60 Jahre Bundesrepublik Deutschland: Die Suess Brothers: Mit viel Tüftlersinn zum Halbleiterausrüster

60 Jahre Bundesrepublik Deutschland: Die Suess Brothers: Mit viel Tüftlersinn zum Halbleiterausrüster

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Süss Microtec heute: Im nordsächsischen Sacka montieren zwei Mitarbeiter ein Prüfgerät für 300 Millimeter-Wafer. Der Betrieb mit Hauptsitz in München ist auf die Fertigung analytischer Testsysteme spezialisiert, die weltweit in den Forschungsabteilungen der Chip-Produzenten Einsatz finden. Dabei handelt es sich um Präzisionsgeräte zur Prüfung von Schaltkreisen. Fast ein Drittel der Maschinen und Anlagen wird in die USA geliefert

Wie die Söhne des Gründers aus einer Vertriebsfirma mit viel Tüftlersinn den Halbleiterausrüster Süss Microtec formten.

Es sollte mitnichten ein Aprilscherz werden, als Karl Süss am 1. April 1949 die nach ihm benannte Karl Süss KG gründet. Mit zwei Mitarbeitern will der damals 47-jährige Kaufmann optische und feinmechanische Produkte vertreiben wie Mikroskope und Messgeräte. Erster Firmensitz ist eine ausgebombte Wohnung in München.

Süss’ Familie muss mit anpacken. Seine Frau kümmert sich um die Buchhaltung, auch die beiden Söhne und die Tochter arbeiten früh mit. „Ich habe mit 13 schon Mikroskope repariert und Ware per Fahrrad an Kunden ausgeliefert“, erinnert sich der zweitgeborene Sohn Winfried Süss. Herz des Unternehmens ist neben dem Patriarchen der angestellte Optikermeister Hans Fiesser, der eigene Verbesserungen in die von Süss vertriebenen Geräte einbaut. „Neben den Produkten haben wir zunehmend Modifikationen verkauft“, sagt Winfried Süss.

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Anfang der Sechzigerjahre starten High-Tech-Unternehmen wie Siemens, Philips oder Telefunken mit der Herstellung erster mikroelektronischer Bauteile wie etwa Transistoren – der Beginn des Halbleiterzeitalters. Fertigungsmaschinen für Chips gibt es damals noch nicht. „Siemens, an die wir schon damals optische Produkte lieferten, fragte uns, ob wir nicht für sie entsprechende Maschinen bauen könnten – so kamen wir an unseren ersten Auftrag als Halbleiter-Zulieferer“, erzählt Süss.

1963 baut Süss unter eigener Flagge die ersten sogenannten Mask Aligner – spezielle Belichtungsgeräte für die optische Bearbeitung von Halbleiterplatten. Eine wichtige Rolle spielt erneut Werkstattchef Fiesser, der die entscheidenden Teile der neuen Maschine entwickelt – diesen Tüftlersinn bewahrt sich das Unternehmen bis heute.

Der Siemens-Auftrag kommt zur rechten Zeit, denn der bisherige Partner kündigt kurz darauf den Vertriebsvertrag, sodass Süss auf eigene Produkte angewiesen ist. Die fertigt das Unternehmen zunächst noch in einer kleinen Werkstatt in der Christophstraße in der Münchner City, gegenüber der heutigen Staatskanzlei. „Das war eine Garage – wir haben auch einen Gründungsmythos“, sagt Süss in Anspielung auf den IT-Hersteller Hewlett-Packard. Dessen Gründer schraubten ihre ersten Geräte in einer Garage im heutigen Silicon Valley zusammen.

Zeitgleich geht der Vater in den Ruhestand und übergibt das Unternehmen an seine beiden Söhne. Ekkehard, der Ältere, kümmert sich als Kaufmann um den Aufbau von Kundenstamm und Vertrieb. Maschinenbauingenieur Winfried ist für die Entwicklung der eigenen Geräte zuständig. „Wir waren die Suess Brothers, das war eine ideale Kombination“, sagt Süss. Tatsächlich haben die Brüder schnell Erfolg: Dem Auftrag von Siemens folgen rasch weitere Bestellungen. So verkauft das Unternehmen bald Maschinen nach Frankreich, in die Schweiz und Großbritannien. Durch das wachsende Geschäft stößt die Firmengarage an ihre Kapazitätsgrenze. 1968 verlegen die Süss-Brüder ihr Unternehmen mitsamt den damals rund 30 Angestellten in den Münchner Norden nach Garching, wo Süss bis heute seinen Stammsitz hat.

Ungefähr zu jener Zeit findet Süss auch die Nische, die dem Unternehmen bis heute das Überleben sichert: Anstatt Maschinen für die Massenfertigung von Elektronikchips zu bauen, verlegen sich die Süss-Brüder auf den Bereich Forschung und Entwicklung – also spezielle Geräte für Labore sowie Testmaschinen zur Überprüfung von fertigen Chips. „Das ist das Standbein, das uns stets über Wasser gehalten hat“, sagt Süss. Denn Labore und Forschungsinstitute kaufen in der Regel selbst in Krisenzeiten weiter Maschinen.

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