Berlin intern: Kleines Karo, großes Kino!

Berlin intern: Kleines Karo, großes Kino!

Größer können Kontraste kaum sein. Während in Berlin Obama eine neue Weltordnung entwirft, fordert Hessens SPD „Frei-Strom für alle“. Wo sind eigentlich unsere Visionen?

Ohne Barack Obama hätte es Andrea Ypsilanti leichter auf Seite eins der Presse geschafft. Populistisch fordert die SPD-Linke aus Hessen eine kostenfreie Grundmenge Strom für alle, weil Energie so teuer geworden ist. Wer nun meint, das sei nur ein spinnertes Sommerloch-Ei, der irrt. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel, ebenfalls SPD, verlangte zuvor schon schlagzeilenheischend nach einem Stromtarif für sozial Schwache. Was natürlich ebenfalls Populismus ist, da 1.) bei Sozialleistungsempfängern ohnehin der Staat zahlt und 2.) deswegen Hartz-IV-Mieter einen durchweg höheren Heizenergieverbrauch haben als die selbstzahlende Bevölkerung.

Vielleicht versuchen es die sozialdemokratischen Tagträumer beim nächsten Mal mit kostenlosen Lebensmitteln, die ja auch teurer werden. In der DDR gab es das bereits – allerdings mit dem Ergebnis, dass billiges Brot an Schweine verfüttert wurde.

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Solch prägnante Erfahrungen lassen sich beim Thema Mindestlohn nicht benennen. Leider, denn sonst hätten die marktwirtschaftlichen Mahner in CDU, CSU und FDP vielleicht noch die Beschlüsse des Bundeskabinetts zum Mindestlohn verhindern können.

An dieser Stelle fragt sich der Beobachter: Warum haben es marktwirtschaftliche Ideen so schwer in Deutschland? Warum hat bei uns ein aufrüttelndes „Yes we can!“, das an die eigenen Fähigkeiten appelliert, keine Chance?

Natürlich ist Deutschland nicht Amerika. Drüben ist Pathos Teil der Kultur, hüben herrscht Durchwursteln. Dort liegt das durchschnittliche Alter der Bevölkerung bei 36,5 Jahren, bei uns sind es 43 Jahre; das erklärt zum Teil das größere soziale Sicherheitsbedürfnis. Und die letzten Bundespolitiker mit ökonomischen Visionen hießen Gerhard Schröder, der abgewählt wurde, und Angela Merkel, die fast nicht gewählt wurde. Das entmutigt.

Umso wünschenswerter ist es, wenn Obama mit seiner Berliner Rede einige unserer Politiker mit dem Begeisterungs-Virus angesteckt hat.

Deutschland braucht Visionen – nicht die von den Linken Oskar Lafontaine und Gregor Gysi. Dass deren sozialistische Parolen, die selbst bei Sozialdemokraten wieder auf fruchtbaren Humus zu stoßen scheinen, nur in die Irre führen, wurde bereits zu Zeiten der DDR bewiesen.

Deutschland braucht bürgerliche visionäre Strategien. Visionen sollen Bürgerlichen fremd sein? Nein, ein Visionär hieß Ludwig Erhard, er setzte vor 60 Jahren auf individuelle Freiheit und Verantwortung und riss die Deutschen zum Wirtschafts-„Wunder“ mit. Das war großes Kino, nicht kleines Karo, und auch ein Obama hätte das nicht besser gekonnt.

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