
FRANKFURT. Fondsanleger fahren reiche Ernte ein: Auf den Depotauszügen für das abgelaufene Jahr stehen hohe Wertzuwächse für risikoreiche Investments wie etwa Schwellenländerfonds. "Im Krisenjahr davor waren es die Verlierer, deshalb ist das eine Art Comeback-Story", sagt Christopher Wolter, Analyst bei Feri Eurorating. Engagements in Aktien aus Emerging Markets wie China, in Rohstofftitel und Anleihen mit Kreditrisiken führen die Hitliste mit Gewinnen zwischen 50 bis 100 Prozent an.
Die Anleger vertrauen darauf, dass die Stimulierungsprogamme der Notenbanken und Regierungen das Finanzsystem weiter stabilisieren. Das Geld der Marktteilnehmer fließt bereits seit vergangenem Frühjahr in Aktien, vor allem in Schwellenländer, in Anleihen aus Emerging Markets und Firmenemissionen sowie in Rohstoffe.
In die Feri-Auswertung gehen rund 4 300 in Deutschland angebotene Fonds in- und ausländischer Anbieter ein, die 36 wichtigen Anlageschwerpunkten zugeordnet werden können. Die Rangfolge richtet sich nach der durchschnittlichen Wertveränderung aller Fonds für den jeweiligen Schwerpunkt. Zusätzlich weist die Tabelle die Veränderungen über einen Fünfjahreszeitraum sowie den ertragreichsten Fonds für das Kalenderjahr aus.
Für das laufende Jahr kristalliert sich nach Gesprächen des Handelsblatts mit Fondsverwaltern folgende Mehrheitsmeinung heraus: Die Weltwirtschaft wird sich erholen, einige Notenbanken werden ihre Leitzinsen erhöhen. Aus Kapitalmarktsicht werden Aktien Anleihen schlagen, wobei Unternehmenstitel besser abschneiden als Staatstitel. Die Fondsbilanz 2010 dürfte nach dem Ausnahmejahr 2009 geringere Zuwächse aufweisen. Nur eine Minderheit sieht aktuelle Marktrisiken, etwa durch akute Inflationsgefahren, ein Scheitern der internationalen Stimulierungsprogramme oder eine Eskalation von Kreditproblemen wie jetzt im Fall Griechenland.
In seinem Positivszenario prognostiziert Bill O'Neill, Portfoliostratege bei Merrill Lynch Wealth Management für Europa, "Aktienerträge für Euro-Anleger von bis zu 25 Prozent". Seiner Meinung nach werden die Aktien insbesondere von der höheren Wachstumsdynamik in den asiatischen Märkten profitieren. In den Emerging Markets seien "bis zu zehn Prozent mehr Ertrag gegenüber den Börsen der Industrieländer drin", sagt er.
Optimist ist auch Will Landers, der den ertragreichsten Fonds in der Jahresauswertung verwaltet. Der Blackrock-Manager hat den Wert seines Lateinamerika-Depots verdreifacht und setzt vor allem auf Brasilien. Blackrock-Anlagechef Bob Doll erwartet das stärkste Wachstum in Asien, "wieder einmal angeführt von China und Indien". Die Bewertungen seien noch relativ niedrig.
Von einer anziehenden Weltwirtschaft profitieren neben den Emerging Markets die Rohstoffpreise überproportional. In dem Mehrheitsszenario gehören deshalb auch Anlagen in Rohstoffen und Rohstoffaktien zu den Gewinnern des laufenden Jahres. Darauf ausgerichtete Depots folgen in der Performance-Hitliste auf die Schwellenländerportfolios. Die Besten ihres Fachs konnten die Fondswerte mehr als verdoppeln: Bei den Aktienfonds für Goldminen führt Martin Siegel, bei breiter angelegten Rohstofftiteln Joachim Berlenbach.
Siegel stellt sich gegen die Mehrheitsmeinung unter den Analysten und Fondsverwaltern. "Die Volkswirtschaften werden sich nicht maßgeblich erholen; an den Finanzmärkten werden Regierungen und Notenbanken mit ihren Geldspritzen weiter Spekulationsblasen aufpusten", sagt er. Siegel rechnet angesichts der Geldschwemme längerfristig mit steigenden Zinsen und steigender Inflation - und setzt daher weiter auf den Sachwert Gold. "Ich habe mein Zweijahres-Preisziel auf 1 600 Dollar je Unze angehoben."
Auch andere Verwalter rechnen mit steigenden Zinsen, sehen aber keine Inflationsgefahr. Dennoch stellt sich die Frage nach der Attraktivität jener Investments, die in der Bilanz für 2009 ebenso spektakulär abschneiden wie Aktien aus Schwellenländern. Produkte für risikoreiche Unternehmensanleihen und Emissionen aus Emerging Markets gewannen im Schnitt die Hälfte beziehungsweise ein Viertel an Wert - nach einem panikartigen Ausverkauf im Anschluss an die Lehman-Pleite.
Aberdeen-Fondsmanager Paul Reed, der den Wert seines Hochzinsfonds für Euro-Firmenbonds verdoppelte, bleibt hoffnungsfroh: "Leicht zweistellige Gewinne sind in diesem Jahr drin; der Großteil des Ertrages wird aber nicht mehr aus denn Kursgewinnen kommen, sondern aus den Kupons."
Ähnlich denkt Paul DeNoon von Alliance Bernstein. Er favorisiert außerdem US-Dollar-Firmenanleihen. "Die höheren Renditen sollten Kursverluste durch steigende Zinsen abfedern", sagt er. Für Euro-Anleger seien Dollarbonds sowohl von Firmen als auch vom US-Staat interessant, denn der Dollar werde aufwerten. Dieser Dollarperspektive widersprechen allerdings manche Experten mit Hinweis auf die kräftig wachsende US-Staatsverschuldung. Für Merrill-Mann O?Neill sind Staatsanleihen sogar insgesamt ein Verkauf: "Aus unserer Sicht ist 2010 das Jahr, um auszusteigen."







