Börsengehandelte Fonds: Fonds-Verkaufsschlager prominent ignoriert

Börsengehandelte Fonds: Fonds-Verkaufsschlager prominent ignoriert

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Der Handelssaal der Commerzbank in Frankfurt am Main

von Martin Gerth

Anleger kaufen verstärkt kostengünstige, an der Börse handelbare Indexfonds (ETF). Dennoch ignoriert der Branchenverband der Fondsindustrie den Ansturm auf ETFs.

Fondsstatistiken verschweigen mitunter mehr als sie aussagen. So meldete der Branchenverband der deutschen Fondsindustrie BVI für die ersten zehn Monate diesen Jahres 11,3 Milliarden Euro frisches Kapital für Aktienfonds. Dass darunter auch börsengehandelte Aktien-Indexfonds (ETF) fallen, darüber verliert der BVI kein Wort. Allein die drei größten ETF-Anbieter db x-trackers (Deutsche Bank), Comstage (Commerzbank) und etflab (Deka), die im Verband vertreten sind, sammelten mit Aktien-ETF bis Ende Oktober 6,7 Milliarden Euro ein. Unter dem Strich ist also weniger als die Hälfte des neu angelegten Kapitals in aktiv gemanagte Aktienfonds geflossen.

Statistik verschweigt Erfolge

Längst ist das ETF-Geschäft für einige große Fondsanbieter keine Nische mehr. Ohne die Einnahmen des ETF-Ablegers db x-trackers hätte die Deutsche Bank mit Investmentfonds nicht 1,9 Milliarden Euro Plus gemacht, sondern 2,4 Milliarden Euro Miese. Dabei startete db x-trackers erst im Januar 2007, also nur wenige Monate vor Beginn der Finanzkrise.

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Wenn der BVI den gesamten deutschen Fondsmarkt erfassen würde, fiele die Bilanz in diesem Jahr noch deutlicher zu Gunsten der ETFs aus. Stattdessen geht nur etwa die Hälfte der 160 Portfolios des ETF-Marktführers IShares (BlackRock) in die BVI-Statistik ein und gar keine ETFs von Lyxor, der Nummer zwei im deutschen ETF-Geschäft. Bei IShares fehlen die in Irland aufgelegten aber in Deutschland erhältlichen ETF und Lyxor fällt aus der Statistik, weil die Tochter der Société Générale nicht im Branchenverband vertreten ist.

Nicht nur für Privatanleger

Offensichtlich haben Teile der Fondsbranche kein Interesse an einer öffentlichen Vermarktung des ETF-Erfolgs. Dass ihnen mit jedem verkauften ETF-Anteil Einnahmen entgehen, weil die Anleger sich hohen Ausgabeaufschläge und teure Verwaltungsgebühren für aktiv gemanagte Aktienfonds sparen wollen, dürfte sie auf jeden Fall schmerzen. Besonders pikant ist, dass vor allem Profis ETFs bevorzugen, die bestens mit den Stärken und Schwächen aktiv gemanagter Aktienfonds vertraut sein müssten. IShares, Lyxor und db-xtrackers schätzen den Anteil der professionellen Anleger am ETF-Umsatz auf 80 bis 90 Prozent. Allein aus der Verbandsstatistik lässt sich dies aber nicht ablesen.

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