Börsenaussichten: Gefährlicher Optimismus am Aktienmarkt

KommentarBörsenaussichten: Gefährlicher Optimismus am Aktienmarkt

von Anton Riedl

Unter Banken, Fondsmanagern und Analysten gilt eine Jahresendrally als ausgemachte Sache. Doch die Ernüchterung könnte schneller als erwartet eintreten.

Ganz klar, es gibt derzeit eine Reihe positiver Argumente, mit denen Optimisten die Aktienkurse Schritt für Schritt nach oben treiben: die Stabilisierung der Wirtschaft, die Hoffnung auf steigende Unternehmensgewinne 2010, rückläufige Zinsen und mangelnde Anlagealternativen. Gut möglich, dass die Börsen weltweit bis zum Jahresende deshalb noch etwas zulegen. Im Dax könnte es im optimalen Fall sogar noch für das alte Ziel um 6100 Punkte reichen.

Doch gleichzeitig wachsen wieder die Risiken. Von Dubai bis Irland wackeln Schuldner, Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann warnt vor neuen Gefahren vom US-Immobilienmarkt, industrielle Schwergewichte wie Siemens enttäuschen mit ihren Zahlen. Selbst in einem positiven Konjunkturszenario dürfte es mindestens einen zweiten Rücksetzer geben. Und ob die Liquidität in den nächsten Monaten immer noch so reichlich wie bisher vorhanden ist, darf angesichts langsam beginnender Einsammelaktionen der Notenbanken bezweifelt werden.

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5300 bis 5500 Punkte bleiben vorerst die Auffangzone

An den Börsen jedenfalls knirscht es verdächtig. Immer häufiger verlaufen Aufwärtsbewegungen mangels echter, langfristiger Investoren im Sande. In Abwärtsbewegungen steigt das Handelsvolumen hingegen an. Verabschieden sich da womöglich klammheimlich große Investoren von Paketen, während sie öffentlich noch die Jahresendrally predigen?

Jetzt in Sinne einer Jahresendrally für ein paar Prozent Restpotenzial im Dax noch neu zu investieren, ist riskant. Wer dagegen im Markt ist, kann – bei aller Vorsicht – Positionen laufen lassen. Ungebrochen ist die Aufwärtsbewegung in den Branchen Telekom, Nahrung, Pharma oder Bau. Hier dürften vorerst nur Konsolidierungen anstehen und keine nachhaltigen Abwärtsbewegungen. Angeschlagen dagegen sind Finanzwerte, Technologieunternehmen, Auto oder Stahl.

In den nächsten Wochen stehen damit die defensiven Branchen im Vordergrund, während zyklische Werte weiter abgeben dürften. Trost für den Gesamtmarkt: Die Risiken überwiegen zwar, doch ein tiefer Absturz ist vorerst wenig wahrscheinlich. Im Dax bleiben 5300 bis 5500 Punkte eine mögliche Auffangzone.  

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