Vom Stiefel zum Handy

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Adidas Herbert Hainer, Chef des zweitgrößten Sportartikelkonzerns der Welt, drängt nach dem Verkauf von Salomon verstärkt ins boomende Outdoorgeschäft. 

Nein, in der finnischen Sauna saß Adidas-Chef Herbert Hainer nicht mit seinem skandinavischen Kollegen Roger Talermo . „Das wäre es noch gewesen“, lacht Hainer, „eine Verhandlung, frei nach dem Motto: Wer zuerst raus muss, der hat verloren.“ Stattdessen verhandelte er das Geheimprojekt mit dem Chef des finnischen Ski-, Golf- und Tennisschlägerherstellers Amer Sports kühl zu Ende. 

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Verloren, ist sich Hainer sicher, hat keiner von beiden: Amer Sports kauft Adidas den ungeliebten französischen Ski-hersteller Salomon für 485 Millionen Euro ab und kommt seinem Ziel näher, weltgrößter Sportausrüstungsproduzent zu werden. „Wenn Nokia sich vom Gummistiefelhersteller zum weltgrößten Handyanbieter entwickeln konnte, werden wir auch Nummer eins bei den Sportausrüstern“, sagt Talermo. 

Adidas dagegen ist endlich seine margenfressende Wachstumsbremse los. Stattdessen schalten die Franken künftig unter eigenem Namen ausgerechnet auf dem Outdoormarkt auf Angriff – nicht zuletzt, um die zehnprozentige Umsatzeinbuße durch den Salomon-Verkauf zu kompensieren. „Wir werden in den Bereich Outdoor investieren und wollen den Adidas angemessenen Marktanteil erreichen“, sagt Hainer. Intern hat der Adidas-Chef der Sparte daher jetzt höhere Umsatz-ziele und Hilfe von außen verordnet: Um das operative Geschäft soll sich dem Ver-nehmen nach ein Ex-Mana-ger des Südtiroler Outdoor-Spezialisten Salewa kümmern. Auch über Akquistionen haben die Franken nachgedacht. So hat Adidas laut Branchenkreisen vergeblich versucht, die Traditionsmarke Schöffel zu kaufen. 

Nicht nur für Adidas ist die Sparte hoch attraktiv: Denn der Outdoor-Markt trotzt der Krise im Einzelhandel. So stieg der Anteil der Outdoor-Produkte am Sportartikelmarkt von 27 Prozent 2001 auf 31 Prozent 2004. Längst haben Finanzinvestoren die Nische entdeckt. Vor kurzem wechselte Jack Wolfskin, Marktführer in Deutschland, den Besitzer. Auch an Salomon, sagt Hainer, seien Finanzinvestoren interessiert gewesen. Mit dem strategischen Investor Amer habe er jedoch einen höheren Verkaufspreis erzielen können. 

peter.steinkirchner@wiwo.de,angela hennersdorf 

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