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Banken-Rettung: Wozu eine Bad Bank?

von Andreas Toller

Der Ruf der Banken nach einer sogenannten Bad Bank, die ihre faulen Wertpapiere sammelt und unter staatliche Obhut nimmt, wird immer lauter, in der Politik herrscht Uneinigkeit. Aber was ist eigentlich eine Bad Bank und wie funktioniert sie?

Die Forderungen nach einer Quelle: AP
Die Forderungen nach einer staatlichen Bad Bank - einer Art Sondermülldeponie für hochriskante Wertpapiere - werden lauter. Quelle: AP

Die Idee

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In einer Bad Bank, also einer schlechten Bank, könnten mit hohen Risiken behaftete oder nach massiven Kursverlusten nicht verkäufliche Wertpapiere gesammelt werden. Das sind zum Beispiel faule bzw. vom Ausfall bedrohte Kreditpapiere. Eine solche Bank hätte also nur schlechte und gefährliche Vermögenswerte zu verwalten und nimmt den Banken, von denen diese Wertpapiere stammen, Verlustrisiken ab – eine Art Sondermülldeponie für hochgradig giftige Wertpapiere. Durch die Bad Bank wären die Banken, die diesen Giftmüll noch in ihren Bilanzen haben, in der Lage, schneller das Vertrauen der Anleger, Sparer und Investoren zurück zu gewinnen, die Kreditvergabe käme wieder in Fluss.

Um wie viel geht es?

Weltweit haben Banken inzwischen Bilanzpositionen im Volumen von 589 Milliarden Euro abgeschrieben. Für deutsche Banken schwanken die Schätzungen für den Abschreibungsbedarf zwischen einem Betrag im unteren dreistelligen Milliardenbereich und einer Billion Euro. Je länger die Krise andauert, umso mehr Kredite an Firmen und Verbraucher fallen aus, umso schwerer verkäuflich werden die betroffenen Wertpapiere - und umso höher ist der Abschreibungsbedarf der Banken.

Gibt es Alternativen zu einer Bad Bank?

Der Rettungsfonds der Bundesregierung SoFFin ist bereit, die Risikopapiere der Banken für drei Jahre zu übernehmen. Die Banken müssten dann aber die Papiere nach drei Jahren wieder in ihre Bilanz nehmen, unter Umständen auch mit hohen Verlusten. Deshalb hat noch keine deutsche Bank diese Option genutzt. Großbritannien hat das Problem nach der neuerlichen Schieflage des Bankensektors anders gelöst: Der Staat bürgt für die toxischen Wertpapiere. Für diese staatliche Versicherung müssen die Banken allerdings ihre Bücher offenlegen und somit bislang versteckte Risiken preisgeben. Den Steuerzahler belastet diese Lösung zunächst nicht.

Wem würde die Bad Bank gehören?

Verschiedene Varianten sind denkbar. Zunächst kommt der Staat als Eigentümer einer übergreifenden Lösung in Frage. Er übernimmt die Bad Bank und damit die kompletten Ausfallrisiken. Letzten Endes sichert der Staat so die Verlustrisiken der Banken mit dem Geld der Steuerzahler ab. Aber auch ein gemeinsames Engagement der gesamten Bankenbranche oder viele Bad Banks als Tochtergesellschaften der einzelnen Geschäftsbanken sind denkbar. Die in Schieflage geratene HSH Nordbank hatte bereits die Gründung einer Bad Bank angekündigt.

Was passiert mit den toxischen Wertpapieren?

Die Bad Bank sollte im Normalfall solange bestehen, bis die verwalteten Positionen wieder an Wert gewonnen haben und verkauft werden können. Der Eigentümer der Bad Bank sollte dann sein Geld zurückerhalten.

Wie wird der Wert der Bad Bank ermittelt?

In der Tat ist es ein Problem, den fairen Wert für den Ankauf der giftigen Wertpapiere zu bestimmen. Kernpunkt der aktuellen Kritik an einer staatlichen Bad Bank ist, dass Banken mit den undurchsichtigen Wertpapieren lange Jahre hohe Gewinne gemacht haben, die nicht absehbaren Verluste aber nun auf den Steuerzahler abgewälzt werden. Niemand kann ganz ausschließen, dass ein Großteil der sogenannten Wertpapiere am Ende nichts wert sind.

Gibt es Beispiele aus der Vergangenheit?

In Japan und Schweden hat man in bereits gute Erfahrungen dem Instrument der Bad Bank gesammelt. Auch in den USA wurde 1989 die Resolution Trust Corportation (RTC) zur Rettung der Sparkassen gegründet. In den genannten Fällen trugen die Bad Banks entscheidend zur Stabilisierung des Finanzsektors bei. Die RTC hatte sich allerdings über die Jahre von einer kleinen Behörde zu einem Koloss mit rund 8000 Mitarbeitern gewandelt.

Wer will eine Bad Bank, wer nicht?

Die Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Privatbanken haben sich bereits für eine Bad Bank ausgesprochen, ebenso einige Wissenschaftler und der Baden-Württembergische Ministerpräsident Günther Öttinger. Dagegen sind bislang der Bund der Steuerzahler, Bundesfinanzminister Peer Steinbrück und Jochen Sanio, der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Er befürchtet, eine derartige „Müllhalde für Ramschpapiere“ könnte zum Fass ohne Boden werden.

23 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 16.04.2009, 12:28 UhrAnonymer Benutzer: Kurt

    Es wird am Ende ziemlich sicher am Steuerzahler hängen bleiben. Dabei wäre das Vertrauen am einfachsten wieder herzustellen wenn man die Zahlen offenlegen würde und banken die zu hoch verschuldet sind auch in insolvenz gehen lassen würde. Die irrsinnigen Gelder die hier eingesetzt werden, sollte man lieber verwenden um die sozialen Folgen der durch die Krise unverschuldet in bedrängnis gekommenen abzufedern. Soweit irgend möglich sollten die verantwortlich Handelnden Vorstände betroffener banken in Regress genommen werden. Stattdessen bleibt deren Fehlverhalten folgenlos und ihre Gehälter und boni werden jetzt halt vom Steuerzahler bezahlt. Glaubt wirklich irgendwer in der Regierung oder in den Wirtschaftsspitzen, dass sich so Vertrauen wieder herstellen lässt? Oder hofft man vielleicht einfach nur darauf sich solange durchzuwursteln bis die bürger das vergessen haben? Oder auf deren ignoranz? beides leider berechtigte Hoffnungen.

  • 04.03.2009, 11:30 UhrAnonymer Benutzer: Irrenhaus

    @ hest 210

    Sagen wir mal die Schrottpapiere der bad bank ist eine große Anleihe mit 100 Mrd. Euro Nominalwert. Man einigt sich auf einen Preis von 60 Mrd. Euro. Die bank, die das Papier der bad bank verkauft, hat damit einem sofortigen Verlust von 40 Mrd. Euro. Wenn die Anleihe nicht bedient wird, kommen nochmal 60 Mrd. Euro über die Jahre verteilt hinzu, also insgesamt doch 100 Mrd. Euro Verlust, nur eben verteilt. Wird das Nominal zurückgezahlt, macht die bad bank 40 Mrd. Euro Gewinn. Das sieht auf den ersten blick nach einem Supergeschäft für die bad bank aus, wäre da nicht das Risiko, dass die bank pleite ist, wenn die Anleihe nicht bedient werden kann. Dann bliebe die bad bank auf 60 Mrd. Euro Verlust sitzen. Es handelt sich also um eine Riesenzockerei auf Seiten der bad bank, um banken bei der Konkursverschleppung zu helfen. Und wer rettet die bad bank, wenn die Wette schief geht ? Wo ist der Unterschied für den Steuerzahler ?

    interessant ist auch das Ziel der bad bank, nämlich den Kreditfluss wieder in Gang zu bringen. ist die Kreditkrise durch zu viel oder zu wenig Kredite entstanden ? Nun stellen Sie ich mal vor, das klappt alles wie geplant. Dann können wir uns auf die nächste Kreditkrise freuen und man würde sagen, dass man mit der bad bank letztes Mal auch gute Erfahrungen gemacht hat.

    Hilfe, ich bin im irrenhaus, holt mich hier raus !!!

  • 17.02.2009, 20:58 UhrAnonymer Benutzer: hest210

    bei der bad bank ist es unwesentlich, wie hoch das Gesamtrisiko aus den Kreditverbriefungen ist, die bei fast allen Kreditinstituten schlummern. Es geht lediglich darum, daß z.b. die bundesbank jeder bank, die es möchte, die faulen Papiere abkauft. Dabei ist es nicht von bedeutung, ob man den sog."richtigen" Kurs solcher Papiere ermitteln kann. Die bank und die bundesbank einigen sich auf einen Durchschnittswert aller an die bundesbank zu verkaufenden Papiere. Der Gegenwert wird der bank bei der bundesbank gutgeschrieben. bei Fälligkeit der Papiere zeigt sich, welchen Erlös die bundesbank erzielt hat. Entstehen dabei Verluste, werden die banken verpflichtet, zu deren Tilgung jedes Jhr mindestens die Hälfte ihres jährlichen Gewinns an die buba zu zahlen, und zwar so lange, bis sämtliche aus den Schrottpapieren entstandenen Verluste bei der buba getilgt sind. Auf diese Weise kostet eine bad bank den Steuerzahler nicht einen einzigen Cent. Sie hat aber den Vorteil, daß die bankbilanzen bereinigt sind und die banken wider über Liquidität verfügen. Das schafft mit Sicherheit Vertrauen, das für die standardmäßigen Kreditgschäfte der banken unerläßlich ist.
    Übigens ist eine Zuordnung der Verluste zu den betreffenden banken bei heutigen buchhaltungssystemen überhaupt kein Problem. Außerdem hätte diese Lösung den Charme, daß sich die banken freiwillig entscheiden könnten, ob Sie ihre Papiere verkaufen oder nicht.

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