Börsengang: Privatanleger außen vor

Börsengang: Privatanleger außen vor

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Auch für die Aktien der zweiten Reihe ging es zwischen März und Oktober ordenlich nach oben. Der MDax steigerte sich von 4163 auf 7300 Punkte, was einem Plus 75 Prozent entspricht. Beim SDax, dem Index der Deutschen Börse für Aktien geringeren Börsenwerts, ging von 2175 Punkten rauf auf 3500 Punkte – eine Steigerung um 60 Prozent. (Betrachtungszeitraum vom 6. März bis 6. Oktober 2009) Foto: dpa

Ex-Investmentbanker Roland Lienau will 250 Millionen Euro an der Börse einsammeln. Sein Übernahmevehikel Helikos soll einen "heimlichen Weltmarktführer" kaufen - mit Geld von Reichen. Wer nicht mehrere zehntausend Euro investieren will, hat kaum Chancen.

Deutschlands erster Börsengang 2010 ist gar keiner. Jedenfalls nicht im herkömmlichen Sinne, dass ein Unternehmen an der Börse Aktien breit verteilt, um Geld für sein Geschäft einzunehmen. Denn Börsenkandidat Helikos hat gar kein Geschäft, sondern soll es erst noch kaufen. Es ist ein Übernahmevehikel (auf Englisch: "Special Purpose Acquisition Company", SPAC). Mit den angepeilten 250 Millionen Euro Emissionserlös soll Helikos in den kommenden zwei Jahren Anteile an einem deutschen Unternehmen kaufen, Größenordnung: 300 bis 1000 Millionen Euro Unternehmenswert. Das gekaufte Unternehmen schlüpft in die börsennotierte Helikos-Hülle, die dann ihren Namen ändert.

Kleinanleger haben anders als bei vielen anderen Börsengängen kaum Chancen, Aktien zugeteilt zu bekommen. Angepeilt werde bei der Zuteilung der Aktien eine Mindest-Anlagesumme von 50.000 oder 100.000 Euro, sagten zwei mit den Plänen vertraute Personen wiwo.de. Helikos kommt dadurch nur für sehr reiche Investoren in Frage. Kleinanleger sind zunächst außen vor.

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Es gebe keine Mindestordergröße, teilte der Konsortialführer Deutsche Bank auf Anfrage mit. "Alle eingehenden Kaufaufträge werden angenommen. Über die Zuteilung wird entschieden, sobald das Orderbuch geschlossen ist."

Auch wenn im Börsenprospekt keine Mindestanlagesumme steht: Die beiden von wiwo.de befragten Insider halten es für sehr unwahrscheinlich, dass Anleger mit weniger als 50.000 Euro Ordergröße Helikos-Anteile zugeteilt bekommen.

Der Grund: Wenn es soweit ist und Helikos ein Unternehmen kaufen will, muss die Helikos-Hauptversammlung der Übernahme zustimmen. Daher sind die Gründer des Unternehmens bemüht, den Aktionärskreis überschaubar zu halten. Für den Anleger ist Helikos eine Option, um später bei einer Übernahme dabei zu sein. Bis zum Kauf der Zielfirma bleibt das investierte Geld auf einem Treuhandkonto der Deutschen Bank. "Das Geld wird in Staatsanleihen mit kurzer Laufzeit investiert. Wir erwarten eine Verzinsung von ein bis zwei Prozent", sagte Lienau. Von einem Teil der Zinsen werden allerdings die laufenden Kosten bezahlt.

Wer als Kleinanleger dabei sein will, muss warten: Er kann versuchen, nach dem geplanten Handelsstart am 2. Februar Helikos-Aktien an der Börse zu kaufen. Das Handelsvolumen dürfte relativ gering sein. "Kleinere Kaufaufträge für 100 Aktien dürften durchgehen, große Kauforder eher nicht", heißt es aus dem Helikos-Umfeld.

Die Börse als Promi-Treff

Hinter dem Übernahmevehikel steht die börsennotierte französische Beteiligungsgesellschaft Wendel. Helikos-Chef ist der Wendel-Manager Roland Lienau, der bis 2007 beim Helikos-Konsortialführer Deutsche Bank Aktienemissionen betreute. Ihm zur Seite steht Hermann Simon, Gründer des Beratungsunternehmens Simon-Kucher & Partners, der durch seine Bücher über heimliche Weltmarktführer aus dem deutschen Mittelstand ("Hidden Champions") bekannt geworden ist. Der Verwaltungsrat ist prominent besetzt: Dort finden sich der Unternehmer Jürgen Heraeus, Aufsichtsratschef der Haraeus Holding und der GEA Group, ebenso wie Christoph Kirsch, von 1980 bis 2006 Finanzvorstand bei Südzucker.

Für Lienau, Simon und die Beteiligungsgesellschaft Wendel würde es sich besonders lohnen, wenn Helikos wie geplant ein Unternehmen schluckt. Denn als so genannte Sponsoren des Übernahmevehikels erhalten sie für ihre investierten zehn Millionen Euro Optionsscheine. Bei einer Übernahme erhalten sie in einem ersten Schritt 2,6 Millionen Aktien, die dann 10 Euro wert sind. Schon dann hätten die Sponsoren ihr Investment mehr als verdoppelt. Sollte der Aktienkurs auf zwölf Euro steigen, erhalten Lienau, Simon und Wendel insgesamt 7,9 Millionen Aktien - das entspräche 95 Millionen Euro. Allerdings: Falls kein Firmenkauf zu Stande kommt, verfallen die Optionsscheine und das Trio hätte die angelegten zehn Millionen Euro verloren.

Wer bei Helikos zum Zuge kommt, erhält für 10 Euro je eine Aktie und einen Optionsschein, der zum Kauf einer weiteren Aktie für neun Euro berechtigt. Überhaupt ist Helikos für Anleger vor allem eine Option für einen späteren Aktienkauf, über den sie zu gegebener Zeit entscheiden dürfen. Jedenfalls dann, wenn sie überhaupt Helikos-Anteile zugeteilt bekommen.

Die Gründer geben sich jedenfalls überzeugt von ihrem Projekt, das zeigt schon das von ihnen gewählte Börsensymbol: Helikos wird unter dem Kürzel "HIT" zu finden sein.

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