Börse: Hinter der Fassade günstiger Indexfonds

Börse: Hinter der Fassade günstiger Indexfonds

Bild vergrößern

Hinter börsengehandelten Indexfonds steckt oft mehr, als die Fassade vermuten lässt

von Heike Schwerdtfeger

Börsengehandelte Indexfonds sind günstig. Banken bieten sie jetzt für fast jeden Markt der Welt an. Doch Vorsicht: In vielen Produkten steckt nicht, was Anleger erwarten.

Bald ist der Fußballplatz voll: Kicker sollen börsengehandelte Indexfonds bekannter machen. Deshalb holte die Commerzbank für den Marktstart ihrer Indexfonds-Tochter Nationalspieler Michael Ballack als Werbeträger. Sein früherer Bayern-Kollege Sebastian Schweinsteiger preist für die Börse Stuttgart ein spezielles Handelssegment für Indexfonds an. Die Fondsgesellschaft DWS hält dagegen: Sie hat Torwart-Legende Oliver Kahn eingekauft. Der Titan wird nahezu philosophisch („Inflation oder Deflation – was wird uns ereilen“?) und liefert DWS-Fondschef Klaus Kaldemorgen Stichworte, damit dieser die Vorzüge des aktiven Managements von Fonds preisen kann.

Mithilfe der Spieler versuchen Banken und Fondshäuser, dem sperrigen Thema etwas Glamour zu verpassen. Denn im Streit „passiv oder aktiv“ geht es um viel Geld. Auf der einen Seite kämpfen die Anbieter der auch Exchange Traded Funds (ETFs) genannten Indexfonds, die weitgehend automatisch einen Aktienindex nachbauen. Auf der anderen verteidigen die klassischen Fondshäuser wie DWS, Deka, Union Investment oder Allianz Global Investors den Leitsatz, dass Anleger besser fahren, sobald sich Fondsmanager für sie ins Zeug legen. Den Einsatz ihrer Manager lassen sich die Fondshäuser meist üppig bezahlen. Viele liefern langfristig dafür aber eher wenig. Das beweist einmal mehr eine aktuelle Auswertung aktiv gemanagter Fonds durch die Bad Homburger Feri Euro Rating Services: Im Zeitraum vom 30. September 2006 bis 30. September 2009 waren nur 30 Prozent der Europa-Aktienfonds besser als der Index MSCI Europa, den es längst als ETF zu kaufen gibt.

Anzeige

Schwierige ETF-Suche

Eigentlich sollte ein aktiver Fondsmanager in schwierigen Zeiten Anlegern Schutz bieten und nicht mit dem gesamten Markt in die Tiefe rauschen. Doch 70 Prozent der Europa-Manager schafften dies offensichtlich nicht. Bei den weltweit anlegenden Aktienfonds sah es im selben Zeitraum nur etwas besser aus: Hier lag knapp die Hälfte über dem MSCI Welt Aktienindex. Die Chance, unter den hierzulande angebotenen 580 weltweiten Aktienfonds einen zu finden, der besser als der Markt ist, steht etwa eins zu eins. Dass dieser langfristig zu den Gewinnern zählt, ist damit noch längst nicht gesagt.

Das Beratungshaus Watson Wyatt hat jüngst den Verwaltern großer Pensionsvermögen empfohlen, ihre Zeit nicht mit der Suche nach Fondsmanagern zu vergeuden, sondern komplett auf passive Indexinvestments auszuweichen. Viele Privatanleger tun dies längst, besonders diejenigen, die nicht auf Bankberater hören, sondern selbst entscheiden. Bei der Direktbank Comdirect ist der ETF-Anteil in den Kundendepots von 3 Prozent 2007 auf aktuell 14 Prozent gestiegen.

Den richtigen ETF zu finden wird aber schwieriger. An der Frankfurter Börse werden heute rund 500 verschiedene gehandelt. Allein beim Aktienindex Euro Stoxx 50 konkurrieren acht ETF-Anbieter um das Geld der Anleger. Die Produkte, auch wenn sie alle denselben Index nachbauen, sind weder identisch noch kosten sie das Gleiche. Allen gemeinsam ist, dass sie – anders als Indexzertifikate – rechtlich keine Schuldverschreibungen der sie auflegenden Bank sind. „An dieser Stelle, an der Zertifikate ihre Achillesferse haben, sind ETFs kaum verwundbar“, sagt Sasa Perovic, ETF-Experte der Berliner Ratingagentur Scope. In ETFs geflossene Gelder werden als Treuhandvermögen geführt und fallen bei der Pleite der Bank nicht in die Konkursmasse.

Fondsmanagement kostet

Bei aktiv gemanagten europäischen Aktienfonds gehen etwa 1,8 Prozent des Fondsvermögens für das Management des Fonds und Nebenkosten drauf. ETFs auf den Standardindex Euro Stoxx 50 kosten dagegen nicht mehr als 0,2 Prozent. Indexanbieter wie die Deutsche Börse oder MSCI Barra liefern Daten von Indizes und kassieren dafür Lizenzgebühren. ETF-Anbieter wie iShares, DB-x-trackers und Lyxor nehmen diese Indexdaten, bauen sie über Fonds nach und kassieren vom Anleger die eher niedrige jährliche Verwaltungsvergütung.

Im Hintergrund werkeln die Investmentbanker der Mutterbanken mit an den Konstrukten – und machen auch noch ihren Schnitt. Die Deutsche-Bank-Tochter DB-x-trackers etwa fordert überhaupt keine jährliche Verwaltungsvergütung mehr. Investmentbanker des Hauses holen sich ihre Erträge hier aus dem Handel mit den Produkten, aus denen der Indexfonds zusammengebaut wird. Sehr transparent ist das nicht – aber für den Anleger kein Nachteil, so- lange die Banker dafür sorgen, dass der ETF genauso läuft wie der vom Anleger gewählte Index.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%