Analyse: Zwei Jahre Finanzkrise: Wo Vermögen noch sicher ist

Analyse: Zwei Jahre Finanzkrise: Wo Vermögen noch sicher ist

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Bear Stearns: Nachdem die US-Bank einen ihrer milliardenschweren Hedgefonds abstützen ließ, wurden massive Schieflagen im weltweiten Finanzsystem bekannt

Die Schockstarre löst sich, und schon kehrt die Gier zurück: Zu viele Investoren gehen jetzt wieder nach alten Mustern auf Renditejagd – so, als hätte es nie eine Finanzkrise gegeben. Doch das ist brandgefährlich. Denn der Crash ist noch nicht überwunden, Vermögenssicherung hat oberste Priorität.

Es gibt Ereignisse, nach denen ist nichts mehr so wie vorher. Wie sehr sich die Welt seit Beginn der Finanzkrise gewandelt hat, zeigt ein Rückblick auf den Juli 2007: Kurz nachdem die US-Bank Bear Stearns einen ihrer milliardenschweren Hedgefonds abstürzen ließ und damit einen ersten Hinweis auf massive Schieflagen im Finanzsystem gab, diskutieren die Deutschen über die niedrigste Arbeitslosenzahl seit sieben Jahren, den geplanten Börsengang der Bahn und den neuen „Harry Potter“. Unvorstellbar, dass wenig später weltweit Bankenpleite gehen – oder mit Milliarden gerettet werden müssen. Genauso unvorstellbar, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel mit einer Staatsgarantie für Ersparnisse einen Banken-Run verhindern muss.

Selbst Streuung der Anlagen hilft nicht immer

Anleger sahen sich praktisch über Nacht mit einer brutalen Realität konfrontiert: Alte Weisheiten gelten nicht mehr. Selbst Geldanlagen, die Banker als risikofrei angepriesen hatten, wankten. Ein Schock besonders für die zahlreichen konservativen Anleger hierzulande, die sich aus Angst vor Verlusten jahrelang von Aktien ferngehalten hatten – und jetzt bereuten, dass sie nicht misstrauisch geworden waren, als ihr Kundenberater von Extrarenditen ohne Zusatzrisiko fabulierte. Zum Beispiel mit Zertifikaten oder Geldmarktfonds.

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Zudem zeigte sich – spätestens nach der Lehman-Pleite im September 2008 –, dass im Ernstfall selbst eine Streuung à la Harry Markowitz nicht vor horrenden Verlusten schützt. Der Nobelpreisträger hatte schon in den Fünfzigerjahren nachgewiesen, dass Streuung im Depot das Risiko vermindert – und damit das Mantra der modernen Vermögensanlage begründet. Doch jetzt, da große Investoren und Banken alles zu Geld machen mussten, was irgendwie liquidierbar war, fielen Aktien, Anleihen und Rohstoffe nahezu gleichzeitig  – und mit ihnen die viel gelobten Hedgefonds und Private-Equity-Portfolios, die Anlegern doch von der Börse unabhängige Erträge versprochen hatten. Goldhändler konnten keine Barren und Münzen mehr liefern. Zehntausende geschockte Anleger hoben Bargeld ab und bunkerten es zu Hause; nach der Merkel-Garantie im Oktober flossen massenhaft Ersparnisse auf Tagesgeldkonten. Hauptsache sicher und schnell verfügbar, lautete plötzlich die Devise.

Alte Mechanismen

Doch während sich die Schockstarre langsam löste, kehrte in den vergangenen Monaten die Gier zurück. Offenbar haben viele Investoren – allen voran die Profis, die Gelder der Privatanleger verwalten, aber auch viele Private selbst – ihre Lektion nicht gelernt: Auf der Jagd nach einem Prozent mehr Rendite bringen viele ihr Geld schon wieder zu exotischen Banken oder leihen es kriselnden Unternehmen, indem sie deren Hochzinsanleihen kaufen. Andere folgen bereitwillig fragwürdigen Tipps ihrer Bankberater. Die alten Mechanismen greifen vielerorts wieder. Das aber könnte sich bitter rächen – denn die Krise ist noch längst nicht ausgestanden. Auf den folgenden Seiten mehr über die größten Irrtümer, sortiert nach Anlageklassen.

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