Archiv: ZweiVisionen

Ron Gettelfinger » Der Chef der amerikanischen Autogewerkschaft ziehtin den Aufsichtsrat von DaimlerChrysler ein. Anders als IG-Metall-Vorsitzender Jürgen Peters gilt er nicht als Ideologe. 

Die glorreichen Zeiten liegen lange zurück: 1,5 Millionen Mitglieder zählte die United Automobile Workers (UAW) zu ihren Hochzeiten in den Achtzigerjahren, heute sind es nur noch 600 000. Mit der Krise der US-Autoindustrie verlor die amerikanische Autogewerkschaft Macht und Mitglieder. „Wir kämpfen um unsere Zukunft“, rief UAW-Chef Ron Gettelfinger im Juni dem Gewerkschaftskongress zu, der ihn für weitere vier Jahre zum Vorsitzenden wählte. Jetzt zieht der 62-Jährige in den Aufsichtsrat von DaimlerChrysler ein und übernimmt dort das Mandat seines US-Kollegen Nate Gooden, der mit 68 Jahren ausschied. Anders als IG-Metall-Chef Jürgen Peters gilt Gettelfinger, der sich 1964 als Techniker bei Ford der UAW anschloss und schnell hauptamtlicher Funktionär wurde, nicht als sturer Ideologe. 

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Im vergangenen Jahr stimmte er bereits deutlichen Einschnitten bei der Krankenversicherung für GM- und Ford-Arbeiter in den USA zu, um den ums Überleben kämpfenden Auto-Ikonen Luft zu verschaffen. Dennoch postiert er sich bei öffentlichen Auftritten gern als Hardliner. „Wir sind mit zwei sehr unterschiedlichen Visionen für die US-Autoindustrie konfrontiert“, sagt Gettelfinger. „Bei der einen bleiben uns nur wenige Montagewerke, während die Teile in anderen Ländern produziert werden. Pensionäre werden in der Kälte gelassen, ihre Krankenversicherung eliminiert und ihre Bezüge beschnitten.“ Die Vision der Gewerkschaft sehe aber anders aus. „Wir glauben daran, dass die amerikanischen Automobilarbeiter und die Unternehmen in der globalen Ökonomie bestehen können.“ Dafür müsse allerdings die US-Regierung Schluss mit der Politik machen, die heimische Hersteller bestrafe und die Verlagerung von Produktionsstätten ins Ausland ermutige. Gettelfinger fordert Staatszuschüsse, um die bestehenden Verpflichtungen der Autokonzerne gegenüber älteren und ehemaligen Mitarbeitern zu finanzieren. 

andreas.henry@wiwo.de | New York 

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