Archiv: Zubringer bedroht

Wie Billigflieger etablierte Linien unter Druck setzen 

Neben ihren Kampfpreisen ist das wichtigste Plus der Billigflieger, dass sie Nonstop-verbindungen anbieten, während etablierte Fluglinien ihre Ziele meist über ihre Drehkreuze ansteuern. Damit reisen die Kunden schneller, weil sie keine Zeit durch Fliegerwechsel oder verpasste Anschlüsse verlieren. Das ist besonders attraktiv für Geschäftsleute – und besonders ärgerlich für die Lufthansa und andere Liniengesellschaften, denn für die sind die teuren Dienstreise-Tickets der wichtigste Umsatzbringer. 

Der Wechsel auf die Billigheimer vollzieht sich stufenweise. Fliegen die Discounter eine Strecke nur einmal am Tag, buchen nur wenige Geschäftsleute. Steigt das Verkehrsaufkommen, fliegen die neuen Linien morgens und abends – und werden richtig interessant für Manager, weil sie einen vollen Arbeitstag am Zielort verbringen können. Den Netzwerklinien bleiben dann nur die Kunden, die ihre Flüge häufig umbuchen – denn das wird bei Billiglinien teuer – oder die einen Zwischenstopp am Umsteigeflughafen einlegen wollen. Je mehr die Billigflieger ihr Angebot aufstocken, umso mehr bringen sie die Kalkulation der Netzwerklinien durcheinander. Kunden aus Hamburg etwa, die mit Lufthansa über Frankfurt nach New York oder Tokio fliegen, zahlen meist nicht mehr als Passagiere, die erst am Drehkreuz zusteigen. Subventioniert werden die Kosten für diese Zubringer von den Kurzstreckenkunden, deren Reise in Frankfurt beginnt oder endet, und von den Umsteigern im Europaverkehr. Buchen die lieber billig, bringt ein Flug Verluste. Dann muss die Linie ihn entweder aus dem Langstreckengeschäft subventionieren, kleinere Flieger mit höheren Kosten pro Passagier einsetzen – oder den Flug ganz streichen.  Mit jedem Zubringer, der so aus dem Netz bricht, sinkt die Auslastung der Anschlussflüge im Europaverkehr und das Unternehmen muss auch diese herunterfahren – bis das Netz irgendwann seine Daseinsberechtigung verliert. Da sich Billigflieger immer zuerst auf die Rennstrecken stürzen, kann das schnell gehen. In den USA haben nur acht Prozent der Inlandsstrecken genug Passagiere für Billigflüge. Doch hier sind 80 Prozent der Reisenden unterwegs. 

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