Börsengänge: Zitter-Start für Kabel Deutschland

Börsengänge: Zitter-Start für Kabel Deutschland

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Ein Börsengang jagt den anderen in diesen Tagen. Heute schaffte Kabel Deutschland bis zum Nachmittag eine positive Kursentwicklung im Vergleich zum Ausgabepreis. Unterdessen kommen auf die Lufthansa schon wieder Pilotenstreiks zu.

Der TV- und Telefonanschluss-Anbieter Kabel Deutschland hat den Handelsstart in Frankfurt geschafft. Nun müssen Anleger aber zittern, der Kurs rutscht nach dem Start bereits leicht ab. Dabei hatte der Eigner, die Private-Equity-Gesellschaft Providence, nur einen Preis nahe dem unteren Ende der Spanne durchsetzen können. Das zeigt, welche Hürden die übrigen drei Debütkandidaten noch zu überwinden haben.

Eine Kursrakete sieht anders aus: Wer beim Börsengang von Kabel Deutschland dabei war, bekam die Aktie für 22 Euro zugeteilt. Heute früh startete der Titel bei 22,50 Euro, bis halb zwölf war er schon auf 22,10 Euro abgebröckelt. Sieht aus, als ob die Konsortialbanken bald alle Hände voll zu tun haben werden, das Abrutschen zu vermeiden. Unterhalb des unter den Ausgabepreises darf eine betreuende Bank dreißig Tage lang den Kurs stützen, indem sie die Aktien aus der so genannten Mehrzuteilungsoption ("Greenshoe") wieder aus dem Markt zurückholen. Das sind gewöhnlich 15 Prozent der abgegebenen Aktien.

Das Debüt von Kabel Deutschland galt als schwierig, denn das Unternehmen ist auch nach dem Debüt noch hoch verschuldet. Das frische Geld von der Börse fließt komplett an den Altbesitzer, die Private-Equity-Gesellschaft Providence. Selbst wenn die Mehrzuteilungs-Aktien nicht im Markt bleiben sollten, erhält Eigner Providence durch den Börsengang 660 Millionen Euro (vor Abzug der Kosten für Banker und Anwälte) und gibt dafür mindestens 33 Prozent der Aktien ab.

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Dass sich genug Abnehmer für die Aktien fanden, ist ein Erfolg für die US-Beteiligungsgesellschaft und für die von ihr beauftragten Banken. Für die Anleger ist es nur dann eine gute Nachricht, wenn die Aktie dauerhaft über den Ausgabepreis von 22 Euro steigt.

Kabel Ausland

Besonders die deutschen Investoren sind skeptisch. Nur zehn Prozent der angebotenen Aktien brachte das Unternehmen hierzulande unter. Bei allen größeren deutschen Börsengängen geht mehr als die Hälfte der Aktien ins Ausland, weil die großen Geldverwalter nun einmal überwiegend in London, New York und Boston sitzen. Aber bei Kabel Deutschland ist der Anteil noch weit höher als gewöhnlich, nur wenige Aktien wanderten zu deutschen Fondsgesellschaften. So gesehen also Kabel Ausland statt Kabel Deutschland, zumindest an der Börse.

Sonderbar: Gerade Briten und Amerikaner sind offenbar überzeugt, dass es dem Unternehmen gelingt, über die von der Deutschen Telekom einst übernommenen Fernseh-Kabel immer mehr Telefon- und Internetanschlüsse zu verkaufen. Deutsche Investoren sind skeptischer, dass ihre Landsleute hier zugreifen und dass das von den Bankanalysten unterstellte Wachstum so eintrifft. Wer kennt den deutschen Markt besser?

In den kommenden Tagen werben der Chemie-Transporteur Brenntag, die Textilkette Tom Tailor und seit heute auch der chinesische Hersteller von Wasserhähnen Joyou um Käufer für ihre Aktien. Der Vorteil des Trios ist, dass zumindest ein Teil der angepeilten Einnahmen bei allen dreien in das Unternehmen fließen sollen, auch wenn damit teils vor allem der Schuldenabbau finanziert wird. Anleger sehen hohe Schulden als großes Manko, zeigt der verhaltene Start von Kabel Deutschland.

Den schwierigsten Brocken haben die Investmentbanker an den Markt gehievt. Daher dürften auch die anderen drei Kandidaten gute Chancen haben, an die Börse zu kommen. Große Kurssprünge sind allerdings unwahrscheinlich, zeigt der Blick auf die jüngste Aktie am deutschen Markt.

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