Börse: Neue Baisse, alte Tricks

Börse: Neue Baisse, alte Tricks

Eins vor, zwei zurück: Die Börse treibt Anleger in den Wahnsinn. Viele suchen ihr Heil in Spekulationen auf fallende Kurse. Hier läuft längst nicht alles sauber - wieder mal.

Mit einem steigenden Dax nach oben laufen kann jeder. Eine Wackelbörse mit fallender Tendenz aber ist für Profi-Anleger die Hölle. Private können ihr Geld aufs Festgeldkonto packen und an soliden Aktien festhalten.

Börsenprofis dagegen müssen ihre Existenz rechtfertigen - täglich. Deshalb suchen jetzt alle Aktiengeschichten, die unabhängig vom Auf und Ab des Dax Geld bringen. Dazu zählen vor allem Übernahmen (Chinesen kaufen die Dresdner, Schaeffler erhöht das Conti-Angebot, Conti findet einen weissen Ritter, Hedgefonds zerschlagen Daimler), die Kurse immer nett nach oben bringen. An den schlechten Tagen zieht das Gegenteil:

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Shortselling, also Wetten auf fallende Kurse von Unternehmen, bei denen etwas faul sein könnte. das machen jetzt viele.

Die Versuchung, deren Aktien auf dem gewünschten Weg nach unten noch einen kräftigen Schubs zu geben, ist dabei groß. Der abgetauchte Hedgefonds-Manager Florian Homm machte das besonders gut, in der letzten Baisse.

Auch jetzt wieder beschäftigen echte und vermeintliche Shorties die Finanzaufsicht. Denn die Unternehmen wehren sich. Werden Kurse von interessierter Seite nach oben getrieben, beschwert sich niemand. Fallende Kurse aber provozieren Anzeigen. Der abgestürzte Zahlungsverkehrs-Spezialist Wirecard etwa zeigte den Ex-Vizechef des Anlegervereins SdK an, der vom durch SdK-Analysen beschleunigten Kursverfall der Wirecard-Aktie profitierte. Angezeigt wurden auch zwei Mitarbeiter von Sal. Oppenheim, denen Wirecard Kursmanipulation vorwirft. Shorties wittert auch Air-Berlin-Chef Joachim Hunold. Der zeigte die Dresdner Bank an, weil die das Kursziel seiner Aktie auf null gesetzt und - laut Hunold - davor und danach kräftig mit ihr gehandelt haben soll. Banken verweisen in solchen Fällen auf die Chinese Walls zwischen ihren Abteilungen: Händler dürfen nicht vorher wissen, was die eigenen Analysten so verzapfen.

Auch Merrill Lynch hat angeblich solche Mauern. Analysten der Investmentbank stuften die Conti-Aktie herunter und drückten so den Kurs - ganz im Sinn der Merrill-Investmentbanker, die für Conti-Aufkäuferin Schaeffler arbeiten. Nach dem letzten Crash kam bald raus, dass die Chinese Walls löchrig waren wie Schweizer Käse. In den USA zahlten Merrill Lynch & Co. deshalb Milliarden. Hoffen wir, dass sie daraus gelernt haben.

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