Wenn zwei sich streiten

Archiv: Wenn zwei sich streiten

Jahrelang verhandelten amerikanische Zeitungs- und Zeitschriftenverleger über eine gemeinsame Web-Seite, auf der sie redaktionelle Inhalte vermarkten wollten. Ihr Herzstück sollte eine Datenbank werden, aus der Abonnenten Beiträge und Fotos abrufen können sollten. Das Projekt scheiterte an tief greifenden Animositäten zwischen den Verlagen. Google nutzte die Uneinigkeit, um im Internet ruck, zuck einen eigenen Nachrichtendienst aufzubauen: Auf der englischsprachigen Seite von Google News können Leser heute in mehr als 4500 Quellen nach Neuigkeiten stöbern. Digg.com aus San Francisco registriert, welche Artikel besonders viel gelesen werden; Topix aus Palo Alto stellt sie in einer virtuellen Zeitung zusammen, die beständig aktualisiert wird. Der Effekt: Unternehmen außerhalb der klassischen Druckmedien kontrollieren nun weitgehend die Präsentation der Inhalte im Internet. 

Die großen US-Fernsehsender wollen diesem Schicksal entgehen. Aufgeschreckt durch den Erfolg von Videoseiten wie YouTube und Apples iTunes-Videoshop planen sie einen gemeinsamen Internetauftritt. Noch steht eine Einigung aus. Erst einmal kündigte Disney an, seine Marke für das Projekt nicht herzugeben. Google wiederum versucht das Vorhaben durch den Abschluss von Lizenzverträgen mit Fernsehsendern zu hintertreiben. Mehrere Studien behaupten, dass Online-Video zu einem riesigen Geschäft mit vielen Anzeigen wird. Beflügelt wird der Trend durch bessere Software. So wird Microsofts neues Betriebssystem Windows Vista das Abspeichern von Fernsehsendungen erheblich vereinfachen. Und Apple-Chef Steve Jobs wird im Januar eine Box präsentieren, die das Abspielen von Online-Videos über den Fernseher erleichtert. Der Anbieter Bittorrent aus San Francisco, dessen Software große Datenmengen besonders effizient im Internet überträgt, profitiert bereits vom absehbaren Boom. Firmengründer Bram Cohen hat für den Aufbau einer eigenen Video-Web-Seite, deren Inhalte vom Start weg lizenziert und gegen Raubkopieren geschützt sein sollen, 20 Millionen Dollar vom Wagnisfinanzierer Accel erhalten. Es sieht ganz danach aus, dass auch bei Filmen im Internet Außenstehende den etablierten Medien das Wasser abgraben. 

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