
HB DÜSSELDORF. Die deutschen Flughäfen rechnen für Mittwoch mit Streikaktionen der Gewerkschaft Verdi und stellen sich auf massive Behinderungen ein. Schon bei geringen Arbeitskampfmaßnahmen seien erhebliche Verspätungen und Flugausfälle während des ganzen Tages wahrscheinlich, hieß es am Dienstag bei mehreren Flughäfen.
"Nach unseren Informationen kommt es Mittwoch früh zu Streikaktionen", sagte ein Flughafen-Sprecher. Verdi sprach von Warnstreiks an den Flughäfen in Nordrhein-Westfalen. Betroffen sind Düsseldorf, Münster-Osnabrück und vermutlich auch Köln-Bonn, sagte Verdi-Gewerkschaftssekretär Leo Hambloch.
Auch der Münchner Flughafen stellt sich auf Warnstreiks ein. Aufgrund der möglichen Arbeitskampfmaßnahmen habe man mit Verdi eine Notdienstvereinbarung geschlossen, teilte der Airport mit. Es sei aber nicht ausgeschlossen, dass Streiks den Flugverkehr beeinträchtigen und zu Verspätungen und Streichungen führen könnten. Mit der Notdienstvereinbarung solle sichergestellt werden, dass alle erforderlichen Maßnahmen zur Gefahrenabwehr und zur Aufrechterhaltung von Sicherheit und Ordnung auch im Falle eines Streiks durchgeführt werden könnten, erklärte der Flughafen. Fluggäste sollten sich aber vor ihrer Reise auf der Webseite des Flughafens oder bei den Fluggesellschaften über Verspätungen oder Annullierungen erkundigen.
Infolge der Ankündigungen strich die Lufhansa vorsorglich 142 Flüge. Insbesondere Flüge innerhalb Deutschlands seien betroffen. Reisende könnten aber mit ihrem Flugschein die Bahn benutzen. Interkontinentalflüge sollten am Vormittag wie geplant stattfinden.
Innerdeutsch reisende Fluggäste, deren Flüge am Mittwochmorgen gestrichen werden, werden gebeten, die Züge der Deutschen Bahn zu nutzen. Etix-Reisende werden gebeten, ihre elektronischen Tickets an einem Lufthansa-Schalter in Reisevoucher umwandeln zu lassen. Detaillierte Informationen über alle gestrichenen Flüge erhalten Lufthansa-Fluggäste den Angaben zufolge im Internet unter lufthansa.com oder über das Call Center unter der Telefonnummer 01805-8384267.
Die meisten großen Airports unterliegen dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst. Bereits Störungen des Betriebs, die auf wenige Stunden befristet seien, könnten den Flugbetrieb erheblich beeinträchtigten und zu Verspätungen und Flugausfällen während des ganzen Tages führen, sagte ein Sprecher des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport. Am größten deutschen Flughafen starten und landen in Spitzenzeiten jede Stunde rund 80 Flugzeuge.
"Wenn die Sicherheitskontrollen nicht mit Personal besetzt sind, muss der Flughafenbetrieb bereits geschlossen werden", sagte der Fraport-Sprecher. Auch beim Be- und Entladen von Flugzeugen komme es für einen reibungslosen Ablauf darauf an, dass die engen Zeitvorgaben eingehalten werden. Wenn am Morgen eine Maschine zu späte starte, könne sie ihren Zeitplan den ganzen Tag lang nicht mehr einhalten.
Die Gewerkschaften Verdi und der Beamtenbund verlangen für die rund 1,3 Millionen Beschäftigten den öffentlichen Dienstes acht Prozent mehr Lohn, mindestens aber 200 Euro im Monat mehr. Zwei Tage vor der fünften Verhandlungsrunde in Potsdam wollen sie den Druck auf die Arbeitgeber durch Streiks erhöhen, ein neues Angebot vorzulegen.
Auch im Bahnverkehr müssen Pendler und Reisende mit massiven Einschränkungen rechnen. Die Lokführergewerkschaft GDL will vom kommenden Montag an in allen drei Transportbereichen der Bahn in einen "unbefristeten Totalstreik" treten. Die Streiks im Fernverkehr, Güterverkehr und bei S-Bahnen würden auch nicht mehr für neue Verhandlungen unterbrochen, kündigte GDL-Chef Manfred Schell an. "Am kommenden Montag stehen die Räder still", sagte Schell.
Ob und wie lange gestreikt werde, habe die Bahn in der Hand. Sollte der Tarifabschluss mit den Lokführern vorher unterschrieben sein, werde der Arbeitskampf nicht stattfinden. Einen Grundlagen-Tarifvertrag, wie ihn die Bahn zur Bedingung gemacht hatte, werde die GDL nicht mehr akzeptieren. Diese Chance habe die Bahn verspielt.
Die Bahn habe noch bis Sonntagabend Zeit, ein neues Angebot zu unterbreiten. Dann sei die GDL verhandlungsbereit. Der Streik könne aber nur noch abgewendet werden, wenn die Bahn den Tarifvertrag ohne Bedingungen unterschreibe.
Am Montagabend hatte die GDL die Verhandlungen mit der Bahn abgebrochen, nachdem sich beide Seiten nicht auf einen Grundlagentarifvertrag einigen konnten. Die Bahn macht dieses Vertragswerk zur Bedingung für den Tarifabschluss. Sie will damit für die Zukunft sicherstellen, dass es keine Widersprüche zwischen den Tarifverträgen mit der GDL und mit der Tarifgemeinschaft aus Transnet und GDBA gibt. Die GDL sieht darin hingegen eine unzulässige Einschränkung ihrer Unabhängigkeit. Die Tarifgespräche zwischen Bahn und GDL waren in den vergangenen Monaten mehrfach kurz vor dem Abschluss gescheitert.
Bahn-Chef Hartmut Mehdorn bezeichnetet die angekündigte Arbeitsniederlegung als "reinen Irrsinn". Offenkundig wollten die GDL-Funktionäre allein aus machttaktischen Gründen ein Verkehrschaos riskieren. Damit würden sie dem Unternehmen, Millionen Kunden und dem Standort Deutschland massiv schaden. Die Bahn habe der GDL unter anderem elf Prozent mehr Lohn zugestanden, erklärte Mehdorn. Auch habe sie den von der GDL vertretenen Lokführern für März eine Abschlagzahlung von 100 Euro zugesichert. Zudem sei bereits eine Einmalzahlung von 800 Euro angewiesen worden. "All dies zeigt unseren guten Willen."
Scharfe Kritik kam auch von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU). Er warnte die Lokführergewerkschaft davor, mit einem weiteren Arbeitskampf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes zu gefährden. "Ein neuerlicher Bahnstreik würde für die Konjunktur in Deutschland zu einer weiteren Belastungsprobe werden", sagte Glos dem Handelsblatt. "Ein Streik kann nur das letzte Mittel in einer Auseinandersetzung zwischen Tarifpartnern sein", meinte Glos. "Weitere Streiks schaden uns allen und zuletzt auch der Tarifautonomie."
Glos drängte die Beteiligten zu einer "endgültigen Einigung". Nach Ansicht des Wirtschaftsministers können Bahn und GdL inzwischen auch nicht mehr auf die Zustimmung der Bevölkerung hoffen. "Sollten ab Montag die Züge wieder stillstehen, würden wohl die wenigsten Fahrgäste und Pendler dafür noch Verständnis aufbringen können", kritisierte Glos.
FLUGHÄFEN
Flughafen Frankfurt
Streik am 5. März ab 05.30 Uhr.
Service-Telefon: 01805 3724636
Flughafen München
Streik am 5. März von 05:00 bis 12:00 Uhr.
Telefonische Flugauskunft: 089 - 9752 1313
Flughafen Düsseldorf
Streik am 5. März von 04:00 bis 09:00 Uhr.
Service-Telefon: 0211 - 421-0
Flughafen Berlin
Flughafeninfo: 0180 5000 186
Flughafen Stuttgart
Streik am 5. März von 04:00 bis 12:00 Uhr.
Flughafen Leipzig-Halle
Service-Telefon: 0341 - 224 11 55
AIRLINES
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