Anleihenmärkte: Langläufer-Anleihen und die Erwartung steigender Zinsen

KommentarAnleihenmärkte: Langläufer-Anleihen und die Erwartung steigender Zinsen

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WirtschaftsWoche-Redakteurin Heike Schwerdtfeger

von Heike Schwerdtfeger

Wer mit Rentenfonds gute Renditen erzielt hat, prüft die Strategie und wechselt. Ein Kommentar von WirtschaftsWoche-Redakteurin Heike Schwerdtfeger.

Der Finanzchef von Goldman Sachs kümmert sich um die Geldausstattung der Bank und nicht um den Verkauf von Finanzprodukten. Er muss Kunden also nicht irgendwelche Trends aufschwatzen, sondern die Bankliquidität im Griff behalten und dazu auch die Zinsentwicklung aufmerksam beobachten. Und da er offenbar steigende Zinsen erwartet, hat er, genauso wie seine Kollegen von der niederländischen Rabobank und dem französischen Energieversorger GDF Suez, kürzlich Anleihen auf den Markt gebracht, die erst in 50 Jahren fällig werden. Damit haben sich die Unternehmen die aktuell niedrigen Zinsen für eine lange Zeit gesichert. Das Timing scheint perfekt. In den USA hat die Notenbank mit ihrem jüngsten Rettungsprogramm Inflationserwartungen geschürt, in Deutschland mehren sich die Signale, dass Anleger von steigenden Zinsen ausgehen.

Die Quittung bekommen Fonds, die Kundengelder in langlaufende Anleihen gepackt haben. So verlor ein Rentenfonds von Vanguard, der auf Papiere mit Fälligkeiten in 30 bis 40 Jahren spezialisiert ist, in den vergangenen vier Wochen zehn Prozent. Von den beliebten Euro-Land-Rentenfonds liegen mehr als drei Viertel im Monatsvergleich im Minus. Milliardenschwere Portfolios wie UniEuroRenta, RenditDeka, Allianz-Pimco Rentenfonds oder DWS Eurorenta verloren in einem Monat etwa die Hälfte ihrer Jahresperformance. Nun sind nur noch etwa zwei Prozent plus seit Januar übrig.

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Schnee von gestern

Der auf Anleihen spezialisierte hannoversche Anbieter Bantleon spricht derzeit statt von Rentenfonds lieber von "Vermögensbildenden Anleihenfonds" und will Anlegern suggerieren, Fondsmanager könnten sie unbeschadet durch alle Unbill der Anleihenmärkte führen. Dazu ist aber längst nicht jeder Fondsmanager fähig, wie das Minus in den vergangenen vier Wochen zeigt. Einige Fondsregularien lassen ihm mitunter zu wenig Spielraum bei der Suche nach vielversprechenden Papieren.

Allianz Global Investors rät derzeit Banken, ihre Rücklagen in den bankeigenen Depots vor steigenden Zinsen (und nicht nur Pleitestaaten) zu retten, indem sie auf Schwellenländer- oder Unternehmensanleihen ausweichen. Doch der Dreh ist für viele Schnee von gestern, denn in die entsprechenden Fonds flossen in diesem Jahr in Deutschland schon 4,5 Milliarden Euro neu hinein. Die Renditen sind aber auch dort jetzt nicht mehr üppig.

Wohin mit dem Geld? Wer bereits eine Lebensversicherung hat, die üblicherweise stark in Anleihen investiert , braucht keinen Standard-Rentenfonds für Euro-Land-Papiere. Fest-gelder bei Banken haben keine Kursverluste, sollten aber nicht das einzige Standbein sein.  Wer sein zweites Standbein nicht selbst basteln möchte, nimmt sich am besten einen Manager, der bei einem Mischfonds mit Aktien, Anleihen sowie Rohstoffen oder Edelmetallen gekonnt hantiert.

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