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Banken-Rettungsplan: Koalition diskutiert "Bad Bank light"

von dpa

Zur Entlastung der Banken diskutiert die Koalition offenbar eine "Bad Bank light“. Sie soll die Bankbilanzen von faulen Papieren in Milliardenhöhe entgiften - ohne dem Bund die Verluste aufzubürden.

Der "Giftmüll" in den Quelle: AP
Der "Giftmüll" in den Bankbilanzen soll nach neuen Vorschlägen in eine "Bad Bank light" der EU ausgelagert werden. Quelle: AP

Dieser Vorschlag aus den Koalitionsfraktionen zur Entsorgung des "Giftmülls“ wurde am Donnerstag in Berlin bestätigt. Bei den Banken sollen noch faule Wertpapiere von annähernd 300 Milliarden Euro schlummern. Das Bundesfinanzministerium bezeichnete einen entsprechenden Bericht des „Handelsblatt“ von heute allerdings als „reine Spekulation“. Trotz des 480-Milliarden-Rettungspakets für den Finanzsektor (SoFFin) ist keine Ende der Bankenkrise in Sicht. Der Bankenrettungsfonds hatte gestern den Rücktritt von SoFFin-Chef Günther Merl (62) zum Monatsende angekündigt.

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Der Vorschlag für eine „Bad Bank light“ sieht offenbar vor, dass die "giftigen“ Wertpapiere in den Bilanzen durch werthaltige langfristige Ausgleichsforderungen gegen den Staat ersetzt würden. Der Staat übernimmt die Wertpapiere, ohne den Banken Liquidität zur Verfügung stellen zu müssen. In den folgenden Jahren könnten die Banken die Ausgleichsforderung durch einen Teil ihrer Gewinne sukzessive abzahlen. Die Banken würden über viele Jahre an der Finanzierung der Problempapiere beteiligt. Außer im Fall einer Pleite müsste der Staat die Ausgleichsforderungen bei einer Laufzeit von 40 bis 50 Jahren nicht bedienen.

Die giftigen Wertpapiere in den Bankbilanzen sind ein wesentlicher Grund für das mangelnde Vertrauen im Bankensektor. Trotz staatlicher Garantien kommt das Kreditgeschäft nicht in Schwung. Nach Angaben der Staatssekretärin im Finanzministerium, Nicolette Kressl, liegen noch keine absolut belastbaren Angaben über den Umfang "giftiger“ Papiere vor. Die Bundesbank gehe von „strukturierten Produkten“ von 281 Milliarden Euro aus, die Finanzaufsicht BaFin von 246 Milliarden.

SPD und Union lehnen umfassende staatliche "Bad Bank" ab

Kressl lehnte im Bundestag wie Vertreter von SPD und Union eine umfassende staatliche „Bad Bank“ ab, die die Problempapiere aufkauft und zulasten des Steuerzahlers entsorgt. "Es kann nicht sein, dass am Ende diejenigen, die verantwortlich waren, nicht auch mit in die Haftung einbezogen werden.“ SPD-Finanzexperte Hans-Ulrich Krüger sagte: "Der Steuerzahler darf nicht der Leidtragende sein. Die Suppe, die sich die Banken durch ihre verantwortungslosen Finanz-Zockerein eingebrockt haben, müssen sie selber auslöffeln.“ Der Vorsitzende des für den SoFFin zuständigen Bundestagsgremiums, Albert Rupprecht (CSU), pochte erneut auf Korrekturen am Banken-Schirm und auf klare Zuständigkeiten.

Laut Albrecht wird über Änderungen an dem nicht genutzten Instrument diskutiert, über das der SoFFin "giftige“ Papiere aufkaufen kann. Hier müsse "technisch nachgebessert werden“. Es werde aber keine Lösung geben, bei der der "Schrott“ ausgelagert wird, die Steuerzahler letztlich die Zeche zahlen. Die Alt-Eigentümer müssten am Ende für verbleibende Verluste haften. Ein großes Problem bereitet in der Bankenkrise die angeschlagene Hypo Real Estate (HRE) . Seit Oktober hat die HRE im Kampf um ihr Überleben bereits 92 Milliarden Euro an Geld und staatlichen Garantien verschlungen und ist ohne die staatliche Hilfe nicht mehr lebensfähig. Morgen wird der Lenkungsausschuss des Bundes wieder über das Thema beraten, hieß es heute in Berlin. In den Gesprächen geht es vor allem um die künftige Höhe des staatlichen Anteils. Auch eine mehrheitliche Übernahme ist dabei eine Option, da der Staat als Eigentümer den Konzern noch besser kontrollieren könnte.

Die Querelen in der Führungsspitze des Banken-Rettungsfonds SoFFin sorgen für zunehmenden Unmut in der Opposition. Nach dem Rückzug des SoFFin-Chefs Merl sieht die FDP Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) in der Pflicht. Es gehe nicht um Kleinkram, sondern die Handlungsfähigkeit einer wichtigen Institution, sagte der FDP-Politiker Florian Tonca. Grüne und Linke warfen der Regierung mangelnde Transparenz vor. Merl, Ex-Chef der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), hatte sich aus persönlichen Gründen von der SoFFin-Spitze zurückgezogen. Dem Vernehmen nach war er frustriert über politische Einmischung. Wichtige Beschlüsse werden vom Lenkungsausschuss getroffen, in dem Vertreter der Ministerien und des Bundeskanzleramts das Sagen haben. Nach dem Rückzug auch des Ex-Sparkassen-Managers Karlheinz Bentele sitzt nur nur noch der frühere baden-württembergische Finanzminister Gerhard Stratthaus (CDU) im SoFFin-Leitungsgremium.

5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 17.02.2009, 19:01 UhrAnonymer Benutzer: N.N.

    Eine bad-bank-Lösung, die die banken nicht zu Lasten der Steuerzahler von den faulen Papieren befreit, ist für die banken nutzlos.

    Nüchtern betrachtet sind die allermeisten banken pleite, ein Überleben ist nur möglich, wenn der Steuerzahler die Zeche zahlt.

    Vielleicht ist es doch besser, banken pleite gehen zu lassen und lediglich den Sparer zu schützen. Ein reinigendes Gewitter unter den banken könnte die Krise vielleicht am schnellsten lösen.

  • 23.01.2009, 10:58 UhrAnonymer Benutzer: globaler Bun-d-schuh

    Realistisch betrachtet misstrauen sich die banken untereinander noch immer, trotz staatlicher Hilfen und Garantien. Genau darunter hat letztlich die ganze Wirtschaft, vom Konzern über den Mittelstand bis zum Arbeitnehmer, zu leiden. Dieses Misstrauen der banken untereinander ist erklärbar, wenn jede bank auf ihre Finanzleichen im Keller blickt und diese, sicher zu Recht, auch beim Mitbewerber argwöhnt. Jedoch bedeutet dies auch, dass dieser finanzielle Sondermüll umfangreicher und gefährlicher ist als bislang wahrgenommen. So gesehen ist derzeit jede bank eine bad bank. Wir benötigen also keine neue bb, es genügt wenn die bestehenden toxischen banken zusammengefasst und abgewickelt werden, ohne staatliche Geldspritze. Der Staat sollte in einem solchen Szenario lediglich die Einlagen und Guthaben nicht professioneller Anleger und Sparer sichern und diese alsbald einer vom Staat neu zu gründeten "guten bank" übertragen. Diese sollte dann auch die Wirtschaft, insbesondere den Mittelstand mit Liquidität bedienen. Die bisher angedachten Modelle dienen alleine dazu die bestehenden Desasterbanken, die sich mit ihrer exzessiven Profitgier selbst vergiftet haben, mit Steuergeld zu retten und sind somit deutlichst abzulehnen. Der bürger und Steuerzahler wird für eine solche Vorgehensweise keinerlei Verständnis aufbringen und früher oder später die Systemfrage stellen - müssen!

  • 23.01.2009, 00:52 UhrAnonymer Benutzer: thom

    Das ist doch ein Fass ohne boden. Niemand weiß genau wieviel "toxisches" Zeugs die banken halten. Dieses "toxische" Zeugs, das jetzt unbedingt entsorgt werden soll, hielten die banken und ihre sog. Spezialisten noch vor wenigen Wochen für Sicherheiten für weitere Spekulationen. ich denke, die ersten banken müssen jetzt schnell abgwicklet werden. verstaatlichen oder Pleite gehen lassen. Alles andere ist doch nicht mehr zu handeln. Aber wo bitte schön sind die Gesetzesinitiativen, die weiteres handeln mit dem "toxischen" Zeugs verbieten? Wo die Gestzesvorlagen für ein bankenkontrolle,...? So viele Heuchler und Zyniker und Schwätzer und sie wollen eigentlich nichts änders. Wir sollen zahlen und dann wollen sie weiterzocken und verdienen... Tja, wenn die brandstifter das Feuerwehrauto fahren, dann kann's nur steil berab gehen!!! ich befürchte, wir stehen erst am Anfang...

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