Börsenpropheten: Düstere Prophezeiung

KommentarBörsenpropheten: Düstere Prophezeiung

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Andreas Henry

Wie ernst sollte man den Rat eines Mannes nehmen, der das Entstehen, das Ausmaß und die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise ziemlich exakt vorausgesagt hat?

Im November 2006 trat Fondsmanager Peter Schiff auf einer Veranstaltung vor mehr als 2000 amerikanischen Hypothekenbankern in der Spielerstadt Las Vegas auf. Viele Zuhörer belächelten ihn damals, seinen Vortrag hielten sie für irrsinnige Schwarzmalerei, denn ihre Geschäfte liefen prächtig.

Durch billiges Geld von den Kreditmärkten habe sich eine gigantische Blase am US-Immobilienmarkt aufgepumpt, warnte Schiff, die bald platzen werde. Subprime-Darlehen seien an Leute vergeben worden, die sich Häuser gekauft hätten, die sie sich eigentlich nicht leisten könnten. Die Risiken dieser Kredite würden an der Wall Street in komplexen Finanzinstrumenten verteilt, versteckt und dadurch gefährlich unterschätzt. Bald würden viele Instrumente wertlos sein und für gigantische Verluste sorgen. Der Kollaps der Hauspreise werde den Konsum auf Pump beenden und die Wirtschaft in eine schwere Rezession abrutschen lassen.

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Goldgrube Asien?

Heute ist Schiff, der jetzt sogar für den Senat kandidiert, einer der prominentesten Widersacher der Optimisten, die den Dow Jones schon wieder locker die 10.000-Punkte-Hürde nehmen sehen. Für ihn ist das Schlimmste noch längst nicht vorüber. Das wahrscheinlichste Szenario sei eine Depression mit hoher Inflation, im ungünstigsten Fall sogar mit einer Periode von Hyperinflation, die soziale Unruhen im Land auslösen könnte. Wegen des gigantischen US-Staatsdefizits werde der Dollar bald kollabieren, der Kurs des chinesischen Renminbi könne sich dagegen verdoppeln oder gar verdreifachen, wenn dessen Kopplung an den Dollar aufgegeben werde. Er empfiehlt deshalb seinen Kunden, sich radikal aus Dollar-Anlagen zu verabschieden.

Chancen sieht Schiff nur in Asien, insbesondere in China. Darüber hinaus rät er nach wie vor zu Gold. Zurzeit werde der Dow-Jones- Index noch mit einem Verhältnis von etwa 9,7 zu 1 im Vergleich zu Gold gehandelt. Doch innerhalb der nächsten Jahre soll sich diese Relation auf 1 zu 1 verändern. Das würde bedeuten, der Dow könnte nochmals auf 5000 Punkte fallen und Gold auf 5000 Dollar pro Unze steigen.

Das scheint heute so unrealistisch wie damals vor den Hypothekenbankern die Aussicht, die Verluste auf dem Immobilienmarkt könnten Billionen von Dollar betragen. Schiffs Szenario werde nur eintreten, entgegnete damals zum Vergnügen des Publikums in Las Vegas einer der Teilnehmer auf dem Podium, wenn eine Atombombe auf New York fallen werde. Doch der Mann irrte.

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