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Archiv: Ägypten vor einer Brotrevolte

von Prisma der arabischen Welt Quelle: Handelsblatt Online

Noch verhalten sich die Menschenschlangen vor den Bäckereien in den ägyptischen Städten relativ ruhig. Die hungrigen Massen, die mit einem täglichen Prokopfeineinkommen von 2 US-Dollar überleben müssen, sind auf das subventionierte Brot angewiesen. Dass der Kampf um die Fladen bisher nur einige Ägypter das Leben gekostet hat, gleicht einem Wunder. Denn die Wut der Menschen gegen die Regierung kocht buchstäblich.

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Schuld an der gegenwärtigen Krise sind Korruption und Inflation. Das staatlich subventionierte Mehl landet zum Teil auf dem Schwarzmarkt und wird für die Hälfte der 78 Millionen armen Ägypter unbezahlbar. Noch schlimmer ist die galoppierende Inflation. Sie beträgt nach offiziellen Angaben 12,5%. Als Konsequenz steigen die Preise der notwendigen Lebensmittel und vergrößern das Elend der Ägypter.

Für die wirtschaftliche Misere hat die ägyptische Regierung keine Lösungen, sondern viele unglaubwürdige Erklärungen. Sie leugnet ihre eigene Verantwortung für das Problem und stellt die Verteuerung von Getreide auf dem Weltmarkt als einzige Ursache des Problems dar. Diese starre Haltung der Herrscher und die zunehmende Verelendung der Menschen erinnern an die letzte Phase der Sowjetunion. Politische Stagnation und Verkalkung der politischen Klasse gehen am Nil Hand in Hand.

Seitdem Präsident Mubarak im Oktober 1981 an die Macht kam, befindet sich das Land im Ausnahmezustand. Die Partei des Präsidenten verhindert jedweden demokratischen Fortschritt. Allein Unfreiheit und Vetternwirtschaft blühen in Ägypten. Die einflussreiche oppositionelle muslimische Bruderschaft ist zwar im Parlament vertreten. Sie bleibt jedoch illegal und wird von der Regierung in Schach gehalten. Außerdem bietet sie keine Alternative zum Regime, da sie an ihren islamistischen Dogmen festhält und sich weigert, sich nach dem Vorbild der türkischen AKP politisch und programmatisch zu entwickeln.

Die gegenwärtige Brotkrise in Ägypten könnte zu sozialen und politischen Unruhen führen, wenn die Regierung untätig bleibt. Die Ägypter neigen normalerweise nicht zum Aufbegehren, solange sie sich zumindest das Brot leisten können. Ist dies nicht mehr der Fall, so gehen sie auf die Barrikaden. Hierzu sei an die "Brot-Intifada" vom Januar 1977 erinnert: Damals wollte der ehemalige Präsident Sadat die Brotpreise heben. Er war dann aber angesichts der heftigen Proteste, die das Leben von 70 Menschen kosteten, gezwungen, seinen Beschluss zurückzunehmen.

Der vergreiste Präsident Mubarak, der gegenwärtig an der Vererbung seiner Macht arbeitet und seinen Sohn als Nachfolger aufbaut, scheint den Ernst der Lage in seinem Land nicht wahrzunehmen. Seine letzten Amtsjahren könnten für ihn stürmisch sein und letztlich seine Pläne durcheinander bringen.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 14.03.2008, 01:12 UhrAnonymer Benutzer: vandale

    Eine bessere Ueberschrift waere gewesen>

    Die Todesopfer der OEkoreligion oder eine Religion geht ueber Leichen.

  • 14.03.2008, 01:10 UhrAnonymer Benutzer: vandale

    die gegenwaertige Regierung ist ein Segen fuer das Land.

    Die Wirtschaft wurde in den vergangenen Jahren ganz massiv liberalisiert. Die Steuern (etwa 80% zahlen ohnehin keine Steuern) normalisiert. Die Wirtschaft des Landes waechst sehr sichtbar stark.

    Das der Weltmarktpreis fuer Lebensmittel steigt und aufgrund der niedrigen Einkommen von einigen hundert LE (z.b. 20 Euro fuer einen Polizisten) je Monat zu einem Ueberlebensproblem wird ist eher von der Deutschen Oekoreligion denn von der Aegyptischen Regierung verursacht.

    Vandale

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