatsgarantien ein besseres Rating als die Deutsche Bank. Besonders hoch werten die Ratinganalysten das starke Retailgeschäft der LBBW. Neben der Stuttgarter und bald der Frankfurter Landesbank haben auch die Norddeutsche Landesbank (Nord/LB) und die Bankgesellschaft Berlin eine Sparkasse unter ihrem Dach. Die übrigen Landesbanken, die ebenfalls im Juli dieses Jahres ihre Staatsgarantien verlieren, versuchen ihr Geschäft mit Privatkunden zu forcieren. Das erfordert viel Feingefühl gegenüber den regional organisierten Sparkassen. Lange Jahre war die Aufgabenteilung im öffentlich-rechtlichen Verbund klar: Die Sparkassen kümmerten sich um Privatkunden und kleine Unternehmen, die Landesbanken betreuten die Großkunden. Wenn nun Landesbanken in Eigenregie Privatkunden beraten, konkurrieren sie oftmals direkt mit den Sparkassen, ihren Eigentümern. Um den Konflikt zu entschärfen, wird die LBBW ihr Privatkundengeschäft in diesem Jahr in der BW-Bank bündeln. Soweit ist die Helaba noch nicht. In Hessen soll erst in fünf Jahren die Aufgabenteilung zwischen Helaba und Sparkassen im Rhein-Main-Gebiet neu festgelegt werden. Bis dahin betreuen die Fraspa-Filialen innerhalb und außerhalb des Frankfurter Stadtgebiets ihre Kunden wie bisher. Hinter den Bankschaltern werden allerdings Aktivitäten zusammengelegt. So gilt es als sicher, dass die Abwicklung und Stabsabteilungen bei der Helaba gebündelt werden. Mit der Direktbank 1822direkt erwirbt die Frankfurter Landesbank eine Vertriebsmaschine. In dem jetzt vereinbarten Kaufpreis von 725 Millionen Euro ist die 1822direkt enthalten. Das filiallose Institut, das Ende vergangenen Jahres mehr als 170 000 Konten online führte, ist bereits heute bundesweit tätig. Mit Marketingkampagnen ließe sich die Direktbank zur Konkurrenz des Marktführers ING-DiBa und der organisationseigenen Deutschen Kreditbank (DKB) ausbauen. 

stefanie.burgmaier@wiwo.de 

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