Börse: Citi erwartet Dax über 7000 Punkten

Börse: Citi erwartet Dax über 7000 Punkten

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Ein Kursmakler an der Börse in Frankfurt/Main

Europas Aktienindizes werden in den kommenden zwölf Monaten um 15 bis 20 Prozent steigen, prophezeien die Aktienstrategen US-Bank.

Vor zwei Wochen hatten einige Investoren kurzfristig eine Aktienrally vorhergesagt, wie wiwo.de berichtete. Seitdem ist der Dax von 5800 auf fast 6200 Punkte gestiegen, ein Plus von mehr als sechs Prozent. Ist es Zeit, die Gewinne mitzunehmen? Oder sollten Anleger investiert bleiben?

Die Aktienstrategen der US-Bank Citigroup bleiben trotz der jüngsten Kursgewinne optimistisch. Europa-Stratege Johnathan Stubbs erwartet einen Anstieg der europäischen Aktienindizes um 15 bis 20 Prozent in den kommenden zwölf Monaten. Sollte er damit richtig liegen, steht der Dax im kommenden Juni zwischen 7100 und 7400 Punkten.

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Der Optimismus von Stubbs und Kollegen sei kein Wunder, werden Skeptiker sagen: Diese Angestellten der vor kurzem nur mit Staatsgeld vor der Pleite bewahrten Großbank müssen das ja sagen, um Kunden zum Kauf von Aktien zu animieren. Doch es lohnt sich, auf die Argumente der Strategen für ihre optimistische Aktienmarktprognose zu schauen: Die Weltwirtschaft ist auf Erholungskurs, Geldspritzen von Regierungen und Zentralbanken stabilisieren vorerst die Lage in Europa. Die Unternehmensgewinne wachsen kräftig, Stubbs erwartet für 2010 ein Plus von 30 Prozent. Aktien sind nicht teuer: Sie kosten das Zehnfache des in den kommenden zwölf Monaten erwarteten Gewinns, im Durchschnitt der vergangenen 20 Jahre waren sie meist teurer und kosteten das 13-fache des erwarteten Gewinns. Im Vergleich zu Anleihen sind viele Aktien günstig: Die von Citi erwartete durchschnittliche Dividendenrendite von mehr als 3,5 Prozent liegt gleichauf oder sogar höher als die durchschnittliche Anleiherendite. Außerdem machen viele europäische Unternehmen einen großen Teil Ihres Geschäfts nicht im kränkelnden Europa, sondern im Ausland, auch in wachstumsstarken Schwellenländern. Stubbs Empfehlung lautet daher: "Investoren sollten Aktien von Unternehmen kaufen, die gut finanziert sind [also nicht zu hohe Schulden haben] und einen großen Teil des Umsatzes in Wachstumsmärkten erzielen."

Warum Aktien günstig aussehen

So weit, so gut. Allerdings gibt es einen einleuchtenden Grund, warum Aktien vordergründig günstig aussehen - und trotzdem viele Investoren nicht kaufen: Das Risiko einer Staatsschulden-Krise ist beträchtlich. Sollte Griechenland seine Schulden nicht mehr tragen können und gar ein größeres südeuropäisches Land weitere Probleme bekommen, würden die Unternehmensgewinnen nicht wie von Stubbs erwartet um 30 Prozent wachsen, sondern einbrechen. Denn die Eskalation der Staatsschulden-Krise würde eine europäische Bankenkrise auslösen. Das räumen die Aktienstrategen der Citigroup ein, die erst am Montag mit ihrem nicht für überschäumenden Optimismus bekannten Chefvolkswirt Willem Buiter gesprochen haben, bevor sie auf Kundenbesuchsreise nach Frankfurt gingen.

Was dem Ökonomen Buiter Sorgen mache, sei nicht eine Umschuldung Griechenlands, sondern das Risiko einer europäischen Bankenkrise, so die Strategen. "Die Wahrscheinlichkeit, dass Griechenland in den kommenden zwölf bis 18 Monaten seine Schulden restrukturiert, ist relativ hoch", sagt Tobias Levkovich, US-Aktienstratege der Bank. "Aber das wäre nicht das Ende der Welt. Andere Länder haben das zuvor auch getan, meist durch eine Verlängerung der Laufzeiten, so dass Gläubiger nicht mit leeren Händen dastehen."

Ob die Aktienmärkte eine Pleite Griechenlands tatsächlich so gelassen aufnehmen würden, dass der Dax dennoch über 7000 Punkten stünde, ist jedoch zweifelhaft. Vorsicht ist also geboten. Die Citi-Strategen liefern einige Argumente dafür, dass die Aktienindizes kurzfristig, in den kommenden ein bis zwei Jahren kräftig zulegen werden. Allerdings ist die Gefahr, dass Rückschläge dieses erfreuliche Szenario durchkreuzen, beträchtlich. Das erklärt die Scheu der Anleger - und den Ansturm auf Gold, das im Fall einer Eskalation der Schuldenkrise einen weiteren kräftigen Kursanstieg sehen sollte. Angesichts der niedrigen Zinsen auf Tagesgeld verpasst ein Anleger auch wenig, wenn er das Geld vom Bankkonto holt und in Gold investiert, obwohl das keine Zinsen zahlt und der Preis in den vergangenen Monaten bereits enorm gestiegen ist. Gold ist eine Versicherung für ein Portfolio, gerade wenn ein Anleger gleichzeitig auch auf Aktien setzt.

Selbst Citi-Aktienstratege Stubbs räumt ein: "Eine Doppelstrategie, bei der ein Anleger in Aktien und gleichzeitig in Gold investiert, scheint derzeit durchaus sinnvoll." Das ist auf jeden Fall eine Aussage, die man nicht jeden Tag von jemandem hört, der eigentlich die Vertriebs-Kollegen beim Verkauf von Aktien unterstützen soll.

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