Börsenkommentar: Flotte Talfahrt in Richtung Börse

Börsenkommentar: Flotte Talfahrt in Richtung Börse

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Der Bulle vor der Frankfurter Börse

Bahn-Chef Mehdorn reaktiviert sein Talent als Aktienverkäufer. Doch Anleger sollten auf der Hut sein – selbst dann, wenn die Bahn-Aktie billig an die Börse kommt.

Da ging in Hartmut Mehdorn offenbar der Lokführer durch. Die Bahn sei auf „Talfahrt in Richtung IPO“ sagte er dieser Tage in Frankfurt, nach diversen Banken-Meetings. Vorsicht: Für Lokführer mag bergab was Feines sein. Anleger aber fürchten nichts mehr als eine Aktie auf Talfahrt. Ärgerlicher als der Lapsus war, dass der Bahn-Chef, per Standardausrede („Die Anwälte haben es mir verboten“), zur Zukunft der Bahn wolkig blieb und bisweilen bewusst Nebelkerzen warf. Die Frage, wie es bei Investoren ankomme, dass zunächst über 75 und auf ewig wohl mehr als 50 Prozent der Bahn-Aktien beim Staat liegen werden, wiegelte er ab: Das sei für Investoren kein Thema.

Die „40 Banker“, mit denen er gerade gesprochen habe, interessiere nur das Volumen der Emission. Was er zu erwähnen vergaß: Die Banker, die Mehdorn jetzt trifft, sind keine Investoren, die Aktien kaufen, sondern Investmentbanker, die alles tun, um an die Fleischtöpfe des Bahn-Börsengangs zu kommen. Fondsmanager stören sich schon gewaltig an der Staatsnähe der Bahn. Zuletzt zeigte die sich in der von der SPD offensichtlich gegen den Willen Mehdorns durchgesetzten Berufung des ehemaligen Transnet-Chefs Norbert Hansen in den Bahn-Vorstand. Erschwerend kommt hinzu, dass Anleger mit den Staats-Börsengängen Telekom und Post in der Masse eher Geld verloren als gewonnen haben. Beide haben umso stärker an Marktanteilen und Börsenwert verloren, je mehr Wettbewerb in ihrem Kerngeschäft möglich wurde. Wie stark das Festnetzgeschäft der Telekom und der Briefverkehr bei der Post unter Druck kommen würden, war beim Börsengang nicht absehbar – oder es wurde Anlegern nicht unter die Nase gerieben.

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Telekom und Post suchten ihr Heil in Zukäufen und fielen damit meist kräftig auf die Nase. Die Post, deren US-Geschäft nur noch vom Rivalen UPS gerettet werden kann, demonstrierte das gerade in dieser Woche eindrücklich. Auch Mehdorn sucht sein Heil vor allem außerhalb des Bahngeschäfts, wo die Bahn schon heute 51 Prozent ihrer Umsätze macht.

Muss er wohl auch, denn in Deutschland gewinnen Wettbewerber auf der Schiene Marktanteile. Erst mal nur im Güter- und Regionalverkehr, in ein paar Jahren wohlmöglich aber auch bei den profitablen Hochgeschwindigkeitszügen. Mehdorns Vision vom weltumfassenden Logistiker Bahn klingt verdammt nach Ex-Postchef Klaus Zumwinkel.

Anleger sollten nicht vergessen: Mehdorn weiß, wie man Aktien teuer verkauft. 1997 brachte er für RWE deren Tochter Heideldruck an die Börse. Seitdem verlor die Aktie zwei Drittel an Wert, während der Dax 75 Prozent gewann.

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