ABC-Börsengang: Nervosität an Chinas Börsen

ABC-Börsengang: Nervosität an Chinas Börsen

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Ein Bauer vor einer Filiale der Agricultural Bank of China in Xiangfan, China

von Matthias Kamp

Das Börsendebüt der Agricultural Bank of China verlief schwächer als erwartet. Sorgen um das Wirtschaftswachstum im Reich der Mitte belasten die Aktienmärkte.

Ein gigantisches Kursfeuerwerk wie beim Börsengang des staatlichen chinesischen Ölkonzerns Petrochina vor drei Jahren blieb heute aus. Um gerade Mal 0,75 Prozent legte die Aktie der Agricultural Bank of China (ABC) nach ihrem Debüt an der Börse Shanghai heute zu. „Wir sind mit dem Preis der Aktie relativ zufrieden, spiegelt er doch die positive Sicht der Investoren auf die Bank wider“, versucht Zhang Yun, Präsident der Bank, gute Stimmung zu machen. Jetzt richtet sich die Hoffnung auf die Erstnotiz des Papiers morgen in Hongkong. Dort ist die Aktie sechsfach überzeichnet.

Mit ein Grund für das schwache Debüt: An den chinesischen Aktienmärkten macht sich eine generelle Nervosität breit. Um 26 Prozent hat der Shanghaier Aktienindex in diesem Jahr nachgegeben. Heute verlor der Index 1,9 Prozent. In Hongkong sackte der Hang Seng heute um 1,5 Prozent ab. Zwar hat der Index dort in diesem Jahr erst knapp sieben Prozent verloren. Doch viel besser als auf dem chinesischen Festland ist die Stimmung in der ehemaligen britischen Kolonie nicht.

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Sorge bereiten den Anlegern vor allem die Wachstumsaussichten für das Riesenreich. Um 10,3 Prozent ist Chinas Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal gewachsen – eine Traumrate für westliche Länder, doch schwächer als erwartet. 25 von Bloomberg befragte Analysten hatten im Schnitt mit einem Wachstum von 10,5 Prozent gerechnet. In den ersten drei Monaten des laufenden Jahres hatte Chinas BIP um 11,9 Prozent zugelegt.

Preise im Juni gefallen

Viele Beobachter stellen sich nun die Frage, ob Chinas Wirtschaft zu der befürchteten harten Landung ansetzt oder ob jetzt lediglich die von der Regierung anvisierte Abkühlung der überhitzten Wirtschaft einsetzt. „Sorgen um eine Überhitzung der Wirtschaft sind der Angst vor einer harten Landung gewichen“, sagt Mark Williams, Chinaanalyst bei Capital Economics in London. Die Zuwächse bei der Industrieproduktion, bei den Umsätzen im Einzelhandel und den Anlageinvestitionen seien in letzter Zeit schwächer als erwartet ausgefallen.

Wang Tao, China-Chefökonomin bei UBS in Peking widerspricht. „Dass die wirtschaftliche Dynamik nachlässt, ist nicht überraschend“, sagt Wang. Die Effekte des Konjunkturprogramms, das China während der Finanzkrise aufgelegt hatte, würden schwächer. Außerdem habe die Regierung die Vergabe von Neukrediten eingeschränkt, und der Effekt einer niedrigen Basis im ersten Halbjahr 2009 werde allmählich schwächer.

Fakt ist: China hat in den vergangenen Monaten eine Reihe von Maßnahmen auf den Weg gebracht, die das ungezügelte Wachstum drosseln sollen und vor allem den heiß gelaufenen Immobilienmarkt abkühlen sollen. So haben es etwa Stahl- und Zementhersteller deutlich schwerer, an Bankkredite zu kommen, ebenso die Investitionsgesellschaften der Provinzregierungen. Gleichzeitig haben die Behörden den Zugang zu Krediten für Käufer von Häusern und Wohnungen sowie für Immobilienentwickler erschwert. Die Folge: Der Immobilenmarkt ist praktisch zum Erliegen gekommen. Erstmals sind im Juni die Preise, die teils schwindelerregende Höhen erreicht hatten, im Monatsvergleich gefallen. Das wiederum wird in den kommenden Monaten für schwächeres Geschäft bei Stahl-, Zement- oder Glasherstellern sorgen.

Analysten wie Ma Jun von der Deutschen Bank in Hongkong rechnen darum für die nächsten Monaten mit einer schwächeren Industrieproduktion. Außerdem dürfte die Exportdynamik nachlassen. Im Juni hatte China im Jahresvergleich 44 Prozent mehr Waren ausgeführt. Im vierten Quartal werde der Zuwachs nur noch bei 20 Prozent liegen, glaubt Ma. Für die kommenden beiden Quartale rechnen die meisten Analysten darum mit einem Wirtschaftswachstum im Bereich von neun Prozent. Ein Absturz der chinesischen Wirtschaft ist das nicht.

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