Archiv: Wettrennen um Lizenz

Donald Rumsfeld » Der US-Verteidigungsminister profitiert von der steigenden Nachfrage nach dem Grippemittel Tamiflu. 

Seit Juli ist Donald Rumsfeld um schätzungsweise eine Million Dollar reicher geworden. Der US-Verteidigungsminister ist Anteilseigner des amerikanischen Biotech-Unternehmens Gilead Sciences, dem Erfinder des Anti-Grippe-Medikaments Tamiflu, und darf sich über steigende Aktienkurse freuen. Rumsfeld führte von 1997 bis 2000 den Aufsichtsrat des Unternehmens. Als Verteidigungsminister hat er sich inzwischen jedoch bei allen Entscheidungen für befangen erklärt, die Tamiflu betreffen. Schließlich ordert auch das Pentagon größere Mengen des Mittels, das gegen die Vogelgrippe hilft. 

Anzeige

Doch nicht nur der Kurs von Gilead steigt, sondern auch der des Schweizer Pharmakonzerns Roche, der bisher als einziger Tamiflu in Lizenz herstellen darf und weltweit vermarktet. Bis Ende 2006 wollen die Schweizer 300 Millionen Tamiflu-Einheiten jährlich produzieren. Da Roche aber wegen der steigenden Nachfrage an Kapazitätsgrenzen stößt, wollen nun auch andere Unternehmen ins Geschäft einsteigen. 150 Unternehmen und Regierungen haben sich bereits bei Roche gemeldet, um eine Lizenz zur Produktion zu erwerben. Wissenschaftler des taiwanischen National Health Research Institutes und des indischen Medikamentenunternehmens Cipla behaupten sogar, Tamiflu innerhalb weniger Monate herstellen zu können – während Roche-Manager darauf verweisen, dass der Aufbau einer großtechnischen Produktion Jahre dauern kann. 

Vom wachsenden Interesse an Mitteln zur Bekämpfung der Vogelgrippe könnte demnächst auch das deutsch-niederländische Biotech-Unternehmen Qiagen profitieren: Seit drei Tagen bietet der Hersteller aus Hilden bei Düsseldorf zwei Tests auf den Vogelgrippe-Erreger H5N1 an, wodurch die Analyse sowohl beim Menschen als auch bei Geflügel dramatisch beschleunigt wird. „Innerhalb von anderthalb Stunden liegen die Ergebnisse vor“, sagt Qiagen-Chef Peer Schatz. Damit sind die bisher üblichen tagelangen Transport- und Wartezeiten hinfällig. Außerdem sollen die Tests so bedienerfreundlich sein, dass sie auch in bescheiden ausgestatteten Labors eingesetzt werden können. 

susanne.kutter@wiwo.de, juergen.salz 

Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%