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Börse: Orientierung im undurchsichtigen Zertifikatemarkt

von Anton Riedl

Mit einer Flut neuer Zertifikate werben Banken um das Geld der Sparer. Viele der gerade gestarteten Produkte sind überflüssig – manche Klassiker dafür umso besser. Die WirtschaftsWoche analysiert die wichtigsten Zertifikatetypen.

Das geeignete Zertifikat auszuwählen ist angesichts der Flut neuer Papiere schwer Quelle: Thomas Escher
Das geeignete Zertifikat auszuwählen ist angesichts der Flut neuer Papiere schwer Quelle: Thomas Escher

Christian Krieg mag Zertifikate. Mit einer ausgeklügelten Version dieser schillernden Form von Wertpapieren setzt der bayrische Finanzexperte derzeit auf den Ölpreis und auf die Aktie der Allianz-Versicherung. „Das Ölzertifikat ist so aufgebaut, dass selbst bei fallenden Rohstoffpreisen die Gefahr von Kursverlusten gering ist; und mit dem Allianz-Zertifikat machen wir bis Ende nächsten Jahres 13 Prozent Gewinn, wenn die Aktie dann über 50 Euro steht“, sagt Krieg, Geschäftsführer des Finanzdienstleisters Chris Andrews Financial Partners aus Straßlach bei München. Derzeit steht der Aktienkurs des Versicherers bei rund 80 Euro. Der Kurs könnte also um mehr als ein Drittel nachgeben, und noch immer gäbe es 13 Prozent.

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Gewinnchancen wie diese sind es, die Investoren in Zertifikate locken sollen. Das gilt erst recht, wenn wie jetzt im Spätsommer 2009 die Zinsen für Festgelder oder für Staats- und sichere Unternehmensanleihen extrem niedrig sind und die Schwankungen an den Finanzmärkten anhalten.

239.000 Zertifikate auf dem deutschem Markt

Zertifikate sind Spezialpapiere, mit denen Anleger auf einen Index, auf eine bestimmte Aktie, auf Rohstoffe oder Branchen setzen können. Sie bieten je nach Konstruktion eine Rückzahlungsgarantie zum Nennwert, einen Bonus bei richtiger Marktentwicklung oder einen Puffer, bis zu dem Anleger vor Verlusten am Laufzeitende geschützt sind. Zertifikate sind aber auch Inhaberschuldverschreibungen der ausgebenden Bank – geht diese pleite, ist das eingesetzte Geld in allen Varianten futsch.

Die Gefahr, statt eines lukrativ und sicher konstruierten Papiers einen Rohrkrepierer ins Depot zu holen, ist, unabhängig von der inzwischen geringeren Gefahr einer Bankenpleite, groß. 239.000 Zertifikate sind derzeit in Deutschland auf dem Markt. Wer sich in diesem Dschungel zurechtfinden will, sollte die Vor- und Nachteile der jeweiligen Konstruktion gegeneinander abwägen, um seinen Anlagekompass richtig justieren zu können.

57 Milliarden Euro stecken in Garantiepapieren

Die Suche vieler Anleger nach hohen Prozentwerten jenseits der Inflationsrate kommt den Zertifikateanbietern entgegen. Mit vollmundigen Versprechen werben sie derzeit um das Geld der Sparer. Die US-Bank Morgan Stanley trommelt für ein „15-Prozent-Bric-Express-Zertifikat“; die Landesbank Baden-Württemberg bietet eine „Zins-Trio-Garant-Anleihe“ feil; die Deutsche Bank offeriert „Rolling-Lock-In-Anleihen“; die Bayern- LB streut „Best-Entry-Anleihen“ unters Volk; und die DZ Bank bringt es auf ein „Akzent-Invest-MaxiRend-Deep-Opti-Start-Control-Dividendenstarke-Aktien-8-Zertifikat“. Alles verstanden?

„Bei solchen Konstruktionen müssen selbst wir in den Unterlagen nachblättern, um zu sehen, wie das Papier funktioniert“, räumt ein Vertreter einer großen deutschen Zertifikatebank ein, der immerhin schon seit 17 Jahren im Geschäft ist. Schämen muss sich also der Privatanleger nicht, falls er die Spezialzertifikate nicht sofort versteht und kritische Fragen stellt.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 14.09.2009, 15:31 UhrAnonymer Benutzer: kinkjc

    Niemand braucht Zertifikate. Es gibt genug klassische Wertpapiere oder Derivate, die vor allen Dingen nicht über irgendwelche komischen Emitenten/broker ausgegeben werden, sondern über die börse gehandelt werden. Damit die Möglichkeit auf alle Marktphasen zu reagrien (long, short u. mit Optionsstrategien auch auch auf stagnierende Märkte). Man kann sich ausreichend liquide Märkte suchen, es gibt Marketmaker, bei Optionen/Futures Clearingstellen die mich vor dem Ausfall der Gegenpartei sichern usw.

    Auch wenn es börsengehandelte Zertis gibt, ist das alles ein riesengrosser Quatsch, ebenso wie CFDs. Warum wohl werden in USA Zertis verboten?? Weil sie so toll sind??? Man-oh-man wann werden die Leute endlich wach und wie kann ein Medium wie die Wiwo überhaupt nur so einen Artikel verfassen, in dem wieder Zertis angespriesen werden.
    Auch die hier "erwähnten Zocker" haben überhaupt nichts verstanden und Kompetenz sieht anders aus.

    Aber wie heißt es so schön: " Jeden Morgen steht einer auf und will besch.... werden, man muss ihn nur finden!"

  • 10.09.2009, 00:31 UhrAnonymer Benutzer: HappyMann

    Die Gier der banken hat nur einen kleinen Dämpfer erhalten. Für die banker ist es wie im Schlaraffenland; ohne eigenes Risiko maximale Einkommen in Millionenhöhe für sich zu erschaffen ist zu attraktiv.

    Wenn heute Privatanleger auch nichts dazu gelernt haben und von den Wettscheinen die sich Derivate (Wertpapiere?) nennen nicht die Finger lassen können, sind sie selber Schuld wenn sie Verluste einfahren. Wer nicht lernt will, muss fühlen und das werden sie.

    banken verkaufen die Derivate um Geld zu verdienen und nicht um den Kunden sichere Gewinne zu ermöglichen.

  • 09.09.2009, 18:13 UhrAnonymer Benutzer: AJ

    Jeder, der jetzt wieder anfängt mit Zertifikaten zu spielen, hat auch rein gar nichts verstanden. O.K.: Profis & Zocker dürfen gerne, aber vom Normalanleger sollten solche Produkte fern gehalten werden. Es gibt Länder, die tun das auch. Aber bei uns werden über die banken weiterhin Produkte verkauft, die kein Laie und auch viele Profis nicht verstehen können. Mann oh Mann! Anscheinend hat die Finanzkrise zu keinerlei Lerneffekten geführt!

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