Börse: Was jetzt für Aktien spricht

Börse: Was jetzt für Aktien spricht

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Händler an der New Yorker Börse: Der amerikanische Aktienmarkt ist stark überverkauft, die Chancen für eine Aktienrally steigen

Seit gestern steigen die Aktienindizes - Strohfeuer oder ein Ende der Zehn-Prozent-Korrektur? Trotz der Euro-Schuldenkrise könnte es zu einem kurzfristigen Aufschwung an der Börse kommen, sagen führende Vermögensverwalter. Und haben ein gewichtiges Argument auf Ihrer Seite.

750 Milliarden Euro sind keine Kleinigkeit. Nachdem EU und Währungsfonds das Rettungspaket am zweiten Mai-Wochenende beschlossen hatten, sprang der Dax am Montag darauf um fünf Prozent auf mehr als 6000 Punkte. "Jetzt nehme ich die Rally mit", sagte Jens Ehrhardt, Gründer von DJE Kapital und einer der erfolgreichsten Vermögensverwalter der vergangenen Jahre. "Jetzt muss man wieder nach oben denken und optimistisch sein. Es kommt neues Geld in den Kreislauf, das spült auch die Börse nach oben", sagte Ehrhardt und kaufte europäische Aktien, mit Verweis auf die früheren Milliardenpakete der USA. "Kaum hatte die US-Notenbank Fed mit Gelddrucken begonnen, schnitt die Wall Street besser ab als die asiatischen und europäischen Börsen. Das Ganze ist eine unsolide Geschichte, aber es hilft dem Aktienmarkt", so der Vermögensverwalter aus Pullach.

Seitdem ist der Dax zeitweise jedoch um sechs Prozent bis unter 5700 Punkte gefallen. Seit Mittwoch steigt der Index jedoch, derzeit liegt er bei 5800 Punkten. Anleger sollten das Argument von Ehrhardt durchaus ernst nehmen - die Flutung des Markts mit weiteren Milliarden könnte kurzfristig durchaus die Kurse treiben, sagen auch zwei andere Anlageprofis, die auch im Frühjahr 2009 die Rally korrekt vorhergesehen hatten: Eric Le Coz und Barton Biggs.

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"Aktien sind unsere bevorzugte Anlageklasse", sagt Le Coz, Chefstratege des französischen Vermögensverwalters Carmignac. Für die Aktienauswahl gebe es zwei Hauptthemen, so Le Coz: "Nutznießer des wachsenden Konsums in den Schwellenländern und die steigende Nachfrage nach Rohstoffen." Der Mischfonds Carmignac Patrimoine setzt allerdings auf Aktien aus den USA und Asien und kaum noch auf europäische Werte.

"Wir werden einen großen Sprung nach oben sehen"

Optimistisch ist auch Hedgefonds-Manager Barton Biggs. "Der US-Aktienmarkt ist sehr, sehr überverkauft und wir werden einen großen Sprung nach oben sehen in den kommenden Tagen", sagte der Gründer von Traxis Partners in New York am Mittwochabend. "Ein neuer Nachkrisen-Hochstand würde mich nicht überraschen", so Biggs. "Die Probleme Europas sind ernst und ich nehme sie ernst. Aber ich glaube nicht, das es zum Schlimmsten kommt", so der Hedgefonds-Manager.

Selbst beobachter, die mittelfristig wegen der Schuldenkrise sehr pessimistisch für den Markt sind, erwarten nun einen kurzfristigen Kursaufschwung aufgrund der Euro-Rettungsaktion, so zum Beispiel Dylan Grice, Marktstratege bei Société Générale.  "Die Europäische Zentralbank (EZB) kauft Anleihen insolventer Euro-Staaten", schreibt Grice am Donnerstag.  Die EZB verspreche zwar, das dadurch in den Markt fließende Geld wieder herauszunehmen, treffe aber auf die gleichen Probleme wie die US-Notenbank und die britische Notenbank 2008. "Man kann sich nur um die Preisstabilität der Wirtschaft Sorgen machen, wenn die Wirtschaft nicht bereits kollabiert ist. Hier ist meine Vorhersage: Die EZB wird das Geld nicht aus dem Markt abziehen und das Programm wird ausgeweitet", prophezeit Grice. Diese Politik werde letztlich zu hoher Inflation führen, was für Sachwerte wie Immobilien und Aktien spreche. "Die Druckerpresse läuft!", schreibt Grice. "Kurzfristig macht das Aktien wieder interessant. Die Börse sieht nun weniger überbewertet aus als zuvor."

Es könnte also durchaus sein, dass die Kurskorrektur von zehn Prozent beim Dax weitgehend vorüber ist. Das ändert allerdings nichts daran, dass die Gefahren für Wirtschaft und Börse mittelfristig gesehen enorm sind. "Unsere Annahme ist, dass uns ein langer, tiefer Wirtschaftsabschwung bevorsteht", sagte Eric Sprott, Gründer und Chef des Hedgefonds Sprott Asset Management, am Mittwoch. "Wir erwarten diesen Abschwung seit dem Jahr 2000, aber bis jetzt haben Regierungen und Notenbanken immer versucht, den Abschwung hinauszuzögern."

Für eine Weile könnte das auch diesmal noch gelingen, wenn auch die Kosten steigen, wie die Staatsschulden zeigen.

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