Arbeitsalltag: Gewohnheiten verhindern Innovationen

Arbeitsalltag: Gewohnheiten verhindern Innovationen

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Forscher haben herausgefunden, dass Menschen rund zwei Wochen, um sich an eine neue Haltung zu gewöhnen

So sicher uns Routinen durch Arbeit und Alltag leiten, so sicher stehen sie uns auch im Weg, wenn wir uns verändern wollen. Über die zwiespältige Macht der Gewohnheiten – und wie wir sie im Büro und privat durchbrechen können.

Ein kurzer Test zum Einstieg: Falten Sie bitte jetzt Ihre Hände ineinander, so als wollten Sie beten. Nun wechseln Sie bitte die Position Ihrer Daumen, sodass der untere zuoberst liegt. Wie fühlt sich das an: ungewohnt? Unangenehm?

Die US-Psychologin Dawna Markova hat herausgefunden, dass Menschen rund zwei Wochen brauchen, um sich allein an eine solche neue Haltung vollkommen zu gewöhnen. Bis dahin signalisiert das Gehirn ganze 14 Tage lang: „Alarm, hier stimmt etwas nicht!“ Nur, weil zwei Daumen nicht in gewohnter Position liegen. Es lässt sich leicht ausrechnen, wie unwillig Menschen reagieren, wenn sie mit wesentlich weitreichenderen Herausforderungen konfrontiert werden.

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So flexibel und innovativ wir auch gerne wären: Wir sind es nicht. Zumindest nicht von Natur aus. In uns allen hockt ein Gewohnheitstier. Und das verteidigt seine Routinen verbissen und um jeden Preis.

Gewohnheiten hemmen Innovationen

Dabei sind Gewohnheiten zunächst einmal alles andere als ein Störfaktor: Sie sind eine zentrale Antriebskraft, leiten uns sicher durch den Alltag, nehmen uns zuverlässig den Hauptteil unserer Entscheidungen ab; sie lassen uns genauso getrost Autos fahren wie Konzerne lenken.

Allerdings verhindern sie zuweilen auch genauso sicher und zuverlässig, dass wir umdrehen, wenn wir mal in eine falsche Richtung steuern: Was nicht in unser gewohntes Raster passt, blenden wir einfach aus. So hemmen Gewohnheiten Innovationen schon im Ansatz und lassen -Verbesserungen scheitern –  zumindest bei jenen, die die Spielregeln der Routine nicht kennen.

Dafür muss man zunächst einmal wissen, wie Gewohnheiten in unserem Kopf funktionieren. Neurowissenschaftler verorten sie heute im inneren Kern unseres Gehirns, dem limbischen System – Fähigkeiten und Verhaltensmuster, die dort gespeichert sind, bleiben ein Leben lang erhalten.

Auch im Büro schalten wir gern auf Autopilot

Deshalb erreichen sie das Hirninnere auch erst nach reiflicher Prüfung: Führt eine Entscheidung zum gewünschten Erfolg? Ist eine Erfahrung besonders angenehm? Eine Tätigkeit effektiver als andere?

Erst wenn dieser Praxistest mehrfach positiv ausfällt, registriert das Gehirn das als empfehlenswert und speichert es in sein Zentrum.

Das ist sogar auf Hirnscans zu erkennen: Lernt ein Mensch eine neue Fähigkeit, zum Beispiel Autofahren, wird die Großhirnrinde aktiv. Dort sitzt die Zentrale für unser bewusstes Tun. Sie leuchtet am Computertomografen zunächst großflächig auf, denn das Steuern eines Wagens fordert unseren Intellekt, unsere Sinne und unsere Motorik gleichermaßen. Mit jeder Übungsstunde verselbstständigt sich die Fähigkeit dann aber und wandert tiefer ins Hirninnere, bis sie sich schließlich als gewohntes Können im limbischen System festsetzt.

Das Ganze lässt sich vergleichen mit einem Piloten, der sich nach dem Training ausklinkt und die Befehlsgewalt an den Autopiloten übergibt. Durchaus sprichwörtlich, wie der Verkehrswissenschaftler der Universität Duisburg-Essen, Michael Schreckenberg, festgestellt hat: So schalten Autofahrer auf Routinestrecken das Großhirn, sprich den Verstand, gerne mal aus.

Dumm ist das trotzdem nicht. Dadurch können wir die freigewordenen Hirnkapazitäten effektiver nutzen, Gewohnheiten erlauben uns somit die Konzentration aufs Wesentliche.

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