Archiv: Von Toyota lernen

Chery Automobile Co. » Mit Billigautos kommt der chinesische Automobilbauer nach Deutschland. 

Sein Vorbild ist Toyota. So wie der japanische Autohersteller Ende der Siebzigerjahre in den Westen vordrang und sich mit hoher Qualität und niedrigen Preisen durchsetzte, so will nun Yin Tongyao den Weltmarkt erobern. Bereits im September kommt der Präsident des südchinesischen Autoherstellers Chery Automobile Co. nach Deutschland, um auf der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt sein Billigauto zu präsentieren. Im Januar 2006 soll es bereits bei deutschen Händlern stehen. Ein Jahr später will Yin den amerikanischen Markt ansteuern. 

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So wie einst Toyota setzt Yin auf niedrige Lohnkosten und hohe Stückzahlen. Doch noch hinkt er in der Produktion den etablierten Wettbewerbern hinterher. Nur 90 000 Autos fertigte Chery im vergangenen Jahr, 8000 davon wurden ins Ausland verkauft, vor allem nach Malaysia und in den Iran. Dieses Jahr will Yin mindestens 50 000 Wagen exportieren. Gemeinsam mit internationalen Ingenieuren und Zulieferern sowie finanzieller Unterstützung der Pekinger Regierung will Chery in den kommenden zwei bis drei Jahren fünf verschiedene Modellreihen mit rund 40 Fahrzeugtypen entwickeln, darunter Zweitürer, Viertürer und Sportwagen. Damit das Design auch westlichen Geschmack trifft, haben die Chinesen so renommierte italienische Karosseriegestalter wie Bertone und Pininfarina angeheuert. Chery plant sogar eine eigene Produktion in Europa. Ins Visier nimmt das Unternehmen dafür Polen, Rumänien und Tschechien. 

Bisher haben die Chinesen allerdings weniger durch eigene Entwicklungen von sich reden gemacht als durch vermeintlichen Technologieklau. Der Vorwurf: Das erste Erfolgsmodell beruht zum großen Teil auf illegal erworbenen Originalteilen des VW-Modells Jetta. Auch Cherys derzeitiges Erfolgsmodell, der Kleinwagen QQ, der in China für nur 4400 Euro angeboten wird, ist offensichtlich eine maßgetreue Kopie des Chevrolet Spark von General Motors (GM). Die Amerikaner, die wie der Wolfsburger VW-Konzern mit dem Chery-Gesellschafter SAIC kooperieren, haben inzwischen Klage eingereicht. 

Yin stören diese Vorwürfe nicht – im Gegenteil. Er geht davon aus, dass es durchaus den Verkauf fördern könnte, wenn westliche Kunden wüssten, dass sie bei Chery internationale Qualität zu niedrigeren Preisen bekämen. 

frank.sieren@wiwo.de | Peking 

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