Börsenkommentar: Warum Börsengerüchte in der Hausse besonders ziehen

KommentarBörsenkommentar: Warum Börsengerüchte in der Hausse besonders ziehen

von Hauke Reimer

Negativmeldungen schiebt die Börse zurzeit beiseite. Für elegant konstruierte Gerüchte haben Anleger aber ein offenes Ohr. Warum das so ist, welche Geschichten gerade Kurse machen.

Vor einer Überhitzung der Börse zu warnen ist fad. Das wollen höchstens die hören, die die Rally verschlafen haben. Miese Auftragslage im Maschinenbau, Krise bei US-Gewerbeimmobilien, Post-Abwrackprämien-Depression? Interessiert nicht. Überschuldete US-Verbraucher, schwacher Arbeitsmarkt? Geschenkt. Tausendmal gehört, tausendmal ist nix passiert.

Wir hören zurzeit lieber Positives – und Gerüchte. Die werden an der Börse immer produziert, aber nur in der Hausse so bereitwillig geglaubt. Im Moment sind alle, die dem Trend hinterherlaufen und die letzte Runde verschlafen haben, auf der Suche nach Storys, die eine eigentlich schon sehr gut gelaufene Aktie noch mal in eine andere Dimension heben könnten.

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Finanzaufsicht prüft Invesco

In der abgelaufenen Börsenwoche etwa schoss die MAN-Aktie nach oben. Die Fondsgesellschaft Invesco hatte überraschend gemeldet, sie halte 10,4 Prozent an MAN. In der Aktie, keine Frage, tut sich was: VW-Patriarch Ferdinand Piëch will den Lkw-Bauer, an dem VW knapp 30 Prozent hält, komplett seinem Imperium einverleiben – irgendwann. Wenn ein Fonds auf einen Schlag zehn Prozent nimmt, muss da doch gerade was laufen, sagten viele Anleger – und kauften MAN. Peinlich nur, dass Invesco sich vertan hatte. Nur 1,04 Prozent halte man an MAN, kam tags drauf die Korrektur. Ein Computerfehler, sorry. (Die Frage, ob Invesco bei der täglichen Berechnung der Fondsanteile ihrer Anleger ähnliche Sorgfalt walten lässt, sei an dieser Stelle nur ganz kurz angeschnitten.) Invesco hat jetzt die Finanzaufsicht am Hals.

Aktienhändler denken simpel

Gerüchte über Aufstockungen bereits bestehender Beteiligungen sind zwar nicht originell, aber beliebt, weil naheliegend und damit plausibel. Eine Auswahl aus dieser Woche: Der Finanzinvestor Oaktree wolle seine 24 Prozent am Immobilienwert Deutsche Wohnen ausbauen – Deutsche Wohnen steigen. Der Luxuskonzern PPR plane, bei Puma von 70 auf 100 Prozent zu gehen – Puma ziehen an.

Mit noch mehr Begeisterung jubelten Broker diese Woche die Geschichte durch ihre E-Mail-Verteiler, dass Siemens den Solarwert Q-Cells kaufen werde. Das ist ein sogenanntes Analogie-Gerücht: Bosch hat vor Kurzem Aleo Solar und  Ersol gekauft.  Siemens macht so was Ähnliches wie Bosch – also kauft Siemens auch Solar, eben Q-Cells. So simpel denken viele an der Börse.

Die Realität ist meist komplizierter. Leider.

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