Banken : Finanzsektor weiter von Liquiditätssorgen belastet

Banken : Finanzsektor weiter von Liquiditätssorgen belastet

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Das Hauptquartier der US-Investmentbank Morgan Stanley in New York City.

Weiter unter Abgabedruck erwarten Händler heute den Bankensektor. Die guten Quartalszahlen von Goldman Sachs, Lehman Brothers und Morgan Stanley hätten die Stimmung der Investoren für den Sektor nur sehr kurzfristig stützen können.

Quartalszahlen spielten in dem gegenwärtigen Umfeld nur eine untergeordnete Rolle, so ein Händler. Vielmehr drehe sich alles um die Sorge über die Liquiditätslage der Branche.

Wie das Beispiel Bear Stearns gezeigt habe, könne eine Bank innerhalb weniger Tage aufgrund massiven Liquiditätsabzugs durch die Investoren die Luft ausgehen. Am Vortag kursierten Gerüchte um Liquiditätsprobleme bei HBOS und zogen den Sektor nach unten.

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Unter Bewertungsgesichtspunkten sind Banken im Stoxx-Universum laut UniCredit zwar „außergewöhnlich günstig bewertet“, angesichts der ungelösten Probleme hätten Bewertungsmaßstäbe jedoch an Bedeutung verloren. Eine nachhaltigen Erholung zeichne sich in den kommenden Monaten nicht ab.

UniCredit verweist auf die teilweise eingeschränkte Liquidität, deutlich gesunkene Tier 1 Ratios, die möglicherweise Rekapitalisierungen erforderten sowie die stark eingetrübte Asset-Qualität bzw den Wertverfall vieler Underlyings. Solange es den Notenbanken nicht gelinge, die Spirale aus Vertrauensverlust und Werteverfall zu stoppen, sei noch keine nachhaltige Stabilisierung des Bankensystems zu erwarten.

Credit Suisse rechnet mit mit Quartalsgewinn

Bereits Mitte Februar angekündigte Milliarden-Wertberichtigungen auf Kreditderivate sowie eine schwierige Marktlage im März haben die Schweizer Grossbank Credit Suisse zu einer Gewinnwarnung für das ersten Quartal 2008 veranlasst.

Die Bank ist, wie Konzernchef Brady Dougan heute betonte, gut positioniert und zählt sich mit einem konservativen Refinanzierungsmodell zu einer der weltweit am besten kapitalisierten Banken.

Das Private Banking weise „weiterhin eine sehr gute Geschäftsentwicklung“ auf. Ihr Geschäftsmodell ermögliche der Bank, auch unter den erschwerten Rahmenbedingungen zu bestehen“.

Credit Suisse hatte bereits Mitte Februar nur Tage nach der Veröffentlichung des Jahresabschlusses nachträglich Wertberichtigungen im Handelsgeschäft mit Collaterlized Debt Obligations (CDO) angekündigt. Bis Ende Februar lag die Bank den Angaben zufolge insgesamt aber trotz der sich abzeichnenden Wertberichtigungen noch in der Gewinnzone.

Das hat sich in der Zwischenzeit dann offenbar geändert. „Aufgrund der schwierigen Marktlage im März geht Credit Suisse derzeit nicht davon aus, das erste Quartal 2008 mit einem Gewinn abzuschliessen,“ teilte die Bank nun mit. Ende Februar wies die Bank im CDO-Bereich noch eine Netto-Position von 2,4 Milliarden Franken auf, die sich aus einer Long Position von 15,7 Milliarden und einer Short Position von 13,3 Milliarden Franken zusammensetzt.

Die im Februar aufgenommene Untersuchung der CDO-Handelsaktivitäten ergab nach Angaben der Bank nun, dass die Fehlbewertungen teilweise „auf absichtliches Fehlverhalten einer kleinen Zahl von Händlern zurückzuführen sind“. Die Kontrollen hätten in diesem Fall versagt, so die Bank weiter. In der Zwischenzeit seien aber Verbesserungsmassnahmen in die Wege geleitet worden.

Zudem habe die Untersuchung ergeben, dass die endgültigen Wertberichtigungen mit 2,86 Milliarden Franken um 200 Millionen Franken geringer seien als ursprünglich angenommen. Von den Wertminderungen entfallen 1,18 Milliarden - oder 789 Millionen nach Steuern - auf das Jahr 2007 und 1,68 Milliarden Franken belasten das Ergebnis des ersten Quartals 2008. Der Jahresgewinn für 2007 wurde daher auf 7,8 Milliarden Franken nach unten revidiert.

Heftiger Streit um Rolle des Staates

Gestern hatten Goldman Sachs und Lehman Brothers die Märkte mit überraschend guten Geschäftszahlen beruhigt. Morgan Stanley teilte mit, der Gewinn aus dem fortlaufenden Geschäft sei im ersten Quartal bis zum 29. Februar auf 1,55 Milliarden Dollar von 2,31 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum gesunken. Die Einnahmen der zweitgrößten US-Investmentbank fielen um 17 Prozent auf 8,3 Milliarden Dollar, lagen damit aber ebenfalls über den Erwartungen von durchschnittlich rund 7,3 Milliarden Dollar.

Steinbrück warnt vor hysterischer Debatte

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hat nach Angaben eines Regierungssprechers vor überzogenen Reaktionen auf die Finanzkrise in den USA gewarnt. Im Kabinett sagte der SPD-Politiker heute, dass die Entwicklungen in den USA zwar ernst genommen würden . Sie ließen aber kein unmittelbaren Rückschlüsse auf die Entwicklung in Europa und Deutschland zu. Steinbrück habe vor einer hysterischen Debatte gewarnt.

Auf Basis der für Deutschland vorliegenden Daten könne im laufenden Jahr das Wachstum von 1,7 Prozent erreicht werden. Es gebe keine Anlass für Konjunkturprogramme in Deutschland.

Dabei wird derzeit in Deutschland heftig über die Rolle des Staates gestritten. Der Ruf von Deutsche- Bank- Chef Josef Ackermann, nach staatlicher Hilfe für die Banken fand auch heute ein geteiltes Echo. Während Gewerkschaften sich für mehr Regulierung der Finanzmärkte aussprachen, wies unter anderen Bundesbankpräsident Axel Weber Ackermanns Forderung zurück, die Finanzkrise mit einer gemeinsamen Aktion von Banken, Regierungen und Notenbanken zu bekämpfen.

Uneinigkeit gibt es vor allem bei der Frage, inwieweit die Finanzkrise auf das deutsche Wirtschaftswachstum durchschlägt. Bundesfinanzminister Steinbrück geht weiterhin von einem Wachstum von 1,7 Prozent in diesem Jahr aus. Das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) kündigte indes an, wie andere Institute seine Konjunkturprognose für 2008 deutlich nach unten zu korrigieren. HWWI-Konjunkturchef Michael Bräuninger sagte der „Berliner Zeitung“: „Wir werden die Wachstumsprognose auf unter 1,5 Prozent reduzieren, unsere ursprüngliche Annahme von 1,7 Prozent Plus ist nicht mehr zu halten.“

Volkswirte für konzertierte Zinssenkung

Der Chefvolkswirt des Münchner ifo- Instituts, Gernot Nerb, sprach sich für eine konzertierte Zinssenkung der Notenbanken als Mittel gegen die Krise aus. Niedrigere Zinsen kurbeln die Wirtschaft an. „Bei der Überwachung und Lösung der eigenen Schwierigkeiten sind zunächst einmal die Banken selbst gefordert“, sagte Weber dem „Handelsblatt“. Der Bundesbankpräsident mahnte angesichts der anhaltenden Turbulenzen vor allen zu mehr Transparenz: „Alle Finanzmarktteilnehmer sind aufgefordert, zeitnah über ihre Risiken zu informieren.“ Dies gelte auch für Fonds, Private-Equity-Unternehmen und Hedge-Fonds. Weber betonte, „wir müssen auf jeden Fall vor dem Sommer erste Schlussfolgerungen aus den Turbulenzen ziehen“.

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