Börse: Kassen-Kampf im Ländle

Börse: Kassen-Kampf im Ländle

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Hauke Reimer kommentiert das Börsengeschehen im Ländle

Die gemütlichen Zeiten sind vorbei. Stuttgarter Fonds wollen ein schwäbisches Softwarehaus dazu zwingen, seine Dividende zu verdoppeln. Was das Anlegern bringt, ist umstritten, kommentiert WirtschaftsWoche-Redakteur Hauke Reimer.

Das kannten wir bisher nur von Chris Hohn oder Permira: Der Hedgefonds-Manager presst seit drei Jahren hohe Dividenden aus der Deutschen Börse AG. Private-Equity-Investor Permira hat in diesem Jahr die erste Zwangsdividende von Boss eingetrieben. Was die Finanzinvestoren im Großen vorgemacht haben, probiert die BW Invest jetzt im Kleinen: Die zur Landesbank Baden-Württemberg gehörende Fondsgesellschaft will aus dem Stuttgarter Beratungs- und Softwarespezialisten Cenit eine Sonderdividende herausquetschen. 50 Cent je Aktie zahlt der Vorstand freiwillig, BW Invest will doppelt so viel. Pikant: Die Muttergesellschaft der BW Invest hatte Cenit vor zehn Jahren an die Börse gebracht und fungiert seither als deren Hausbank. Doch darauf nimmt keiner mehr Rücksicht – die Zeiten werden härter.

BW Invest hält knapp zehn Prozent der Cenit-Aktien und kann weitere drei Prozent, die der Baden-Württembergischen Versorgungsanstalt für Ärzte gehören, mit in die Schlacht werfen. Dass die Fondsmanager Bares sehen wollen, ist verständlich, einerseits: Die Cenit-Aktie hat in den vergangenen zwölf Monaten rund 40 Prozent verloren, während der Index Prime Software der Deutschen Börse seinen Wert immerhin knapp gehalten hat. Cenit habe eine lange Historie von verfehlten Planzielen, so richtig sei die Gesellschaft nie aus dem Quark gekommen, maulen auch Fondsmanager anderer Gesellschaften. Das erste Quartal war schlecht, Cenit begründet dies mit Vorleistungen für in den kommenden Monaten zu erwartende Großaufträge. Und trotzdem sitzt das Unternehmen auf einem Sack voller Geld.

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Andererseits: Die Dividendenrendite liegt, wenn wie vom Vorstand geplant 50 Cent ausgeschüttet werden, bei schon sehr respektablen sechs Prozent. Das restliche Geld braucht Cenit, um international zu wachsen, sich durch kleine Übernahmen Fachkräfte zu sichern und um eine wegen der Finanzkrise möglicherweise demnächst vorsichtigere Kreditvergabe der Banken abzufedern. Konservativen Anlegern ist eine Aktie mit Cash-Polster lieber als ein Unternehmen, dessen Finanzierung vor allem über Kredite gehebelt wird.

Zum Showdown dürfte es auf der Cenit-Hauptversammlung am 30. Mai kommen. Reisen, wie 2007, wieder nur Aktionäre an, die zusammen weniger als 20 Prozent der Stimmrechte halten, könnte „Heuschreckle“ BW Invest die Dividenden-Verdopplung durchdrücken. Die Fondsmanager brauchen einen Erfolg: Allein im ersten Quartal zogen Anleger aus Fonds der BW Invest mehr als 400 Millionen Euro ab – eine Erklärung dafür, warum die Manager jetzt demonstrativ Stärke zeigen.

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