Archiv: „Win-win“

Georg Kofler » Der Premiere-Chef überseinen Bundesliga-Coup in letzter Minute. 

Herr Kofler, ausgerechnet Ihr Konkurrent Arena verhilft Premiere in letzter Minute noch zu Bundesliga-Bildern und schließt auf diese Weise vier Wochen vor Anpfiff der neuen Saison sein Vertriebsnetz – helfen sich da zwei Einbeinige beim Fußballspielen? 

Ach was, Sie sehen hier eine Partnerschaft von zwei leistungsfähigen, zweibeinigen Spielern, die sich zu einem Team zusammengeschlossen haben und die ihren Kunden nun die Produkte des jeweils anderen anbieten und dabei wechselseitig schöne Margen verdienen – das ist eine klassische Win-win-Situation 

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Premiere hat erst vor Kurzem preiswertere Abo-Pakete eingeführt – gab das den Ausschlag für die Einigung mit Arena, deren Preise von Beginn an deutlich niedriger waren als Ihre? 

Das hat ursächlich mit der Einigung nichts zu tun, allerdings haben wir unser neues Preismodell so konzipiert, dass es Kombinationsmöglichkeiten mit Kabelangeboten erleichtert. Das kommt uns jetzt zupass – zumal ich von Arena einen Turbo-Effekt bei der vereinbarten Vermarktung von Premiere in NRW und Hessen erwarte. Die bekommen dafür jetzt eine Marge und sind entsprechend motiviert. 

Sie haben 3,57 Millionen Abonnenten, fürchteten einen Rückgang auf 3,35 Millionen – verlangsamt sich der Exodus jetzt? 

Im Bereich Kabel ist unsere Kundenbasis jetzt weit gehend stabilisiert, im KDG-Gebiet... 

...also in den 13 Bundesländern, die von der Kabel Deutschland Gesellschaft versorgt werden... 

...gibt es auch keine Sonderkündigungsrechte mehr wegen der Bundesliga. Deshalb bin ich optimistisch, dass wir viele Kunden halten können. Im späteren Herbst kann ich Genaueres sagen. 

Sie sind ja durch die Hintertür an die Bundesliga gekommen, weil sich Arena und KDG nicht einigen konnten. 

Das sehe ich nicht so, ich glaube die Partnerschaft mit Premiere war in diesem Falle für Arena einfach effizienter. Wer sein Programm im Pay-TV optimal vermarkten will, kommt an Premiere nicht vorbei. Im Übrigen hat die KDG die Einigung zwischen Arena und Premiere ausdrücklich begrüßt. 

Es wirkt ja fast, als habe die KDG Sie vorgeschickt – denn KDG hat jetzt beides: Geld gespart für die Liga-Rechte und trotzdem Fußball im Angebot. 

So ist es, wenn sich Partner mit unterschiedlichen Geschäftsmodellen zusammenfinden. Wir können auf Grund unserer bestehenden Kundenbeziehungen mit dem Produkt Bundesliga schnell Umsatz generieren, während der Aufwand für die KDG, neue Kunden zu gewinnen, viel größer gewesen wäre. Unter dem Strich sehen Sie also mit Arena, KDG und Premiere drei Gewinner. 

Ist das der Durchbruch, auf den die deutsche Kabelbranche seit Jahren wartet? 

Ich glaube, dass sowohl die KDG als auch die Arena-Muttergesellschaft Unity Media nun zu ausgewachsenen Vertriebsorganisationen werden, die anständig ins Marketing investieren und so die Digitalisierung des Fernsehens beschleunigen – und davon profitiert dann auch wieder Premiere. 

Was passiert 2009, wenn die Bundesliga-Rechte erneut ausgeschrieben werden? 

Bis dahin wird es noch viele neue Konstellationen und Partnerschaften in diesem Markt geben – sehen Sie sich allein an, was in den vergangenen neun Monaten alles in Bewegung geraten ist. Eine Prognose für 2009 ist nicht möglich. 

Wird Premiere dann noch eigenständig sein? 

Die Übernahmespekulationen der vergangenen Tage entbehrten jedenfalls jeder Grundlage. Wenn wir bei Premiere aber der Meinung sind, dass wir uns mit einem strategischen Partner besser entwickeln können, dann holen wir einen ins Boot. Aber derzeit steht das nicht auf unserer Agenda. 

peter.steinkirchner@wiwo.de 

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