Archiv: Voll im Griff

Ingvar Kamprad » Der Ikea-Gründer hat ein verschachteltes System von Stiftungen und Beteiligungen aufgebaut, um seinen Einfluss auf den Möbelkonzern abzusichern und ihn vor fremdem Zugriff zu schützen. 

„Guten Morgen, ich bin der Ingvar.“ So locker und kollegial begrüßt Ikea-Gründer Ingvar Kamprad gerne seine Angestellten, wenn er überraschend eines seiner weltweit 234 gelb-blauen Möbelhäuser (siehe WirtschaftsWoche 19/2006) besucht. Hinter dem jovialen Auftritt des 80-jährigen Schweden verbirgt sich jedoch ein knallharter Geschäftsmann. 

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Obwohl ihm das 1943 gegründete Unternehmen offiziell nicht mehr gehört, hat er es durch eine trickreiche Konstruktion offenbar weiter voll unter Kontrolle. 1982 reichte er seine Anteile an die niederländische Stichting Ingka Foundation weiter. Als gemeinnützige Stiftung (Wert laut dem britischen „Economist“ mindestens 36 Milliarden US-Dollar) genießt sie Steuerfreiheit und muss sich vom Fiskus nicht in die Bücher schauen lassen. Ihr gehört die hoch profitable Ingka Holding, die wiederum die Ikea-Gruppe kontrolliert. Von 1998 bis 2003 soll die Holding 1,6 Milliarden Euro in Form von Dividenden an die Stiftung abgeführt haben. Laut Statuten fördert die Stiftung Innovationen auf den Gebieten Architektur und Innendesign. Dazu leitet sie Geld an eine andere Stiftung weiter, die ebenfalls keine Zahlen publiziert. Bekannt ist nur, dass die Mittel auch für langfristige Investitionen verwendet werden, um, so Ikea, Reserven „für Fälle künftigen Kapitalbedarfs“ aufzubauen. 

Den fünfköpfigen Stiftungsrat leitet Kamprad. Scheidet ein Mitglied aus, bestimmen die verbleibenden den Nachfolger. Auch ein eventueller Verkauf der Holding-Anteile ist streng geregelt. Sie dürfen nur an eine andere Stiftung mit identischer Zielsetzung und Leitung veräußert werden – also eigentlich gar nicht. 

Für einige Teile des Ikea-Imperiums hat Kamprad eine andere Konstruktion gewählt. So liegen die Lizenzrechte bei der niederländischen Inter Ikea Systems Holding, die wiederum zur Inter Ikea Holding in Luxemburg gehört und von den einzelnen Möbelhäusern jährlich drei Prozent des Umsatzes als Gebühr kassiert. 2004 sind diese Einnahmen mit 631 Millionen Euro angegeben. Der Vorsteuergewinn der Inter Ikea Holding lag bei 225 Millionen Euro – nach Abzug von 590 Millionen Euro für „andere operative Aufwendungen“. Dabei soll es sich um Zahlungen an eine weitere luxemburgische Holding handeln, die 2004 einen Gewinn von 328 Millionen Euro auswies. Auch hinter dieser wird die Familie Kamprad vermutet. 

stephan.schmidt@wiwo.de 

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