Aktien: Anlagechancen in Dax und MDax

Aktien: Anlagechancen in Dax und MDax

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Börse

von Hauke Reimer, Christof Schürmann und Stefan Hajek

Trotz Verschuldungskrise und Crash-Ängsten sollten Anleger an Aktien festhalten. Zum Teil günstige Bewertungen, Übernahmefantasie und Mangel an Anlagealternativen eröffnen Industriewerten aus Dax und MDax noch Kurspotenzial.

Im Herbst ist Jagdsaison: Der spanische Baukonzern ACS attackiert Hochtief; VW-Patriarch Ferdinand Piëch will die Filetstücke des Lkw- und Maschinenkonzerns MAN für sich allein, und Wettbewerber Mori Seiki aus Japan stockt seinen Anteil am Maschinenbauer Gildemeister auf. Selbst totgesagte Unternehmen werden zum Objekt der Begierde; so der einstige Neue-Markt-Überflieger Intershop, bei dem der US-Softwarekonzern GSI den Durchmarsch probt; oder die Beteiligungsholding Arques, bei der Gründer Peter Löw auf der Hauptversammlung die Macht übernahm.

Übernahmekämpfe sind nicht nur spannend, sondern für Aktionäre lukrativ; die Kurse der Zielunternehmen steigen – MAN etwa legte an einem Tag um sieben Prozent zu; Hochtief gewann, seit die Spanier sich anpirschten, in der Spitze 30 Prozent, Intershop um die 40 Prozent. Genauso erfreulich für Anleger: Hier kaufen nicht durchgeknallte Finanzjongleure, sondern strategische Investoren; Wettbewerber und Kenner der Branche, die genau wissen, was sie tun – und die erkannt haben, dass ihre Zielobjekte noch billig sind. Das beruhigt viele, die meinen, dass deutsche Aktien bereits zu teuer sind. Immerhin hat der Dax seit März 2009 knapp 90 Prozent zugelegt; der MDax, in dem Hochtief und Gildemeister notiert sind, schaffte sogar 125 Prozent.

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Schuldenprobleme und Wachstumsbremsen

Börsenpessimisten verweisen auch darauf, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen so unsicher sind wie selten. Die Euro-Zone sieht sich einem zweiten Härtetest in diesem Jahr ausgesetzt, weil die Schuldenprobleme von Peripheriestaaten wie Griechenland und Irland nach wie vor ungelöst sind. Daraus resultierende Sparanstrengungen können die Euro-Länder wichtige Wachstumspunkte kosten. Das US-Wachstum wiederum will nicht so richtig anspringen, während China seinen Boom mit Zinserhöhungen abzubremsen versucht. Auf dem Treffen der 20 großen Wirtschaftsnationen (G20) vor Wochenfrist konnten sich die Politiker auf keine Linie zur Lösung von Wirtschafts- und Währungsproblemen einigen. Hinzu kommt: Die Banken sind nach wie vor zu schwach kapitalisiert, um Verluste aus Staatspapieren und Derivaten tragen zu können. Zudem verdienen viele von ihnen längst nicht mehr so üppig wie noch zu Jahresbeginn.

Die Luft an den Börsen wird also dünner. Dennoch sollten Anleger nicht ihre Aktien auf den Markt werfen. Bei ausgesuchten Unternehmen lohnt es sich, bei der Stange zu bleiben oder frische Gelder zu investieren. Dabei sollten Investoren diszipliniert handeln und bei ihren Alt-Positionen die gewinnerhaltenden Stoppkurse nachjustieren. Faustregel: Der sogenannte Stop-Loss sollte etwa 15 Prozent unter dem aktuellen Kursniveau der jeweiligen Aktie liegen. Fällt der Kurs tiefer, verkauft die Bank automatisch.

Konservative Bewertungen

Zu deutlich tieferen Kursen muss es aber allen Risiken zum Trotz nicht kommen. Denn vieles spricht für Aktien, vor allem für heimische Papiere. Die deutsche Konjunktur steht unter Dampf. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte dieses Jahr um bis zu 3,7 Prozent zulegen – so stark wie seit 20 Jahren nicht. Und auch die Aussichten für 2011 sind gut. So legte der wichtige ZEW-Indikator zur Konjunkturerwartung von Investoren und Analysten im November erstmals seit sieben Monaten wieder zu, im Durchschnitt erwarten Experten für 2011 rund zwei Prozent Wachstum. „Das ist die Untergrenze. Es ist gut möglich, dass Deutschland 2011 erneut überrascht und ein Wachstumstempo von sogar drei Prozent vorlegt“, sagt Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt der Bremer Landesbank. „Erlebt Deutschland sein Wirtschaftswunder 2.0?“, betitelte die eher zurückhaltende Zürcher Bank Sarasin vergangenen Mittwoch ihre Deutschlandschau.

Sollte die deutsche Wirtschaft, wie schon in den vergangenen Quartalen, positiv überraschen, sind weitere Kursgewinne drin. Großanleger sind an den Märkten zwar schon stark investiert, wie eine von der Bank of Amerika Merrill Lynch veröffentlichte Umfrage unter 218 Fondsmanagern zeigt, die 634 Milliarden Dollar für Anleger verwalten. Nur noch 3,5 Prozent der Kundengelder halten die Fondsprofis demnach in Cash – eigentlich ein Warnzeichen für die Börse. Wer kein Geld hat, fragt keine Aktien mehr nach. Aber er schichtet um. Denn „Großanleger haben im Durchschnitt noch nie so wenige Aktien gehabt wie zurzeit“, sagt Patrick Rudden, Stratege von Alliance-Bernstein in London. Die ersten steuern jetzt gegen. Der erfahrene Rentenfondsmanager Peter E. Huber etwa hat gerade zehn Prozent seines Starcapital Winbonds in Aktien investiert. Bislang galt der Fonds als reinrassiger Rentenfonds.

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