Aufsichtsratsstudie: Frauen verzweifelt gesucht

Aufsichtsratsstudie: Frauen verzweifelt gesucht

Bild vergrößern

EU-Kommissarin Viviane Reding

Deutschlands Aufsichtsräte wollen gezielt Frauen in ihre Gremien berufen. Die Kontrolleure versprechen sich davon mehr Kompetenz – setzen aber auf freiwillige Selbstverpflichtung statt gesetzlichen Zwang.

85 Prozent der Aufsichtsräte wollen demnächst mindestens eine Frau in ihrem Kontrollgremium sehen. 57 Prozent erhoffen sich durch diesen Schritt ein größeres Spektrum an Erfahrung, 28 Prozent professionellere Arbeit. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Unternehmensberatung Kienbaum. Sie befragte 179 Aufsichtsräte deutscher Unternehmen, die mehrheitlich börsenotiert (69 Prozent) und im Dax-30 notiert sind (59 Prozent).

Um den Frauenanteil zu erhöhen, sei aber keine gesetzliche Vorgabe nötig: Jeder zweite von Kienbaum befragte Aufsichtsrat lehnt eine Frauenquote ab, 33 Prozent sprechen sich für eine freiwillige Selbstverpflichtung aus. Nur fünf Prozent der Kontrolleure befürworten einen gesetzlichen Zwang. 13 Prozent befürworten die zwingende Nachbesetzung vakanter Mandate mit einer Frau. Vier Prozent sprechen sich gar für die Abwahl derzeit aktiver männlicher Aufsichtsräte aus, um Frauen dort schnell Platz zu machen.

Anzeige

Reding fordert Frauenquote

Viviane Reding wird solche Töne gern hören: Die EU-Kommissarin hatte vor kurzem gefordert, bis 2020 sollten 40 Prozent aller Aufsichtsratsposten europaweit von Frauen besetzt werden. Für Deutschlands Aufsichtsräte offenbar keine Utopie: 41 Prozent sagen, dass bis spätestens 2015 zumindest eine 30-prozentige Frauenquote möglich ist. 20 Prozent sehen eine solche Quote in den Jahren 2016 bis 2020. Neun Prozent der Befragten halten eine solche Quote noch in diesem Jahr, spätestens aber 2012 für machbar – 30 Prozent aber glauben, dass eine solche Quote erst nach 2020 realistisch umsetzbar ist.

„Die weitere Professionalisierung der Aufsichtsräte ist eine wichtige Zukunftsaufgabe in der deutschen Wirtschaft. Die stärkere Einbeziehung von Frauen ist dabei ein bedeutender Schritt. Bisher verschenken wir nicht nur in der Unternehmenskontrolle, sondern auch in der operativen Unternehmensführung das immense Potenzial weiblicher Führungskräfte“, sagt Jochen Kienbaum, Vorsitzender der Geschäftsführung der Personal- und Unternehmensberatung Kienbaum Consultants International „Von der Kontrolle über die Unternehmensführung bis über alle Managementebenen wird die stärkere Berücksichtigung von Frauen zum Überlebensfaktor in einer globalisierten Wirtschaft.

Die Haltung des Kienbaum-Chefs teilen bei weitem nicht alle Aufsichtsräte in Deutschland: Rund ein Fünftel der befragten Kontrolleure erwartet nämlich keinen spürbaren Nutzen, wenn mehr Frauen in Aufsichtsräten vertreten sind.

Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%