Bilanzcheck: Dax im Stresstest

Bilanzcheck: Dax im Stresstest

Bild vergrößern

Börsen-Bulle im Röntgenbild

Der Dax liegt nur noch gut 100 Punkte unter seinem Jahreshoch von gut 6300 Punkten. Doch in den Bilanzen ist nicht alles in Butter. Wer im Dax wirklich Geld verdient, wo Abstürze drohen, zeigt eine exklusive Analyse.

Jahrzehntelanges Gespött macht mürbe. Wenn Analysten über eine „Großbank mit angeschlossener Elektroabteilung“ reden, wissen altgediente Börsianer sofort, wer gemeint ist: Siemens. Jetzt endlich verhält sich der Münchner Konzern seinem althergebrachten Image entsprechend und gründet – eine Bank. Siemens-Chef Peter Löscher will zukünftig über das eigene Bankhaus seine Kasse von knapp neun Milliarden Euro managen.  Anleger sollten aber nicht glauben, sie kauften mit der Siemens-Aktie gleich auch noch einen hübschen Bestand an Barem mit ein. Ironie der Geschichte: Anders als früher schwimmt Siemens schon lange nicht mehr im Geld. Denn netto hat Siemens Schulden zu tilgen – unterm Strich, abzüglich der Kasse, gut sieben Milliarden Euro. Früher war es anders: 1994 etwa hatte Siemens nach Abzug der Schulden noch zehn Milliarden Euro netto auf der hohen Kante. Siemens-Aktionäre müssen zudem im Laufe des Jahres mit einer Gewinneinbuße von ein bis zwei Milliarden Euro rechnen. Denn den Münchnern droht eine hohe Abwertung auf ihre teuer zusammengekaufte Diagnostiksparte. 

Gute Indizien für Anleger

Siemens zeigt: Image ist nichts, alte Weisheiten gelten nicht mehr, Investoren kommen um einen Blick auf die Zahlen hinter den Fassaden der goldgeränderten Bilanzen nicht herum. Was sich dahinter verbirgt, zeigen exklusive Untersuchungen der Universität St. Gallen, der Stuttgarter Beratergesellschaft FAS AG und der WirtschaftsWoche. Zusammen wurden wichtige Kennziffern für die Unternehmen aus dem Deutschen Aktienindex (Dax), der in diesem Jahr ungewöhnlich stark schwankt und gerade zum siebten Mal die 6000-Punkte-Markte übersprang, ins Visier genommen.  Die Ergebnisse liefern Anlegern gute Indizien dafür, wie leistungsfähig die 30 Unternehmen wirklich sind. Aus den Zahlenwerken lässt sich filtern, welche Aktien robuster sind als andere, welche Unternehmen hohe Risiken verbergen und wer dank starker Bilanz für die Zukunft gerüstet ist.  Die Universität St. Gallen hat analysiert, welche Abschreibungspolitik die Dax-30-Unternehmen nach Übernahmen betreiben. Bilanzspezialisten der FAS AG haben abgeklopft, bei wem sich wegen einer künftigen Regeländerung im Bilanzrecht voraussichtlich neue Milliardenschulden auftürmen werden. Zudem mussten sich die 26 Industrieunternehmen im Dax einem Check ihrer Ertrags- und Investitionskraft unterziehen.

Anzeige

Mehr Manipulation

Mehr Manipulation Gerade in Krisenzeiten ist es für Unternehmensmanager verlockend, an ihrem Zahlenwerk zu drehen – bis hin zur bewussten Manipulation. Einer Studie der Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers (PwC) zufolge  ist der Anteil von Bilanzfälschungen an allen Wirtschaftsstraftaten 2009 auf 38 Prozent gestiegen. Wichtige Informationen liefern, wenn sie denn korrekt verfasst wurden, die Geschäftsberichte. Neben Mittelzuflüssen und Gewinnen über mehrere Jahre und der Entwicklung der Nettoschulden sollten Anleger aktuell vor allem die Abschreibungspolitik der Unternehmen beobachten. Abschreibungen sind Korrekturen von in der Bilanz verbuchtem Vermögen, die den ausgewiesenen Gewinn eines Jahres drücken. 

Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%