Börse: Osteuropa-Krise wütet am Aktienmarkt

Börse: Osteuropa-Krise wütet am Aktienmarkt

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Praktiker-Markt in Ungarn - Deutsche einhändler agierten in Osteuropa wie Hedgefonds

Die Hoffnung auf eine Kursrally währte nur kurz. Neben den Risiken Banken und Konjunktur drückt jetzt auch noch die Osteuropa-Krise auf deutsche Aktien.

Niemand bleibt verschont. Das ist die Botschaft, die spätestens seit Aschermittwoch auch Optimisten nicht mehr überhören können. Sie kommt nicht mehr aus Übersee, sondern aus dem Herzen des deutschen Finanzmarkts, dem 1879 eingeweihten Sandsteinbau der Frankfurter Börse. Hier verkündet Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni einen Einstellungsstopp für den Dax-Konzern, weitere Kostensenkungen und eine, gemessen an den eigenen Zielen, enttäuschende Dividende. Und das trotz des Rekordgewinns vom Vorjahr. „Einer Finanzkrise, die zu einer Konjunkturkrise geworden ist, kann sich kein Unternehmen entziehen, auch wir nicht“, sagt Francioni. Eine Prognose für 2009 wagt er nicht, ebenso wenig wie Henkel-Chef Kasper Rorsted. Zeitgleich mit Francioni gibt der in Düsseldorf bekannt, Investitionen drastisch zu kürzen, eine Klebstofffabrik zu schließen und bei den übrigen bis Juni Kurzarbeit zu fahren. „Wir sind keine Insel“, sagt Rorsted.

Inseln gibt es nicht mehr

Die Finanzkrise wütet mit neuer Wucht und immer stärker auch in Europa. Zerschlagen ist die Hoffnung, Deutschland könne glimpflich durch die Krise kommen. Ökonomen warnen vor einem enormen Einbruch der Wirtschaftsleistung:  schockiert die Republik mit der Prognose, die deutsche Gesamtwirtschaftsleistung (BIP) drohe 2009 um bis zu 9,0 Prozent einzubrechen. Nur für den Fall, dass sich die Konjunktur ab Sommer erhole, was alles andere als ausgemacht sei, könne man auf einen Einbruch von lediglich 5,0 Prozent des BIPs hoffen. Solche Werte kennen Anleger, Analysten und Ökonomen nicht mehr aus eigenem Erleben, sondern nur aus den Horrorgeschichten von der Großen Depression in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

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Beinahe täglich ruft ein neues Unternehmen nach dem Staat, weil die Insolvenz droht. Märklin, Schiesser, Edscha, Rosenthal, Knaus-Tabbert, aber auch Riesenkonzerne wie Schaeffler/Continental oder Opel stehen auf der Kippe. Angeschlagene Banken, allen voran Hypo Real Estate (HRE), aber auch Landesbanken wie die HSH Nordbank, finden wöchentlich Milliardenlöcher. Verunsichert fragen Anleger, wo das alles enden soll. Charttechnisch zeichnen die Börsen derzeit ein rabenschwarzes Bild. Die Hoffnungsrally, die den Dax seit November von 4000 Punkten um 25 Prozent auf 5000 gehievt hatte, ist vorbei, bevor das Gros der Privatanleger sich in den Markt traute.

Psychologisch wichtige Marken sind gerissen

Was nicht passiere durfte, ist nun erneut geschehen: Die alten Tiefs vom November, charttechnisch und psychologisch wichtige Marken, sind gerissen. Der Dax fiel unter 4000 Punkte, auf den tiefsten Stand seit viereinhalb Jahren. Noch härter traf es den US-Markt: Der S&P 500 rutschte auf den niedrigsten Stand seit zwölf Jahren. „Die Kette der negativen Nachrichten reißt einfach nicht ab“, sagt Gerald Blank, Gründer der Fondsboutique Blank Asset Management, „viele haben noch immer nicht realisiert, dass diese Krise nicht mit früheren Konjunkturabschwüngen vergleichbar ist.“

Neuester Brandherd ist Osteuropa. „Das ist eine Geschichte, die ohne Weiteres so groß werden könnte wie das Subprime-Problem“, sagt John Mauldin, Chef der texanischen Anlagegesellschaft Millennium Wave Advisors. Geplatzte Subprime-Immobilienkredite, das sind US-Hypotheken minderer Qualität, markierten den Anfang der Finanzkrise.

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