
Christian Krieg mag Zertifikate. Mit einer ausgeklügelten Version dieser schillernden Form von Wertpapieren setzt der bayrische Finanzexperte derzeit auf den Ölpreis und auf die Aktie der Allianz-Versicherung. „Das Ölzertifikat ist so aufgebaut, dass selbst bei fallenden Rohstoffpreisen die Gefahr von Kursverlusten gering ist; und mit dem Allianz-Zertifikat machen wir bis Ende nächsten Jahres 13 Prozent Gewinn, wenn die Aktie dann über 50 Euro steht“, sagt Krieg, Geschäftsführer des Finanzdienstleisters Chris Andrews Financial Partners aus Straßlach bei München. Derzeit steht der Aktienkurs des Versicherers bei rund 80 Euro. Der Kurs könnte also um mehr als ein Drittel nachgeben, und noch immer gäbe es 13 Prozent.
Gewinnchancen wie diese sind es, die Investoren in Zertifikate locken sollen. Das gilt erst recht, wenn wie jetzt im Spätsommer 2009 die Zinsen für Festgelder oder für Staats- und sichere Unternehmensanleihen extrem niedrig sind und die Schwankungen an den Finanzmärkten anhalten.
239.000 Zertifikate auf dem deutschem Markt
Zertifikate sind Spezialpapiere, mit denen Anleger auf einen Index, auf eine bestimmte Aktie, auf Rohstoffe oder Branchen setzen können. Sie bieten je nach Konstruktion eine Rückzahlungsgarantie zum Nennwert, einen Bonus bei richtiger Marktentwicklung oder einen Puffer, bis zu dem Anleger vor Verlusten am Laufzeitende geschützt sind. Zertifikate sind aber auch Inhaberschuldverschreibungen der ausgebenden Bank – geht diese pleite, ist das eingesetzte Geld in allen Varianten futsch.
Die Gefahr, statt eines lukrativ und sicher konstruierten Papiers einen Rohrkrepierer ins Depot zu holen, ist, unabhängig von der inzwischen geringeren Gefahr einer Bankenpleite, groß. 239.000 Zertifikate sind derzeit in Deutschland auf dem Markt. Wer sich in diesem Dschungel zurechtfinden will, sollte die Vor- und Nachteile der jeweiligen Konstruktion gegeneinander abwägen, um seinen Anlagekompass richtig justieren zu können.
57 Milliarden Euro stecken in Garantiepapieren
Die Suche vieler Anleger nach hohen Prozentwerten jenseits der Inflationsrate kommt den Zertifikateanbietern entgegen. Mit vollmundigen Versprechen werben sie derzeit um das Geld der Sparer. Die US-Bank Morgan Stanley trommelt für ein „15-Prozent-Bric-Express-Zertifikat“; die Landesbank Baden-Württemberg bietet eine „Zins-Trio-Garant-Anleihe“ feil; die Deutsche Bank offeriert „Rolling-Lock-In-Anleihen“; die Bayern- LB streut „Best-Entry-Anleihen“ unters Volk; und die DZ Bank bringt es auf ein „Akzent-Invest-MaxiRend-Deep-Opti-Start-Control-Dividendenstarke-Aktien-8-Zertifikat“. Alles verstanden?
„Bei solchen Konstruktionen müssen selbst wir in den Unterlagen nachblättern, um zu sehen, wie das Papier funktioniert“, räumt ein Vertreter einer großen deutschen Zertifikatebank ein, der immerhin schon seit 17 Jahren im Geschäft ist. Schämen muss sich also der Privatanleger nicht, falls er die Spezialzertifikate nicht sofort versteht und kritische Fragen stellt.









