Archiv: Weg vom Schreibtisch

Condoleezza Rice »  Die US-Außenministerin baut den diplomatischen Dienst um. Vor allem in aufstrebenden Staaten wie China und Indien will sie die Vertretungen stärken. 

Amerikas Diplomatie stellt sich auf die globalen Verschiebungen der politischen und wirtschaftlichen Schwergewichte ein. Unter dem Titel „Transformational Diplomacy“ (Diplomatie des Wandels) läutet Außenministerin CondoleezzaRice den Abschied von Strukturen des Kalten Kriegs ein. „Wir haben nahezu die gleiche Anzahl von Bediensteten in Deutschland, einem Land mit 82 Millionen Einwohnern, wie in Indien, wo eine Milliarde Menschen leben“, sagte Rice vor Studenten und Professoren der Georgetown-Universität in Washington. Diesen Zustand wolle sie ändern. Wie viele US-Diplomaten Deutschland verlassen werden, können die Offiziellen in Rices Haus noch nicht sagen. Derzeit beschäftigen die US-Botschaft und die Konsulate in Deutschland gut 600 Amerikaner. Insgesamt arbeiten in Europa etwa 2000 US-Diplomaten. Sicher ist: Binnen der nächsten drei Jahre werden hunderte von Stellen von Europa in „kritische und aufstrebende Regionen in Afrika, Süd- und Ostasien, den Nahen Osten und anderswo“ verlegt, erklärt das US-Außenministerium. Nach Angaben eines Washingtoner Ministerialen liegt der Fokus auf China und Indien sowie auf Ländern, von denen sich die USA eine günstige Entwicklung in Richtung Demokratie versprechen. In großen Städten Afrikas und Asiens, in denen die USA bisher diplomatisch nicht vertreten sind, will Rice Einzelposten schaffen. Kosten sparen will sie durch „virtuelle“ Vertretungen: Internetseiten, auf denen Nutzer mit Diplomaten chatten können. Auch an die Beamten selbst stellt Rices Initiative neue Anforderungen. So werden bessere Kenntnisse in „kritischen Sprachen“ verlangt, vor allem Chinesisch oder Arabisch. Zudem sollen die Diplomaten nicht nur politische Analysten ihrer Einsatzländer sein, sondern sich mehr als bisher „weg vom Schreibtisch“ bewegen und unter anderem Hilfs- und Bildungsprogramme organisieren sowie den Kampf gegen den Terrorismus unterstützen. 

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stephan.schmidt@wiwo.de 

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