Aktien: Comeback der Dividenden-Titel

Aktien: Comeback der Dividenden-Titel

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Dividendenrenditen im Dax: Die Aktien vieler Unternehmen bieten allein über die Ausschüttung einen ordentlichen Zins

von Stefan Hajek und Niklas Hoyer

Die Börsenkurse nehmen den Aufschwung schon vorweg. Anleger sollten jetzt auf dividendenstarke Aktien setzen. Wie verlässlich die Ausschüttungen sind, bei welchen Unternehmen der Einstieg lohnt.

Es gab schon schönere Auftritte für Ekkehard Schulz. Doch der Chef des Stahlkonzerns ThyssenKrupp muss da durch. Er zieht die zwei Mikros im Bochumer Kongresszentrum näher heran, fährt sich mit der Zunge über die trockenen Lippen. Der globale Konjunktureinbruch habe „tiefe Spuren hinterlassen“, sagt er, und lässt den Blick durch den Saal schweifen. Das Geschäftsjahr sei „das bisher schwerste seit der Fusion von Thyssen und Krupp“ 1999 gewesen.

Schon der Anfang seiner Rede vor der Hauptversammlung hat es in sich: Nach 3,1 Milliarden Euro Gewinn im Vorjahr, muss Schulz nun 2,4 Milliarden Euro Verlust verkünden. Doch die Aktionäre will ThyssenKrupp bei Laune halten: 154 Millionen Euro fließen auf ihre Konten. Die Dividende fällt nicht aus, trotz des Milliardenverlusts. Darauf drängt schon die Krupp-Stiftung, die 25,3 Prozent der ThyssenKrupp-Aktien hält und Kredite bedienen muss, die 2006 zur Aufstockung ihres Anteils nötig waren. Nach 1,30 Euro im Vorjahr zahlt der Konzern immerhin noch 0,30 Euro.

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Kurssteigerungen sind nicht alles

ThyssenKrupp hat den Hauptversammlungsreigen eröffnet, Siemens folgte eine Woche später und Infineon im Februar. Richtig los geht es im April und Mai, wenn 25 der 30 Dax-Konzerne ihre Anleger zur Hauptversammlung laden. Ausgeschüttet wird am Tag nach der Hauptversammlung. Dividendenjäger bringen sich deshalb schon vorher in Stellung. Insgesamt schütten die Dax-Konzerne in diesem Jahr rund 20 Milliarden Euro als Dividenden aus, eine Art Zins auf Aktien. Das sind zwölf Prozent weniger als im Vorjahr. Die Gewinne im Dax sind 2009 mit einem Minus von rund 23 Prozent aber deutlich stärker gesunken. Angesichts einer der schwersten Rezessionen der vergangenen Jahrzehnte, sei es „beeindruckend, dass selbst Unternehmen mit stark schwankendem Geschäft, wie BASF, stabile Dividenden zahlen“, sagt Andreas Hürkamp, Dividendenexperte bei der Commerzbank.

Alternative zu Anleihen

Einzelne Dax-Unternehmen haben ihre Dividende sogar erhöht: Die Allianz zahlt 17 Prozent mehr als im Vorjahr, die Deutsche Bank gar 50 Prozent. Daimler und die Lufthansa dagegen schütten nichts aus. Infineon zahlt schon seit Jahren nicht – und die Commerzbank muss erst die staatlichen Milliardenhilfen zurückzahlen, bevor sie wieder ausschütten darf. Für den Dax insgesamt ist Dividendenexperte Hürkamp dennoch optimistisch. „Dividenden werden in Zukunft die Hälfte der Aktienrendite ausmachen“, schätzt er. Bislang tragen sie nur etwa 30 Prozent bei, der Rest sind Kursgewinne. Für Investoren rücken dividendenstarke Titel daher – nach zwölf Monaten mit steigenden Aktienkursen – in den Fokus.

„Bei vielen Großanlegern setzt sich die Erkenntnis durch, dass in den kommenden Monaten nicht unbedingt mit starken Kursgewinnen zu rechnen ist“, sagt Christoph Riniker, Aktienstratege der Bank Julius Bär. Alternativen gibt es kaum: Anleihen sind teuer, bei hoher Bonität liegt ihre durchschnittliche Rendite nur noch bei 2,8 Prozent, Tages- und Festgeld bringen noch weniger. Aktien mit hoher Dividendenrendite sind ein willkommener Ausweg: Selbst bei stagnierenden Kursen sichern sie Anlegern eine ordentliche Rendite. Sollten die Kurse noch leicht nachgeben, können Investoren das dank Dividende leichter verschmerzen.

Der Blick auf die Ausschüttungen lohnt. In den vergangenen zehn Jahren – mit Platzen der New-Economy-Blase und Finanzkrise – verloren Dax-Anleger ohne Dividenden jährlich 5,4 Prozent. Mit Dividenden büßten sie fast die Hälfte weniger ein. Wer auf die im DivDax vertretenen 15 dividendenstärksten Dax-Aktien setzte, liegt heute sogar mit 4,4 Prozent jährlich im Plus.

Theoretisch dürften Dividenden für Anleger keine Rolle spielen. Schüttet ein Unternehmen pro Aktie 0,50 Euro als Dividende aus, fällt schließlich auch der Kurs um diesen Wert. So notieren Aktien am Tag nach der Hauptversammlung „ex Dividende“; ihr Kurs ist um die Auszahlung reduziert. Der Börsenwert sinkt, der Ausgleich geht aufs Aktionärskonto. „Eigentlich müsste es deshalb egal sein, ob Dividenden ausgezahlt werden oder das Geld im Unternehmen bleibt“, sagt Richard Stehle, Professor für Bank- und Börsenwesen an der Berliner Humboldt-Universität.

Sinnvoll seien Dividenden dennoch, „zum Beispiel dann, wenn ein Unternehmen selbst keine guten Investitionsmöglichkeiten mehr hat“. Es solle dann besser eine Dividende zahlen als in überflüssige Dinge investieren. Anleger bekämen über Dividendenankündigungen auch wichtige Informationen, da Manager die Ausschüttungen nur ungern senkten. Eine Dividendenerhöhung sei deshalb „ein Zeichen dafür, dass die Manager die Gewinne für nachhaltig halten“, sagt Stehle.

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