Arbeitsalltag: Gewohnheiten verhindern Innovationen - Seite 4

Arbeitsalltag: Gewohnheiten verhindern Innovationen

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Neue EDV: Sparpläne und Quelle: dpa-dpaweb
Neue EDV: Sparpläne und Modernisierungsprogramme können noch so überzeugend sein, unser gewohntes Verhalten erreichen Argumente einfach nicht - das Neue wird nicht akzeptiert Quelle: dpa-dpaweb

Wer etwas bewegen will, muss enorme Anreize dagegensetzen. Appelle und Aufklärung jedenfalls reichen nicht. Mitarbeiter wollen zwar wissen, warum sich die Unternehmensziele ändern oder warum ein neues EDV-System notwendig ist. Auf die Einsicht folgt aber nicht zwangsläufig ein Neuanfang: Sparpläne und Modernisierungsprogramme können noch so überzeugend sein, unser gewohntes Verhalten erreichen Argumente einfach nicht. Es entzieht sich unserem Verstand.

„Unsere Persönlichkeit setzt uns enge Grenzen“, sagt der Neurowissenschaftler Gerhard Roth. „Veränderungen sind nur im Zentimetermaßstab möglich.“ Aus einem analytisch hochbegabten Eigenbrötler wird daher kaum ein aufgeschlossener Draufgänger. Wohl aber kann er lernen, sich allmählich zu öffnen und andere an seinem Wissen teilhaben zu lassen.

Für den Arbeitsalltag heißt das: Der Wandel gelingt nur in kleinen Schritten, aus denen später neue Gewohnheiten werden können.

Veränderungen kosten Kraft

Beispiel Meetings: Damit aus Zeit und Nerven raubenden Laberrunden wieder effektive Treffen zum Gedankenaustausch werden, reicht zunächst oft schon eine ungewohnte Sitzordnung. Oder das Team einigt sich auf neue, für alle verbindliche Regeln, wie: Kein Meeting endet ohne Ergebnis. Oder: Jeder Teilnehmer darf Schwafler unterbrechen –  auch ranghöhere. „Die Führungskräfte müssen dann auf die Einhaltung dieser Regeln pochen“, sagt Change-Berater Schäfer. „Vor allem in den ersten Wochen gilt das Prinzip Penetranz.“

Gewiss, auch kleine Veränderungen kosten viel Kraft, bringen anfangs Chaos, Stress und Unruhe in die Gruppen. Ist der erste Schritt aber erst gemacht, folgen weitere von ganz allein. Das hat der US-Psychologe Roy Baumeister herausgefunden.

Bei dem Experiment ging es ihm darum, dass seine Probanden künftig gesünder lebten. Doch statt lange Vorträge zu halten oder einen strengen Ernährungsplan aufzustellen, ließ er seine Studenten lediglich zwei Monate lang Hanteln stemmen. Danach waren die Teilnehmer nicht nur fitter, sie aßen auch gesünder, tranken weniger Alkohol, studierten gewissenhafter und räumten zu Hause sogar häufiger auf.

Baumeister erkannte: Wer angefangen hat, bewusst auf nur eine einzige Gewohnheit zu achten, achtet unbewusst auch auf sein restliches Verhalten. Wer mehrfach Nein zum Junkfood gesagt hat, lehnt nach einiger Zeit auch erfolgreicher Zigaretten ab. „Willenskraft ist ein Muskel“, sagt Baumeister, „einer, der sich trainieren lässt.“

Dennoch darf die Veränderung nicht an der Oberfläche stehen bleiben. Den alten Routinen müssen mit der Zeit neue, positive entgegengesetzt werden. „Das ist der einzige Weg, der langfristig wirkt“, weiß Hirnforscher Roth. Die Gewohnheiten im Inneren des Denkmuskels können wir nun mal nicht löschen, nur verdrängen.

Geld als Anreiz überschätzt

Zu viel Druck ist dabei ebenfalls kontraproduktiv. Angst blockiert. Und wer Stress empfindet, verfällt zwangsläufig in alte Handlungsmuster.

Um ihr Team aus dem Hamsterrad der Gewohnheiten zu befreien, müssen Manager zeigen, dass sich der Schritt für jeden ganz persönlich lohnt. Dabei wirken Belohnungen am effektivsten, wissen Wirtschaftspsychologen. Jedoch keine monetären.

„Geld wird als Auszeichnung völlig überschätzt“, sagt Hirnforscher Roth. Aufwendiger, dafür wirkungsvoller sei individuelle Anerkennung. Wo der eine sich über ein Lob freut oder um Rat gefragt werden will, möchte der andere für ein Seminar ausgewählt werden oder endlich mehr Verantwortung erhalten.

Wird diese Form der positiven Bestärkung, der Freude an der Arbeit und des offenen Umgangs miteinander kultiviert, ist die Wende größtenteils geschafft. Denn auch darin steckt die Macht der Gewohnheit. Man muss sie nur geschickt nutzen.